Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 25.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 25.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 137 — sohreitende Entwiokelung der einzelnen Claasen ermöglichten. Die Hilfelehrer wurden im pädagogiechen Intereaae zum Theil gewechselt; doch ist in dieser Beziehung unser Streben noch nicht ganz zum erwünschten Abschlüsse gekommen. Gegenwärtig sind wir bemüht, die Unterrichtsfächer, welche bisher verschiedenen Hilfslehrern übertragen waren, in die Hand eines einzigen tüchtigen seminaristisch gebildeten Lehrers zu legen. Eine in Bezug hierauf von uns erlassene Annonce veranlasst» verschiedene Herren zur Meldung; doch konnten wir bis jetzt noch keine definitive Entscheidung treffen. , Unsere Anstalt erringt sich in der Reihe der humanitären Institutionen in der heiligen Stadt eine mehr und mehr geachtete Stellung. Anerkennende Aeusserungen sind über sie sowohl 'von auswärtigen Besuchern, als von Einwohnern Jerusalems selbst gethan worden. Mit um so grosserer Zuversicht konnten wir uns daher bemühen, dem Vereine neue Mitglieder und Freunde zu werben. In diesem Streben wurden wir von den in Berlin wohnenden Mitgliedern der Verwaltung und von Herren, die schon seither für die Vereinsinteressen in Holland thätig waren, den Herren Rabbiner Dr. Berenstein, Dr. De Finte und L. Simons in Haag, ganz besonders aber von unserem Collegen und Ehrenmitgliede Herrn Bezirksrabbiner Dr. Salvendi in Dürkheim, kräftig unterstützt. In Hamburg haben wir ein treues Mitglied in Herrn Hermann Gumpertz gewonnen, das uns seine thatkräfiige Mitwirkung in Aussicht gestellt hat. Ferner hat Herr Dr. Herzberg durch Aufsätze in amerikanischen Zeitungen uns Freunde und Beiträge verschafft. Dem Localcomite in Jerusalem, bestehend aus den Herren Michel Fines und Dr. Schwarz, welch letzterer den Gesundheitszustand der Zöglinge unentgeltlich überwacht, sowie Herrn Baurath Schick, der die Sorge für die Unterhaltung des Hauses übernommen hat, sagen wir unseren besten Dank. Ferner sprechen wir allen denjenigen, welche unser heiliges Werk durch Mitglieds- oder einmalige Beiträge oder in sonstiger Weise unterstützt haben, unsere wärmste Erkenntlichkeit aus. Insbesondere liegt es uns ob, zweier hervorragender Gaben zu erwähnen, welche uns im abgelaufenen Jahre zugeflossen sind, nämlich einer Zuwendung von 200 Ffd. St. für die Jahre 1882 und 1883 seitens der Curatoren des Jakob A. Franklin'sehen Nachlasses zu Gunsten des Jacob A. Franklin-Fonds, der nunmehr auf 300 Ffd St. angewachsen ist, und der hochherzigen Schenkung des Herrn Jacob H. Schiff in New-York im Betrage von 2500 Mk. Auch können wir nicht unterlassen, den hohen Behörden für die Geneigtheit, mit der dieselben unseren Wünschen stets entgegengekommen sind, unseren wärmsten Dank auszusprechen. Unser Grundstück steht nunmehr unter dem Schutze des deutschen Reiches, indem es auf den Namen des Kaiserlich deutschen Co ns ule ts zu Jerusalem eingetragen ist. Die von der früheren Verwaltung begonnenen Schritt«, dem Vereine die Rechte einer juristischen Person‘zu erwerben, wurden von uns fortgesetzt. Nachdem die ausserordentliche Generalversammlung vom 2. März d. J. dem Vorstande unbeschränkte Vollmacht gegeben hat, die Statuten in der von den k. Behörden gewünschten Weise abzuändern, wird derselbe mit thuulicher Beschleunigung diejenigen Aandarungen veranlassen, an welche die Bewilligung jener werthvollen Rechte geknüpft wird. Eine soeben eingetroffene Mittheilung glauben wir unseren Lesern nicht vorenthalten zu sollen. Herr Dr. Herzberg schreibt uns unterm 23. April: ,Da unseren Kindern als zukünftigen Handwerkern freies Handzeichnen von der grössten Wichtigkeit ist, so habe ich mich entschlossen, im laufenden Sommersemester diesen Unterricht einzuführen, den ich in Ermangelung eines geübteren Zeichners selbst übernommen habe. Von unseren Kindern wird Juda Rothstein, der wenig begabt, aber körperlich gut entwickelt ist, auf seinen dringenden Wunsch wahrscheinlich mit Anfang nächster Woche bei einem Schmied in die Lehre treten. Das wäre der dritte unserer Zöglinge, die vorläufig einen halben Tag der Schule und einen halben Tag der Arbeit widmen.“ Es erübrigt uns noch, über die finanzielle Lage unseres Vereins zu berichten. Die Beiträge haben sich um eine kleine Summe erhöht, die Legate und Geschenke zum Fonds zusammengenommen erheblich gegen das Vorjahr vermindert, wogegen der Jacob A. Franklin-Fond durch die Zuwendungen für zwei Jahre sich um 200 Ffd. St. vermehrt hat. Bedauerlich ist die Abnahme der Spenden um 1300 Mk., da, so lange die Beiträge sich nicht bedeutend heben, wir auf die Spenden zur Fortführung der Anstalt angewiesen sind. Für das Haus und Grundstück in Jerusalem mussten wir noch eine Restzahlung von 1007 Mk. 50 Pf. leisten. Auch erscheint die Ausgabe für die Anstalt um über 3000 Mk. höher; doch ist hierbei zu berücksichtigen, dass ein Vierteljahr der Gehalte rückständig war, und die Ausrüstung der neu aufgenommenen Zögling« einen Aufwand von Mk. 600 erforderte.