Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 27.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 27.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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147 — flthigten, welche die Zufriedenheil der Schulleitung in geringerem Grade erworben, kommen die Vor* theile des Besuchs der Anstalt am schnellsten su Statten. Sie finden keine glänzende Stellung, aber sie finden doch ihr Brod. Ich sah ehemalige Zöglinge von “St"nZT mpo.. als Kutscher in Jaffa und Umgebung, als Kellner im jadischen Bötel in Alexandrien; auch der Kellner in dom vortrefflichen Bötel "D'bvn' i7VNm in der neuen westlichen Vorstadt Jerusalems, der auch als Führer und Dragoman bestens tu empfehlen, ist ein ehemaliger Zögling von "SttltJT mpö», — lauter bescheidene Stellungen, deren Inhalier jedoch ohne den Aufenthalt in der Ackefbauschule und die in derselben erworbenen Sprachkenntnisse niemals es so weit gebracht hätten. Den begabtesten Schülern dagegen, welche den Ackerbau als Lebensberuf gewählt, steht die Direction und die Alliance oft rathlos gegenüber. Stellen im Lande als Lohnarbeiter sind in den seltensten Fällen tu erlangen, da hierin der Jude so wenig wie der Christ mit dem vollständig anspruchslosen Fellachen concurriren kann. Zum Landankauf fehlen leider die Mittel, da die rastlos thfttige Alliance die ihr spärlich tulliessenden Gaben sur Unterhaltung der Schulen im Orient sehr nothwendig braucht. So bleibt den tüchtigsten Zöglingen von mpö., als einzige Aussicht, in Europa als Gärtner oder Lohnarbeiter angestellt zu werden. Derartige Stellungen, die materiell nicht ungünstig sind, können dieselben bei den reichen Israeliten Frankreichs mit Hilfe der Alliance um so leichter erlangen, als ihnen die vollkommene Kenntniss der französischen Sprache sur besonderen Empfehlung dient. Allein .... doch ich will Berrn Director Birsch selbst sprechen lassen: „Wenn ich nach Paris komme, besuchen mich meine alten lieben Zöglinge; ich frage sie nach ihrem Befinden, ihrer Thätigkeit, ihrer materiellen Stellung, und höre G. s. D. immer das Beste. Was ich aber leider nicht fragen darf, das ist, wie es mit der Beilighaltung des DSV bei ihnen steht. Ich weise, wie traurig in dieser Beziehung die Zustände in Frankreich sind und darf kaum hoffen, auch in dieser Beziehung von meinen früheren Zöglingen eine befriedigende Antwort zu erhalten So siehe ich es denn vor, su schweigen, um wenigstens an einem etwaigen p"V *5iSyt nicht mitschuldig su sein, den ich doch nicht verhindern könnte.- Das ist die Klage des Berrn Director Birsch, wie es die Klage des sei. Netter war. — Bei solchen Gesprächen mit Director Hirsch drängte sich ihm und mir oft die Frage auf, ob nicht unter den G. s. D. so zahlreich gesetzestreuen, Gärten und Felder besitzenden Jehudim Deutschlands und namentlich Süddeutschlands Placement för die empfehlungswürdigsten Zöglinge von "bmsr mpö., zu finden sein sollte? Director Hirsch (Sohn eines der würdigsten Rabbiner in Ober- Elsass, Neffe des jüngst verstorbenen, allgemein verehrten Rabbi Mayer Hirsch in Fried borg S‘1) erinnerte mich jüngst an unsere obenerwähnten Besprechungen und fragt mich, ob nicht für einige würdige Zöglinge der Ackerbauschule Stellungen in der Nähe Frankfurts oder sonstwo in Deutschland su finden wären. „Zwei unserer Schüler, schreibt er, könnte ich s. Z. empfehlen. Der eine, H. Lustgarten, 17 Jahre alt, ist ein tüchtiger junger Mann, der sich mit vollem Verstände iss der Gärtnerei widmet. Natürlich ist die Art und Weise der Garten-Cultur bei uns zu Hause von jener im hl. Lande etwas verschieden; allein es bedürfte nur weniger Monate, um sich einzuarbeiten. Derselbe spricht nicht nur geläufig Französisch, sondern kennt auch, als geborener Aschkenasi, das Deutsche nach Jerusalem. Dialekt — Der andere, Abraham Behar, 18 Jahre alt, der als Sephardi nicht deutsch spricht, würde auf jedem Landgute einen trefflichen und tüchtigen Bauernburschen abgeben.“.... Die verehrlichen jüdischen Landwirthe und Gartenbesitzer, welche in der glücklichen Lage wären, durch Engagement eines dieser jungen Leute dieselben dem gesetsestreucn Judenthume zu erhalten, würden gewiss eine grosse TODS ausüben. Zu jeder näheren Auskunft bin ich gerne bereit und bitte die veehrl. Redactionen jüdischer Blätter, durch Aufnahme vorstehender Zeilen sur möglichsten Verbreitung dieser universell jüdischen Angelegenheit beizutragen. Frankfurt am Main. Leopold Hamburger.