Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 1.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 1.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 50 — Verein „Ahebet Zion“ in Wien, besondere eber mit*dem.Herrn Dr. Salven di in Dürkheim, jeteige« Mitglied dee 6.-6. der „Allianoe“, der nn« Allee ve rep rech and «ioh sehr viele Mühe für nn« giebt. Wir oorre«pondirten mit d«m „Hamag id“, mit dem „Jewish 6hroniole“ in London, mit der „Alliance“ in Peri«, eto. etc. etc. Wir erlieaaen Girculäre über den Stend unserer Frage neoh Oeete reich, Deutschlend, Frankreich, Englend, Italien, Holland, Belgien, der Schwei«, kan nach ganz Europa, ohne noch Geld zu verlangen, aber wir gaben schon za verstehen, dass wir an 50—60,000 Francs benöthigen werden. Um nun der Sache mehr Nachdruok zu geben, sandten wir unser 6.-G.-Mitglied Dr. Lippe über & a 11 o w^i t,z und Dürkheim nach Paris, um mit der »Alliance* mündlich zu verhandeln, was durch 6orreepondena nicht zu erreichen war. Die »Allianoe" war aber einerseits aus trüberen Ereignissen her auf die rumänischen Juden nicht gut zu sprechen, andererseits erklärte sie, dass ihre Statuten es ihr verbieten, die Emigration in den Bereich ihrer Thätigkeit zu ziehen Nach vielen Pourparlers gelang es endlich, nachdem wir den Beweis lieferten, dass unsere rumänischen Glaubensgenossen besser sind als ihr Ruf, dass auch die Lage hier unerträglicher wird mit jedem Tage und dass wir einer Gatestrophe über kurz oder lang entgegengehen, gelang ««endlich ihr einige Gonzessionen abzugewinnen. Das war flir uns eine grosse Errungenschaft. Sie versprach nämlich, ihr Augenmerk auf unsere Colonien zu richten, und wenn sie auch als „Alliance“ nicht eingreifen könne, so werden doch einzelne hochgestellte Mitglieder derselben sich der Sache annehmeu. Das war uns genug! Die „Allienoe“ meinte nämlich, wenn wir unsere zwei Colonien fertig installiren und dieselben prosperiren möchten, dann werde sie auf weitere Colonisationspläne sich einlassen. Sie entsandte inzwischen zwei verschiedene Commissionen nach Setnarin, um sich Bericht erstatten zu lassen. Späterhin ging Capitain Goldsohmid aus England nach dem Orient und lies« es sich angelegen sein, unsere beiden Colonien zu besuchen. Er nahm die besten Eindrücke nach Hause mit und erstattete der „Anglo-Jewish-Association“ und den öffentlichen Blättern („Jewish Chrcnicle“) genauen Bericht, zugleich zur Unterstützung dieser Colonien und der Colonisatiou der e Juden im heiligen Lande überhaupt auffordernd. Bis zu diesem Zeitpunkte hatten wir auch noch genügende Mittel und das war das Einzige, das unsere Autorität noch in der Colonie aufrecht erhielt. Aber wir sahen bereits die galoppirende Schwindsucht in unserer Gasse, wir erliesseu Aufrufe auf Aufrufe an die Cnmitd’s im Lande, wir verbanden uns mit den „Azileh Bene Jisrael“ — umsonst, es kam kein Geld. Hätten wir dazumal auf einmal 20,000 Frcs. aufbringen können, um die nöthigen Häuser zu bauen, so wäre noch Alles zu retten gewesen; denn wäre jeder Colonist an seine Scholle gebunden gewesen, er hätte sich dort heimisch gefunden und würde mit ganz anderen Gedanken nn sein Tagewerk gegangen sein. So aber betrachtete er sich immer als provisorischen Ansiedler, er hatte kein Vertrauen in seinen Bestand, und eben darum auch das Vertrauen zu sich selbst, zu seinen Vorgesetzten und zu dem 6.-6 verloren! — Einige Intriguanten, die im Trüben fischen wollten und denen es convenirle, einen permanenten Wirrwarr vor sich zu haben, schürten so lange bis es zum Ausbruch kam, und die sogenannten Gebildeten (einige Lehrer und ein gewesener Winkelschreiber etc.) sich zu einem Coinitd constituirten, den Administrator verjagten, Herrn Franck den Gehorsam kündigten und sich von uns unabhängig^) erklärten! Dieses Revolutionsoomite schickte einerseits Aufrufe an verschiedene Zeitungen in Europa, wo es um direote Zusendungen von Geldern ansuchte und andererseits nach Rmänien, mit der dreisten Forderung, dem 6.-6. keine Gelder mehr zugehen zu lassen. Die Strafe folgte natürlich auf dem Fasse. Das bischen Weizen, das der Reife entgegenging und eingeheimst werden sollte, wurde vernachlässigt. Der Antheil Weizen, den die Araber uns zu geben verpflichtet waren, dürfte gewiss auch verloren gegangen sein, denn wir wissen nicht, was damit geschehen. Alles Ackergeräth, Wagen, Pferde, Ochsen, etc. blieben „Heiker“, ohne Gontrolle und Ueberwachung. Da wir natürlicherweise mit den Geldsendungen unsererseits auch aufhörten, wurden viele Unbemittelte allen Entbehrungen ausgesetzt, Krankheiten nahmen überhand, Unzufriedenheit, Missmuth und was die Folgen von derlei Zuständen sind. Viele litten auch unschuldigerweise, wir bedauerten diese, konnten ihnen aber für den Augenblick nicht helfen. Fünfzehn Familien blos etablirten sich auf Samarin selbst, während die anderen nach wie vor in Gaifa blieben und da ungemein darbten.