Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 1 (1.1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 agudoh muß zunächst verhindert werden, daß darüber hinausgehend von der einen oder anderen Landesorganisation' die Zugehörigkeit zur Agudoh von Grundsätzen oder Handlungen abhängig gemacht werden kann, die eine, wenn auch kleine Minderheit der Anhänger des überlieferten Judentums in dem betreffenden Lande nicht als bindend anerkennt; wenn also in einem Lande unter 600 000 thoratrenen Inden auch nur 10 000 oder weniger, geschweige denn 50 000, den Austrittsstandpunkt nicht anerkennen, so darf nach dem von mir vorgeschlagene» Grundsatz die betr. Landesorganisation die Zugehörigkeit zur Agudoh nicht an die Anerkennung des Austrittsstandpunktes knüpfen und muß, wo dies seitens einzelner Ortsgruppen geschieht, Parallelbildungcn zulassen. Erst einstens, wenn die geistige Annäherung innerhalb der gesamten thoratreuen Judenheit s. G. w. so weit vorgeschritten ist, daß deren berufene Vertreter im Rabbinischen Rate zu einer einheitlichen Klärung halachischer Fragen gelangen und mit ihrer Entscheidung sich auf allgemeine Autorität stützen können, wird die fragliche Bindung seitens der Leitung der Agudoh überflüssig. Zu 2. Die Schwierigkeiten bei der Regelung des passiven Wahlrechts scheinen mir durch die angegebenen Fordeningen allerdings beseitigt zu sein freilich nicht dann, wenn die Ergänzung leitender Körperschaften durch Kooptation aus der eigenen Mitte heraus oder auf ähnliche Weise geschieht, wohl aber wenn ein demokratisches und proportionales Wahlrecht es ermöglicht, daß jede Ortsgruppe innerhalb der Landesorganisation, jede nennenswerte Strömung in den einzelnen Ländern innerhalb der Leitung der Gesamtagudoh entsprechend zu Worte kommt. Zu 3. Ich freue mich, daß die Erwiderung meine Kritik an der Form der Polemik zwischen jüdischen, vielfach sogar thoratreuen Brüdern als im Kern berechtigt anerkennt, und will daher auch nicht nochmals auf die ja doch nicht bündig eutscheidbare Frage eingehen, welche Seite nach dieser Richtung hin schwerer gesündigt hat und wievieles jüdische Nerven ertragen haben müssen, um sich über die Schranken eines auch nur einigermaßen brüderlichen Tones hinwegsetzen zu dürfen. Aber wenn die Erwiderung meint, ich sähe in der Zionistischen Organiastion einen neutralen Zweckverband zur Lösung bestimmter praktischer Aufgaben, so ist dies ganz und gar irrig (der gelegentlich gebrauchte Vergleich mit einer „Chewra Kadischa" zielte wesentlich in Richtung der Neutralität und war natürlich nicht allgemein gemeint); im Gegenteil: ich stimme der Erwiderung sogar in der Behauptung zu, daß die Zionistische Organisation das jüdische Volk, und zwar abgesehen von seiner Thora, organisieren will. Aber sie will mehr und Größeres: die Z i o n istische Organisation will auf dem Boden eines die Thora als solche allerdings nicht enthaltenden — Minimalprogramms die heute mehr als je seit zwei Jahrtausenden gefährdete materielle und geistigk Existenz der Völker retten und erhalten und muß konsequenterweise sogar sich selbst als überflüssig erklären von dem Augenblick an, wo diese