Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 25.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 25.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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139 — Nor auf ditu Waise durften wir hoffen, neben dem humanen Zwecke, au welchem unsere Anstalt gegründet ist, einen oivilisatorisohen, ftir die Zukunft unserer Brüder bedeutenden Einfluss im heil. Lande au erlangen. Die Aschkenasim bilden den grössten Theil der jüdischen Bevölkerung Paltstina's, sie stehen selbstverständlich hinter ihren westeuropäischen Brüdern an Fähigkeiten nicht surück — und doch finden wir sie hier von einer materiellen Armuth und geistigen Beschränktheit, welche durch den allgemeinen Verfall dieses Landes nicht hinreichend erklärt wird. Unsere sephardiachen Brüder beeitien als alte Einwohner des Landes den Vortheil der Erfahrung und die Eenntniss der Landessprachen — aber selbst die Griechen haben durch ihre mit grossen Opfern von Seiten der Privaten und des Mutterlandes erhaltenen trefflichen 8ohulen, in den beiden letsten Jahrsehnten einen auffälligen Vorsprung vor den Juden gewonnen und dieselben aus Branchen verdrängt, die sonst unbestritten von unseren Glaubensgenossen beherrscht wurden. Indem vir also unseren palästinensischen Brüdern die Eenntniss der hochdeutschen Sprache und die damit susammenhängende allgemeine Bildung sugänglioh machen, erhöhen wir nicht nur das Niveau ihrer Begriffe, sondern wir setsen sie auch in den Stand, ihre materielle Lage zu verbessern, wodurch sie allgemach den Willen und die Eraft erlangen werden, den schrecklichen Versuchungen erfolgreich sn widerstehen, welche Elend und Noth über den Menschen herauf beschwören Dann dürfen wir hoffen, dass mit dem allmäligen Eindringen einer soliden Bildung die grosse, wesentlich deutsch sprechende Gemeinde Jerusalems den Einfluss und die Stellung erringe, welche gründliche moderne Bildung gewährt, wenn sie sich auf die Eraft und sittliche Energie stützt, welche die Erkenntniss und Liebe zu unserer heil. Religion unzweifelhaft erzeugen. Die Ordnung in unserer Anstalt ist im verflossenen Semester wesentlich dieselbe geblieben wie früher. Die Eiuder werden um ö Uhr Morgens geweckt. Nachdem sie sich gewaschen, angekleidet und ihre Betten geordnet haben, verrichten sie das Morgengebet unter Aufsicht des -Chacham Rabbi Joseph al. Malek, wobei vor allem auf eine oorrecte und deutliche Aussprache gehalten wird. Dies nimmt eine Stunde, am Montag und Donnerstag I '/« Stunde in Anspruch, da die sephardische Gebetordnung weit umfangreicher ist, als die aschkenasisohe. loh gestehe, dass ich der aschkenasisohen Methode, jüngere Einder nur dis Hauptstücke beten zu lassen, den Vorzug gegeben hätte; da aber die sephardischen Chaohamim darauf bestehen, dass es nöthig sei, auch die zarteste Jugend zur Absolvirung der vollständigen täglichen Gebete anzuhalten, so schien es angemessen, gegen die hergebrachte Sitte nicht zu verstossen. — Nach eingenommenem Frühstück beginnt um 71/, Uhr der Schulunterricht, der mit einem halbstündigen Vormittags- und einer einstttndigen Mittagspause bis 3'/, Uhr währt. Alsdann erscheint der Chacham zur Abhaltung des Mincha- und Abendgebetes, der nach einer kurzen Unterbrechung von dem Lehrer des Arabischen abgelöst .wird, dessen Lection von 4—6 dauert. Die Einder spielen dann eine halbe Stunde, essen zu Abend und gehen, nachdem sie ihr Schuhzeug gereinigt, um 7'/, Uhr zu Bette. — Dies die Ordnung der Woche Der Freitag Nachmittag ist zur gründlichen körperlichen Reinigung bestimmt. Am Sabbath Vormittag wird in zwei Stunden jüdische Geschichte gelehrt, des Nachmittags die wichtigsten Gebete übersetzt — Nach Ausgang des Sabbaths werden die Aemter für die Woche unter die Einder vertheilt. Es wird je ein Aufseher für die Schlafsäle und ebenso für die beiden Schulklassen ernannt; dies sind Ehrenämter, die von den Hindern eifrig begehrt werden, und an deren ausgezeichnete Führung sich hin und wieder kleine Belohnungen knüpfen. Die Aufseher der Schule führen unter Leitung des Lehrers über das Betragen der Einder ein Buch, welches dem Dirigenten zwei Mal täglich, Mittags und Abends, vorgelegt wird. T