Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 1 (1.1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
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Auch hier fand sie das verständnisvollste Entgegenkommen. Es galt die Erhaltung der Chedarim, die wohl eine kleine Umgestaltung im Sinne der Forderung der modernen Zeit zuließen, aber unbedingt in ihrem Grundwesen erhalten bleiben mußten, wenn man nicht die schweren, unabsehbar schlimmsten Folgen für das gesetztstreue Judentum heraubcschwörcn wollte. Die Gewißheit, daß die Chedarim' in ihrem eigentlichen wesentlichen Test erhalten bleiben würden, war sicher eine Beruhigung, aber es war doch von äußerster Wichtigkeit, daß jede Umgestaltung, die etwa vollzogen werden sollte, dem entsprach, was den Kreisen derpolnischen Orthodoxie auch annehmbar erschien; und wenn es auch iu erster Linie dem tiefen Verständnis des Referenten für jüdisches Schulwesen, des Herrn Reichstagsabgeordneten Dr. Haas, zu vererdanken ist, daß alle Kreise der orthodoxen Judenheit Psleno mit der Neugestaltung zufrieden sind und ihr volles Vertrauen entgegenbringen, so gebührt doch der aufklärenden Tätigkeit der Delegierten der A. I., die seit mehr denn Jahresfrist in Warschau weilen, und die es als eine ihren wichtigsten Aufgaben anschen, durch die Erhaltung des Cheder die Möglichkeit zu schaffen, auch die Kenntnisse der Thauroh in Polen auf der Höhe zu erhlatcn, auf der sie stand und steht, ein großer Teil des Dankes, den Klall Jisroel schuldet. Agudas Jisroel ist aber bei der Erhaltung und zeitgemäßen Umgestatlung des Cheder nicht stehen geblieben. Sic hat auch dafür gesorgt, daß die Stätten, in denen die im Cheder gewonnenen ersten Kenntnisse erweitert, vertieft und zu dem eminenten Thorawissen ausgebaut werden, das wir Westjnden an unseren östlichen Brüdern so häufig bewundern, daß die Jeschiboth z. T. wieder eröffnet werden konnten. Es bedurfte großer Geldmittel, um diese Pflanzstätten jüdischer Gelehrsamkeit in den Stand zu setzen, ihre Tore wieder zu öffnen und offen zu halten, aber G. s. D., es ist gelungen, und das Werk wird auch mit Gottes Hülfe weiter Bestand haben, sodatz das Reservoir der Thoragelehrsamkcit, das uns Russisch-Polen und Littauen stets war, sich nicht erschöpfen wird und von seinem Überfluß weiter an die westlichen Länder wird spenden können. Auch eine» weiteren Punkt des Bildungsproblems faßte A. I. ins Auge, und sie verstand cs, ihn richtig durchznführen. Man weiß es sattsam bei uns, daß im Gegensatz zu der männlichen Jugend in Polen und Littauen, mit der sich in Thanrowisscn und jüdischem Fühlen unsere Jugend zu messen nicht einmal wagen darf, die weibliche Jugend weit hinter der unsrigen zurücksteht, sowohl was jüdisches Wissen als auch jiidischcs Empfinden und jüdisches Handeln betrifft. Selbst in streng chassidischcn Kreisen, in denen für die männliche Jugend jede profane Bildung frülser streng verpönt war, wurden die Mädchen durchaus den westlichen Bildungsaufgabcn entsprechend unterrichtet. Ja, man ging noch über das, was bei uns die geistige Kost eines Heranwachsenden Mädchens ist, weit hinaus, man führte die weibliche Jugend — und das; cs möglich war, lag wohl in der größeren geistigen Reife der dortigen Jüdinnen — schon frühzeitig an Probleme heran, für die, als geistige Nahrung für junge Mädchen, wir kein Verständnis haben. Natürlich waren die