Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 1.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 1.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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In dieser Lage fand sie Harr Yanasiani, der im Juni dorthin kam. Er telegraphirte uns dies und verlangte categorisohe Antwort, ob wir die Installation vornehmen wollen und können? Wir antworteten ihm ebenfalls telegraphisch, dass wir von ganzem Herzen die Installation vornehmen möchten, aber sowohl die Fehler des Administrators, als die widersprechenden Beriohte der Colonisten haben den Eifer unserer rumänischen Glaubensgenossen erkaltet, und die Geldsammlungen sind in Folge dessen eingestellt worden. Wir hoffen indessen, bis in 6 Wooheb an 40,000 Francs von unseren reichen Juden in Rumänien zusammenzubringen für den Zweck der End-Installation. Bis dahin können wir nur 100 Lire monatlich schicken für die nothddrftigen Familien. Wir ersuchten Herrn Veneziani, die Leute zu trösten und sie eindringlich zu ermahnen, auf die Felder, das Vieh eto. wohl Acht zu geben. Unsere Colonisten-Führer, die mit Herrn Veneziani sprachen, wälzten natürlich alle Schuld auf Herrn Franok resp. das 6.-0. und sohimplten und verleumdeten soviel sie nur konnten. Herr Veneziani war dadurch auch sehr verstimmt worden und wollte bereits nach Paris rurückkehren. Er besann sich indes» doch eines Besseren und ging nach Samarin, um die Golonie selbst in Augenschein zu nehmen. Er schrieb uns dann also: „Ich bin glücklich Ihnen auzuzeigen, dass das was ich in Samartn gesehen, mir viel mehr „Hoffnung giebl, als ntts mich der Zustand der Emigranten in Caifa erwarten Hess. Ich bringe „von diesem Jiesucke einen befriedigenden Eindruck zurück, welcher mich tröstete von den Unan- .,uehmlichkeiten. die ich in Caifa getroßen, und dies belebt wieder meine Hoffnung und ändert meine „Ansichten über die CoIonisation von Samarin. Ich habe hier fünfiehn Familien gefunden, zwar „ärmlich eingerichtet; ober es ist ein Anfang einer Colonie eine Art kleinen Dorfes in einer gesunden „und angenehmen l-age. Die Männer sind gesund und scheinen thätig tu sein; mehrere haben „irgend ein Handwerk: die Weiber unterstützen sie in ihrer Resignation und sind bei guter Gesundheit; „die Kinder sind munter und wohlauf. Ich habe hier weder Entbehrungen, noch Fieber oder Hunger ,gesehen, wie ich solche bei den in Caifa wohnenden Familien gefunden. Diese Männer, mit Geduld „und ('ourage bewaffnet, arbeiten schwer; sie kumffen gegen die Armuth und Schwierigkeiten des „Anfanges, und sie geben die entfernteste Hoffnung, dass sie vielleicht durch ihre grossen Anstrengungen „und Mühen es dahinbringen werden, eine lebensfähige Colonie zu gründen. Im Allgemeinen also „habe ich in Samamü Männer gefunden, voll guten II 'illens und Geduld, fähig die grössten Ent- „brhruugen zu ertragen, wenn sie ehrlich, intelligent und von einer festen aber väterlichen Hand „geleitet werden. „Ich habe einen fruchtbaren Hoden gefunden, welcher gute Ernten hcrs<orbringen kann, wenn „man ihn von den Steinen und dem Unkraute reinigen wird; ich habe Hügel gefunden, die für „Anpflanzungen von Fruchtbäumen und Weingärten geeignet sind. Ich habe eine ansgezeichnete „Stelle für die Anlage des Dorfes gefunden, erfrischt von der Seeluft und in gesunder, reiner Lage. „Uässer mangelt, aber Samarin besitzt einen Brunnen und et ne Quelle, die eine (faveur) Gunst sind „in diesen Gegenden .... Zum Schlüsse will ich nur noch sagen, die Colonie Samarin ist werth „des Interesses und der Unterstützung. Während Sie arbeiten werden, in Rumänien die nöthigen „Gelder zu sammeln, um wenigstens den Häuserbau in Samarin fertig zu stellen, damit die Colonisten „die schlechte Jahreszeit dort sollten zubringen können, will ich mich selbst anheischig machen, in „einigen Wochen nach Europa zurückgekchrt, die Aufmerksamkeit auf diese Colonie zu ziehen und „mit jener auch Protektion und Unterstützung“. .Wir wollten noch immer die Ehre der rumänischen Juden retten und nachdem wir 40,000 Francs subsoribirter Gelder hatten, entschlossen wir uns eine Reise in’s Innere des Landes su machen, um jene ganz oder zum grossen Theil einzukassiren. Als wir gerade ahreisen wollten, erhielten wir eine Depesche von Herrn Veneziani aus Bukarest, dass er dort eingetroffen und uns eingeladen hinzukommen Wir reisten sofort hin und er bestätigte uns, was er uns früher geschrieben, mit dem Zusätze, wenn wir die 40,000 Fros. zusammenbrächten, würde er die restirenden 00,000 Fros. beschaffen. (Fortaetmng folgt.)