Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 29.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 29.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 154 — „Wir haben mit io vielen Hindernissen au kämpfen, ao wollen wir una von dieaem noch nicht abschrecken, lassen*. Sie kauften alao dem Orieohen Eaaar aein Beaitathum für 1070 Franca ab und dachten aick bei dem Dörfchen TT* (neben Amalbaach) Wohnungen au gründen; dort iat die Luft geaund. Allein, au ihrem Schaden blieben aie nicht bei dieaem Vorsätze, sondern sprachen: Wir wollen una auf einem der Hügel Wohnungen erbauen, dorthin wird die Krankheit nicht kommen. Sie gruben in der That einen Brunnen daaelbst und bauten ein Haue. Mehr durften aie nicht bauen, da von der Regierung noch keine Conceaaion aum Bauen eingetroffen war. Daa Haue diente daher ala Wächterhaus. Sie kauften nun Rinder, Kameele und aonatige Hauathiere, sowie Ackergeräthe und fingen mit Lust und Liebe an, das Feld mit ihrem Zugvieh au bestellen, und was aie nicht selbst bestellen konnten, verpachteten sie an die Felachen. Der Segen des Himmels war mit ihnen, Aussaat und Ernte gediehen. Daa war ihrem Nachbar, dem Griechen Taijon, ein Dom im Auge; er chicanirte aie auf jede mögliche Weise und lieas sogar seine Heerde auf ihr Beaitathum treiben, ao dass schliesslich ein harter Kampf twiachen ihm und den jüdischen Ansiedelungen auabrach, aus welchem letatere siegreich hervorgingen, so dass alle Araber Respect und Furcht vor ihnen bekamen und sie unteratütaten. Im Sommer darauf blieben die Ansiedler vor jeder Krankheit verschont Viele von den Einwohnern Jerusalems, denen daa Bettelbrod der „Chalukah“ aum Ekel war, bekamen auch Lust, ala aie daa Gedeihen der Colonie wahrnahmen, Ackerbauer au werden und baten die ersten Ansiedler: Nehmet una auch in Eurem Verein auf. Aber dio alten Mitglieder wollten ihnen kein Land von ihrem Besitathume abtreten, sondern erwarben daa Grundstück ihres Feindes Taijon für 60,000 Franca, wovon aie die Hälfte sogleich erlegten und die andere Hüllte nach Ablauf eines Jahres au aahlen versprachen. Sie Hessen nun durch einen Geometer das Land vermessen und in 100 gleiche Loose theilen, aodass jedes Loos 83 Dulam misst, und aahlten hierfür 2000 Franca. Nun kamen sahireiche Käufer und erstanden von ihnen 82 Loose, jedes au 620 Franca. Manche dieser Käufer gaben nur die Hüllte oder ein Drittel oder ein Viertel des Ankaufspreises sogleich, da aie nicht viel Geld hatten. So kamen au den «men Vereinsmitgliedern neue hinau; aber man war bei ihrer Aufnahme nicht vorsichtig, jeder Küufer wurde augelassen, ohne dass man sich vorher überseugt hatte, ob ea auch Leute waren, die arbeiten wollten oder die Geld für die nothwendigsten Bedürfnisse hatten. Die früheren Ansiedler waren eben au vertrauensselig, da sie nur daa Beste ihrer Nation im Auge hatten. Im Jahre 5640 war das Feld gekauft worden, und nun gingen die neuen Ansiedler ohne Weiteres daran, die Aecker au bestellen und dachten gar nicht daran, sich Häuser au bauen; sie wohnten in Höhlen und Klüften und achteten nicht des Regens. Als jedoch die Regenacit vorüber war, sprachen die Vermögenden unter den neuen Ansiedlern: Wir wollen una doch Häuser bauen. Und ala sie sahen, dass das Land am Bache Hierekon so lieblich war, beschlossen sie, dort ihre Wohnungen au errichten. Die alten Ansiedler warnten sie und machten sie auf das bösartige Klima der dortigen Gegend aufmerksam; auch die Aerste riethen ihnen dringend ab. Einige hörten auf den wohlmeinenden Rath und bauten auf der Höhe; die anderen jedoch sprachen: Es wird nicht so schlimm sein. So trennten sie sich, und bald entstand eine Feindschaft awischen denen die im Thale und denen die auf dem Hügel wohnten, die noch durch nichtswürdige Leute geschürt wurde. Auch mit den umwohnenden Arabern geriethen sie bald in Händel Als nun der Sommer kam, aasen die Ansiedler im Thale alle möglichen Kräuter und Pflansen ohne Auswahl, und die Folge war, dass ein bösartiges Fieber bei ihnen ausbrach, so dass Viele die Flucht ergriffen. Die Ehre und das Ansehen des gansen Vereins war dahin; die Araber, mit denen sie schon früher in Streit gelebt, kamen ungehindert in die Tennen und stahlen, was sie Lust hatten. Die übrigen Ansiedler wurden auch von Unmuth und Angst ergriffen, sie zogen nach Jerusalem» und der Ort ward zur Einöde. Aber auch Diejenigen, die sich auf dem Hügel angesiedelt hatten, gingen unvernünftig zu Werke. Sie bauten Häuser von ungebrannten Lehmsteinen; einer baute sogar ein Haus mit oberem Stock und verwendete statt des Kalkes oder Mörtels nur Erde. Man sagte ihm: Dein Haus wird zusammen stürzen, aber er lachte ob solcher Reden. Als der Regen kam, schmolzen die Lehmsteine und die Häuser stürzten ein, auch das grosse Haus ward zum Trümmerhaufen. Es blieben nur noch fünf aus gehauenen Steinen errichtete Häuser der ersten Ansiedler stehen. Als auf solche Weise die Ansiedler den Ort verlassen mussten, ergriff auch die Zurückbleibenden eine Unlust, die Felder wurden vernachlässigt, die Leute verarmten, und als nun auch das Erlassjahr CTCStP) dazu kam, weigerten sie sich, ihre Schuld für das angekaufte Land an die früheren Ansiedler zu bezahlen. Dies war für Letztere eine harte Zeit, denn der Verkäufer drängte sie zur Zahlung, und sie konnten doch nicht, wodurch sie in grosse Unannehmlichkeiten geriethen. Alles dies kam zu meiner Kenntniss, da ich, seitdem ich mich hier niedergelassen habe, Alles was die Coloniesation Palästinas betrifft, mit grossem Interesse und aufmerksam verfolge. Ich ent-