Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 8.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 8.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 75 — die Bede «ein kenn, and dees weder Herrn 1'. noch »einem grossmüthigen Mendeter irgend ein persönliches Interesse untergeschoben werden darf, sondern nur des des allgemeinen Wohles. Wir können sicher sein, dass die (Kolonisten gut versorgt sein werden, und auch wenn Mancher unter ihnen nicht für die Agrioultur geeignet befanden werden möchte, wird man ihn gewiss auch nicht im Stiohe lassen, sondern schon Mittel und Wege finden, ihm zu einer Existenz zu verhelfen. Redner verliest dann seinen Antrag wie folgt: , ,Die General-Versammlung autorisirt das Central-Comite, die Besitztitres der Grundstück« von ..Samarin und Theile von Tantonra, welche in Syrien (Palästina) mit dem Gelde der Gesell- „schaft auf den Namen des verstorbenen Isaac Mtixl gekauft wurden, nunmehr nach aller Form „ Rechtens auf den Namen des Philantropen Herrn.umzuschreiben, der durch RHerrn F. VenrJam, Mitglied des C.-C. der „Alliance I. U.“ in Paris, repräsentirt ist, damit „das C.-C. (der Auswanderungjener Person erwähnte Güter im vollen und ungestörten Besitze „übergeben könne. „Die Administration des Grundbesitzen mit seinem ganzen fundus instruotus bleibt dem „neuen Eigenthümer überlassen, der nach seinem Belieben, ohne irgend eine Einmischung anderer- „seits, die Installirung der dort bereits befindlichen Colonisten reguliren wird, oder derjenigen, die „nachträglich, nach vorhergegangenem Einverständnisse, dahin beordnet werden. „Es bleibt dem C.-C. überlassen, diejenigen Colonisten, die sich dort befinden und die von „der neuen Administration für ihren Beruf ungeeignet befunden werden, im guten Einverständnisse „zu liquidiren, mit Rücksichtnahme auf ihrerseits eingelegte k Conto-Zahlungen, aber nach Abzug „der für sie gemachten Auslagen und Spesen“. Redner empfiehlt seinen Antrag zur Annahme und sohliesst, die Versammlung zur Erneuerung der Thätigkeit in ihren Kreisen auffordernd, wodurch wir unsere wahre jüdische Gesinnung bekunden möchten. — Hierauf hielt der ehrwürdige Rabbiner, Herr . ibr. Kasrran aus Rimnik Sr rat, eine rührende Bede. Er gedachte der vor 20 Monaten abgehaltenen Gen.-Vers, in Focsani, zur Zeit, als so viele Nöthen auf einmal über uns herein brachen, indem damals die Juden aus den Dörfern und von den kleinen Städten, man als Ruralgemeinden erklärte, verjagt wurden. Da erschien plötzlich wie ein Lichtstrahl in der Finsterniss der Gedanke der Cnlonisatton Palästina s, der die Herzen entflammte und die Augen leuchten machte Redner glaubte sich schon damals im Geiste auf einer breiten Bahn nach dem heiligen Lande wandelnd. Ja, sagte er, es kam ihm dazumal wirklich vor „iezrfki Mimizrajim", „als wie Israel aus Egypten zog“. Er war voller Hoffnung, und wähnte bereits Tausende unglücklicher Familien im Glücke schwelgen durch die Opferwilligkeit ihrer reichen Brüder. Jetzt hingegen, rief er schmerz- und wehmuthsvoll aus, käme es ihm vor „brzrtki Mtjtruschalajtm*•. Denn mit der Gründung Samarins meinte jeder von uns Beisteuernden seinen Theil an dem Nationalschatze zu haben. Sollen wir diesen nun aus Händen geben, und aus welcher Ursache? Weil die reichen Leute im Lande ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen, und wir Anderen nicht im Stande sind, das begonnene Werk zu vollenden, es daher einem ausländischen jüdischen Wohlthäter cediren müssen! Kommt es da nicht Jedem vor, als wenn eine Frau 9 Monate eine schwere Schwangerschaft hatte und nach schweren Geburtswehen endlich eines gesunden Kindes entbunden, diesem dann die grösste Pflege angedeihen lies» und an dem Zeitpunkte angelangt, es der Brust zu entwöhnen, sich plötzlich in der traurigen Lage sieht, das liebe Kind nicht ernähren und nicht kleiden zu können. 0! welch’ schrecklicher Gedanke bemächtigt sich da nicht der Mutter! Ist hier nicht derselbe Fall mit unserm Samarin, das wir gezwungen sind, als Adoptivkind fremden, wenn auch reichen Eltern anzuvertrauen? ein Kind, das schon bald auf eigene Füsse hätte stehen können? Deshalb, o! „Kinim IVahegeh IVahi beuthi Mijeruschala/'im", Klage und Jammer und Trauer beim Verlassen Jerusalems! (FortftetKung folgt.)