Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- Sonderheft (1.1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 45)
- Language
- German
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45 jüdischen Kreisen gehegten überschwenglichen Hoffnungen keine Erfüllung finden würden, sodaß es am besten sei, keinerlei Mitverantwortung zu tragen. Demgegenüber gab die ungeheure Mehrheit der Versammelten der Überzeugung Ausdruck, daß es in einem Augenblicke von weltgeschichtlicher Bedeutung für die Vertretung des geschichtlichen Judentums taktische Rücksichten überhaupt nicht geben dürfe. Wer jetzt schweige, schalte sich selbst von der Mitwirkung an dem künftigen Geschicke des jüdischen Volkes aus. Die „Agudas Jisroel" habe die gebieterische Pflicht, unbeirrt den reinen unverfälschten Geist des biblisch-geschichtlichen Judentums gegenüber den Mächten der Erde zu vertreten und in politischen Forderungen zum Ausdruck zu bringen. Sie habe ferner dahin zu wirken, daß keine der historisch gewordenen großen Gedankenrichtungen innerhalb der Judenheit von einer einzelnen Richtung unterdrückt und mundtot gemacht werde. Aus der an interessanten Einzelheiten reichen Debatte sei noch die Anregung hervorgehoben, daß die „Agudas Jisroel", sofern es aus der Friedenskonferenz zur Festlegung von Prinzipien der internationalen Sittlichkeit komme, unter anderem auch für eine Formel eintreten solle, welche den Eltern das Rechtderfreien Erziehung ihrer Kinder gegenüber den Machteingriffen des Staates sicherstelle. Hinsichtlich der „S a b b a t h f r a g e" soll eine ausführliche Denkschrift eingereichi werden. Auf 6 Uhr abends hatte die Leitung der „Agudas Jisroel" sämtliche bereits anwesenden Delegierten des Jugendtages eingeladen, damit diese an der Debatte über die Programmfr a g e n, für welche sich die Jugend besonders lebhaft interessierte, teilnehmen können. Es gelangten zunächst die verschiedenen der „Agudas Jisroel"- Leitung überreichten Programmentwürfe und Resolutionen (Berlin, Frankfurt a. M., Hamburg-Altona, München) zur Verlesung und die Debatte wurde mit der Aussprache über die in Rr. 49 des „Israelit" veröffentlichten Leitsätze verbunden. In der Diskussion traten deutlich zwei Strömungen hervor. Auf der einen Seite verfochten einige Mitglieder der Leitung mit großer Energie den Standpunkt, daß die „Agudas Jisroel" sich vor jeder entschiedenen Betonung des jüdischen Volkstums zu hüten habe. Jedwede Unterstreichung des Volksgedankens führe zur Verwechselung mit dem politischen Nationalismus unserer Tage und werde sowohl auf religiösem Gebiete, wie auch in politischer Beziehung eine gefährliche Verwirrung der Begriffe erzeugen. Die Begriffe „Am" und „Goi" im jüdischen Schrifttum seien unübersetzbar. Demgegenüber vertraten die meisten Redner, darunter auch der Vorsitzende, eine durchaus abweichende Auffassung. Gegen Mißverständnisse dürfe man sich nicht durch Schweigen und Verschleiern schützen, sondern durch möglichst energievolle Klärung der