Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 25.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 25.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 188 — In unterem Voranschlag pro 1884 heben wir die Spenden in der Höhe det vergangenen- Jahre* einge*teilt. Wir konnten nur dadurch ein Gleiohgewioht «wischen den Einnahmen und Ausgaben hereteilen, data wir auf den Verbrauch det CaMenbeetandes von 1443 Mk. 23 Pfg. rechneten. Ein derartiges Defizit darf aber selbstverständlich nicht dauernd werden. Wir bitten daher dringend, uns durch den Beitritt sur Mitgliedschaft und durch einmalige Gaben eifrig au unterstützen, damit wir unsere Anstalt ihrem hohen Ziele entsprechend weiter führen und wo möglich sowohl in ihren pädagogischen Leistungen, als in der Zahl der in ihr erzogenen Knaben auf eine immer höhere Stufe heben können. Und so schliessen wir diesen Bericht mit dem Wunsche, dass der Himmel unsere Bemühungen für die heilige Sache der Menschenliebe und des Glaubens auch in Zukunft segnen möchte. Anmeldungen «um Beitritt, sowie Geschenke und Legate nimmt jedes Mitglied des Vorstandes und des Verwaltungsrathes mit Vergnügen entgegen. (Folgen die Unterschriften). --*>■ » es- ——- Bericht über das jüdische Waisenhaus zu Jerusalem pro 1883, vom Dirigenten. ii. Unsere Anstalt hat mit dem Ende des vergangenen Jahres das dritte Jahr ihres Bestehens vollendet und wir haben die Freude, auch für 1883 einen ersichtlichen Fortschritt oonstatiren zu können; 1882 war bezeichnend durch die UeberfÜhrung der Anstalt in ein eigenes Gebäude, 1883 durch die Umwandlung der Schule aus einer spaniolischen in eine deutsche. Bei Gründung des Waisenhauses hatten wir allein bei dem sephardischen Tlieil unserer Glaubensbrüder Unterstützung gefunden, wir hatten uns deshalb auch veranlasst gesehen, den * Forderungen ihrer Führer vollständig Reohnung zu tragen und den hebräischen Unterricht in spaniolischer Sprache von einem Chacham ertheilen sn lassen. Da dieser Jargon überdies die Muttersprache der meisten Kinder war, so konnte daneben das Deutsche nicht aufkommen, ja selbst ein systematischer Unterricht in dieser Sprache keinen festen Fuss fassen, wenn auf der anderen Seite eine mechanische Systemlosigkeit den Zöglingen aufgedrängt wurde. So sehr uns auch diese Zustände verdrossen, so sahen wir uns doch ausser Stande mit ihnen an brechen. Ein Mal, weil wir auf die Unterstützung einer Partei angewiesen waren, welche dies* Sachlage als eine naturgemässe betrachtete, und zweitens, weil uns die für eine Umgestaltung nöthige Hilfe nicht zur Seite stand. Erst als es uns gelang, eine sehr gediegene Kraft für das Hebräische au erlangen, die zu gleicher Zeit eine allgemeine Bildung und moderne Schulung besass, konnten wir es unternehmen mit dem alten Unwesen au brechen, das Deutsche zur allein herrschenden Sprache au machen, und auf diese Weise die Kinder je nach ihrer Fähigkeit auf einem geordneten Bildungsgänge, einem bestimmten Ziele entgegenführen. Noch machte uns der speoiell deutsche Unterricht viel Sorge, weil es ebensowenig wie für das Hebräische möglich war, hier in Jerusalem einen Fachmann für diesen Gegenstand au finden. Erst als der Dirigent mit Unterstützung eines tüchtigen Hilfslehrers sich selbst der Leitung dieser Disciplin unterzog, ist auch System und Schwung in dieses Fach gekommen. Die Kinder arbeiten mit Eifer und Erfolg ihre Bestrebungen im Hebräischen werden durch die im Deutschen erlangten Kenntnisse unterstützt und umgekehrt. Dieses in unserer Schule ausgeprägte Streben, moderne Bildung mit gründlichen jüdischen Studien au vereinigen, fand zu unserer grossen Befriedigung eine freudige Anerkennung in der heiligen Stadt von Seiten vieler Wohlmeinenden, die sich bisher indifferent verhalten hatten: nicht nur, dass Sephardim und Maghrabim uns ihr altes Wohlwollen bewahrten, auch das aschkenasische Volk konnte dem segensreichen Wirken dieser Anstalt gegenüber nicht länger sein Auge schliessen, und die verlassenen Waisen auch dieses Theils unserer Brüder, die uns besonders am Herzen lagen, kamen um Aufnahme in die Anstalt au bitten. Diese Anerkennung unserer Leistungen Seitens der Asohkenasim prägt sich in der Thatsaohe aus, dass jetzt fast die Hälfte unserer " Zöglinge aus Asohkenasim besteht, welche wir aus einer grösseren Anzahl von Candidaten ausgewählt haben.