Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 46.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 46.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Colonisation Palästina^. ♦+*+♦ Ein Besuch auf der Colonie "jrx1? ppru*) Wir besuchten dies« Colonie Dienstag, den 19. Februar 18M-L Wir hatten Niemandem -von unserem Besuche vorher Mittheilung gemacht, und so kam es, dass, nachdem wir die Strasse oder den Weg, auf dessen beiden Seiten sich die Hauser befinden, schon erreicht hatten, eine geraume Zeit verstrich, bis Jemand au unserem Empfange erschien. Wir waren ausserdem unbemerkt bis dahin gekommen, da die Männer auf der entgegengesetsten Seite auf dem Felde mit Arbeiten beschäftigt waren. Wir schritten dem Orte au, wo sich die neuen Brunnen befinden, kamen dadurch mit einer Person in Berührung, welche den Anderen schnell Mittheilung von unserem Wunsche machte, uns mit ihnen über die Lage und die Aussichten der Colonie au unterhalten. Zu unserem grossen Vergnügen konnte einer der Colonisten aiemlich gut englisch sprechen, so dass die Unterhaltung fast ganz In dieser Sprache geführt werden konnte Wir wurden in das Haus eines der angesehensten Colonisten, Herrn Hei smann, geführt. Das Haus war selbstverständlich erst vor Kuraem gebaut; der Mörtel au den Wänden war schnell getrocknet, das Holawerk war nicht angestrichen. Eine sorgfältige Itesichtigung aeigte uns, dass das Haus gut und bequem gebaut und in bemerkenswerther Reinlichkeit gehalten war. Unsere Wirthiu und ihre beiden Töchter waren mit ausnehmend reinen Kattunkleidem und Schürzen bekleidet; Möbel und Veraierungen im Hause waren einfach, aber harmonisch aufgestellt; überhaupt machte das Innere der Häuser und die Bewohner einen gefälligen Eindruck, um so mehr, als wir ganz unerwartet eingetreten waren, und keine Vorbereitungen getroffen hatten werden können Wir besichtigten awar nicht alle Häuser, verschafften uns aber die Ueberzeugung, dass das Haus unserer Wirthiu als Musterprobe für die Häuser der Colonie dienen konnte. Wir sätaten uns um einen ungedeckten, mitten im Zimmer stehenden Tisch und wurden mit einem köstlichen The« bewirthet, der gewiss auch dem verwöhntesten Theetrinker gemundet hätte. . Die Unterhaltung drehte sich nun über allgemeine Angelegenheiten der Colonie. Dieselbe wurde im Spätjahre 1882 auf einem fruchtbaren Bezirke von etwa 1000 Acres gegründet, wovon die Colonisten das Meiste schon in einen schönen Culturzustand gebracht haben; Gerste, Weizen. Reben u. s. w, nebst Küchenpflanaen, bilden den Hauptbestandteil der Gewächse. Drei undawan aig Wohnhäuser mit Ställen und anderen Nebengebäuden sind von den Colonisten selbst errichtet worden; eine hinreichende Menge guten Wassers erhalten sie aus zwei von ihnen gegrabenen Brunnen. Die Lage der Colonie ist eine gute. Sie befindet sich rechts von der Hauptstrasse, die von Jaffa nach Jerusalem führt, 2 Stunden von Jaffa und ebensoweit von Ramleh. Ein ziemlich guter Fahrweg verbindet die Colonie mit der Hauptstrasse und ermöglicht den Verkehr zwischen der Colonie und dem Meere. Die wohlbekannte Anstalt "Slt^ST iTipö,, liegt in nur geringer Entfernung auf der Seite nach Jaffa hin, die Colonie “Hlpn nnC.. einige Meilen nordöstlich. Dem Herrn Hirsch in “'Jlfnzr iTptS., ist von Herrn Baron v. Rothschild aus Paris die Aufsicht über die Colonie übertragen worden. Der Herr Baron hat die Unterhaltung der Colonie übernommen, und verdient hierdurch das höchste Lob. Das grosse Hinderniss, welches jeden unmittelbaren Erfolg der Colonie unmöglich machte, war der Mangel an baarem Geld«, so dass die Colonisten ganz und gar auf den Ertrag des Bodens angewiesen waren. Man kann sich leicht vorstellen, wie gering dieser Ertrag auf einem so kleinen Raume im zweiten Jahre gewesen sein mag. Und doch sollten hundertfünfunddreissig Personen davon leben! Die Leute geriethen in Noth und wären ohne Hilfe von Aussen sicher zu Grunde gegangen Herr Baron Edmond von Rothschild erkannte de Sachlage und griff in praktischer Weise au den richtigen Mitteln. Nachdem ihm die gesetzlichen Rechte an der Besitzung über- *) Aus dem „Jewish Chronicle“.