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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 46. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 46.
Article
Beilage zu Nᵒ 46.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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tragen wiru, verpflichtete «r eioh, den Lauten «inen regelmässigen Lohn zukommen zu lassen, wodurch es ihnen nunmehr ruöglioh ist, sieh in allerdings knapper Weise sn erhalten, aber jedenfalls konnte für sie bei ihren serrütteten Verhältnissen niohts Besseres geschehen. Solohergestalt ist das Werk des edlen Baron ein zweifach anerkennenswert!»«#: Er hilft seinen armen Stammesgenossen and ermöglicht es, dass die Colonie als solche erhalten bleibt, die, trots der gegenwärtigen schlechten Verhältnisse, den Keim grosser Erfolge in sich birgt. Ein Erfolg kann auf sweierlei Art erlangt werden: Erstens durch die Auswanderung einiger Colonisten. Als die Colonie zuerst gegründet wurde, waren Viele mit Bauen beschäftigt. Das Bauen ist nun su Ende und die Colonisten haben keine andere Beschäftigung, als ein wenig Arbeit auf dem Feld» Das gegenwärtige Beeitsthum kann-nur die Hälfte der vorhandenen arbeitsfähigen Mitglieder vollständig beschäftigen. Ist der Boden aber erst einmal bearbeitet und oultivirt, so verlangt er noch weniger Arbeitskräfte. Wir werden demnach auf die zweite Methode geführt, — nämlich die überflüssigen Arbeitskräfte mit Arbeit sn versorgen. Für Einrichtung einer benachbarten Colonie könnten diese erfahrenen Bauleute bei der Erbauung von Häusern und anderen Oebäudeu gut verwendet werden; vielleicht ist es noch besser, das jetzige Beeitsthum der Colonisten um ein gutes Stück su vergrößern Die Colonisten halten letzteren Plan für den besseren, und aus zwei Ursachen muss man ihnen beistimmen. Da nämlich die Colonie ziemlich genügend mit Wohnungen versehen ist, so hätte man nicht nöthig, die Regierung erst um die Erlaube iss zur Errichtung neuer Häuser su bitten, was bei einer ganz neuen Colonie nicht su umgehen wäre. Ausserdem aber ist das angrenzende Land, das zur Beschäftigung der Colonisten hinreichend ist, sn einem massigen Preise zu haben. Die Colonisten rathen, dieses Land gänzlich zur Zucht von Schafen und Ziegen zu benutzen. Man versichert uns, nicht nur seitens der Colonisten, sondern auch von Eingeborenen, dass auf diese Weise ein einträgliches Geschäft nicht nur mit den benachbarten Districten angefangen werden kann, sondern auch mit Egypten, dessen Märkte im Bereiche der Colonie liegen. Eine Auslage von vielleicht weniger als tausend Pfund Sterling wäre genügend, die angrenzenden Ländereien an zu kaufen und sie mit einer hinlänglichen Anzahl Schafe und Ziegen zn versehen. Die Colonisten können nichts für sich thnn, wo ein Kapital sogleich verlangt wird; sie sind hierin gänzlich auf Hilfe von Aussen angewiesen, augenblicklich sogar für ihre gewöhnlichen Bedürfnisse. Herr Baron v. Rothschild, dessen praktische Hilfe von so grossem Nutzen für die armen Colonisten war, würde, in seinem Wunsche für die dauernde Verbesserung ihrer Finanzen, wahrscheinlich sehr gern auch weitere Massregeln für den Erfolg der Colonie ergreifen und den Mitgliedern derselben Hilfsquellen ersehliessen, welche sie der Armuth und Abhängigkeit von Fremden auf immer entziehen. Nach Beendigung unserer Unterhaltung, in welcher alles Obige erschöpfend besprochen wurde, schritten wir hinaus; von einem Balkon am zweiten Stock des Hauses hatten wir einen schönen Ueberblick über die Besitzung. Ueberall sahen wir die deutlichen Spuren Heissiger Arbeit. Die Colonisten, die ihre Arbeit mit aller Energie verrichten, sind intelligent, voll Ausdauer und den Anordnungen gehorsam. Der Eindruck, den die Besitzung und die Colonisten auf uns machten, ist ein ausserordentlich günstiger, und wenn finanzielle Hilfe zur baldigen Erweiterung und Entwickelung der Colonisation gewährt wird, so glauben wir, dass eilt schöner Erfolg schliesslich durch diese würdige Ansiedelung erreicht wird. Wir erwähnen auch mit grossem Vergnügen einen Brief, den wir gerade von einem in Jaffa wohnenden Freunde erhalten, in welchem er uns mitt heilt, dass er vor einigen Tagen der Colonie einen unerwarteten Besuch abgestattet und bei seiner Ankunft vor fünf Uhr des Morgen* schon die Colonisten bei der Arbeit auf dem Felde getroffen habe. Könnten die englischen Juden nicht dem Herrn Baron v. Rothschild die Hand reichen und auch dazu beitragen, dass diese Colonisten, die es doch verdienten, mit hinlänglicher Beschäftigung versehen und die Colonie einer schönen Entwickelung entgegen geführt werde? Wir nahmen von unserem Wirthe und unserer Wirf hin Abschied und sagten den Colonisten Lebewohl, in der Hoffnung, dass die Vorsehung ihre Arbeiten segnen und ihnen Glück und Gedeihen spenden werde. Wir bestiegen unsere Wagen und fuhren rasch nach J a ffa zurück, wo wir am Abend noch Manches zu erledigen hatten. Der Nachmittag war wunderbar schön; die angenehmen warmen Sonnenstrahlen und der fast wolkenlos« Himmel vergrößerten las Vergnügen dieser Reise.

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