Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 48 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 191 — Hoffen. Du willst nun auch vom Unterrichte deinen Theil pden. Auf dein Verlangen wird die unterbrochene Rechentuntx fortgesetzt. Du hast gewiß noch nie Gelegenheit gehabt, ich in Zahlenkreisen zu bewegen wir diejenigen, die hier erad« ein siebenjährige» Knäblein verdauen muß. Bittest du m Uebergang zu einem anderen Gegenstände, so muß die Geographie herhalten. Da« Buch — vielleicht da« einzige lftemplar in der Schule — wird hergeholt und der Lehrer bezeichnet die Stellen „von wo bi« wohin" morgen gelernt oerdcn soll. Die Stunde ist zu Ende . . . Bon anschau- Unterrichten, von Lehrmitteln keine Spur. — Mißgestimmt aber Zustände, wie sie vielleicht bloß in Asien geduldet »verden, erlaßt du da« rauchgeschwärzte Lokal und fühlst ein leise« Regen de« Mitleides mit der auf Grund solchen Unterrichte« Heranwachsenden Jugend, ja räsonnirst wohl gar. wenn du etwas sanguinischer Natur biss, über die Negierung und dm» Organe, dir solchen Unfug gestatten. Wie aber könnte dem Unnresen der Winkelschulen gesteuert werden? . . . Nur da« Zusammenwirken aller hierzu berufenen Faktoren kann ildkilse schaffen. In erster Reihe sind r« die israelitischen Litern selbst, die für ziveckmüßige Erziehung und Bildung ihrer Sinder Sorge zu tragen haben. In zrveiter Reihe liegt e» den Kultusgemeinde» ob. den von Staat und Gesellschaft «stellten Anfvrderungr» durch Errichtung von KonfrssionSchulen zu entsprechen. Ich bin zwar ein AnhSnger der Limultanfchule; aber insolangc eilen ne ich r« als Pflicht uraelitischer Gemeinde» für Schaffung von guten Schulen Lorge zu »ragen. In dritter Reihe endlich sind die königl. Schulinsprktorrn berufen, ihre« Amtes zu walten, den Winkel» schulen durch Sperre da» wohlverdiente Ende zu bereiten imd Dawiderhandelndei» die Strenge de« Gesetze« fühlen zu lassen. Hungaru». Ueber jüdische Iugend.Litteratur chcilt un« Herr Prof. vr. G. Wolf in Wie» seine diesbezügliche Ansicht mit. »Diese« Feld liegt total brach und habe ich auch in dieser Beziehung Erfahrungen gemacht. Ich verwaltete nämlich die von mir begründete Jugendbibliothek der Religionsschule, (»velche im vorigen Jahre, nachdem die Zahl der Schüler, welche die Religion-schule besuche», in siolge der Decrntralisation de« Religionsunterrichtes nur «innnal ist. aufgelöst und verfchiedenen Anstalten geschenkt «ur»e-. volle 26 Jahre. Selten jedoch war e« mir möglich, eine jüdische Jugendschrift anzuschaffcn und offen gestanden »aiiche schaffte ich an, blo«. wenn ich so sagen darf, paar Hionneur da drapeau; da eS doch eine Jugendbibliothek aurschließlich für die israelitische Jugend war. Daß ein derartige« Schriftthum für unsere Jugend in hohem Grade ersprießlich ja nothwendig wäre, brauche ich nicht weitläufig aureinanderzusetzen, und wäre e« wünschen«werth, daß ein drei« für eine derartig gute Schrift gegeben würde." Ein anderer Vorschlag de« Herrn Wolf, de', die Echwierigkeiten mit welchen jüdische Autoren bei £r.au«« gäbe wissenschaftlicher Werke zu kämpfen haben, beseitigen möchte, geht dahin, daß jede jüdische Gemeinde etwa Sin tzrocent der Eultu«steuer zum Ankäufe jüdisch-wissenschaftlicher Werke oder zur Herausgabe derselben bestimme. »Zu diesem Zwecke müsse ein Sentrum bestimmt werden (für Oesterreich also Wien) wohin diese Quoten geschickt würden. Die einzelnen Gulden, welche von den zahlreichen kleinen Gemeinden oder CultuSvereinen geschickt rverdem, würden in Berbindung mit den bedeutenden Quoten größerer »der großer Gemeinden eine ansehnliche Summe bilden, mit welchen man etwa« Erkleckliche« leisten könnte. Al« Entschädigung für die geleisteten Beiträge sollen Gemeinden je nach der Höhe ihre« Beitrage« ltzemplare *»» Werken erhalten, die dann entweder al« Grundstock zu ^emcindebibliorheken dienen könnten, oder wo solche bereit« Ästchen, dieselben vermehren und vergrößeren würde. — ®mcm Eomitre von Fachreferenten läge dir Prüfung der Bücher und Manuskripte ob. denn e» soll durchaus nicht die bloße Buchmachern hiermit gefördert werden." (Der Wolfsche Borschlag enthält viel Annehmbare«; doch scheint er un« nur in Berbindung mit der Neubegründung eine» „i«rael. Litteraturverein«" erst lebensfähig, worüber wir gern die Ansichten vieler College» , hören möchten. Red.) Allerlei für de« Familieutifch. N-« der Prinzeß Wilhelm. ' Bor einigen Tagen las ich — so schreibt un« Herr vr. Rippner in Glogau — einen Brief der Prinzeß Wilhem, der, so ehrend er für den Empfänger ist, doch vor allem bedeutsam ist al« ei» Zeichen der liberalen Gesinnung, von der diese erlauchte Familie beseelt ist. Prinzeß Wilhelm hat ihre Jugend in Primkrnau auf de» Gütern ihre« Bater«, de« Herzogs von Augustenburg, verlebt und der Hausarzt der herzoglichen Familie, war ein Jude, Herr SanitätSrath vr. Wolf in Sprottau. An diesen nun richtete die Prinzessin jüngst eine» von ihr selbst geschriebenen Brief ungefähr folgenden Inhalt«: Sir erinnere sich mit Freuden der in Primkenau verlebten Jugendzeit und habe ihn (den vr. Wolf), obgleich sie ihm seitdem nicht geschrieben, nicht vergesse». Sie habe in diesen Jahre» viel Herrliche« und viel Glänzende«, in der letzte» Zeit aber auch manche« Trübe, erlebt, die Krankheit ihre» jüngsten Kinde« und die eigene. Jetzt, wo diese Sorgen von ihr gewichen, sei e« ihr eine liebe Beschäftigung, an ihn, den alte» Freund ihre« Hause», zu schreiben und ihm zugleich die Bilder ihrer Kinder zu schicken. Diesem in den herzlichsten Ausdrücke» abgefaßtrn Schreiben war noch ei» Gruß an dir Frau vr. Wolf hinzugefügt. Ei« sonderbarer Heiliger. Bon glaubwürdiger Seite wird uns folgende Begebenheit mitgetheilt: Gelegentlich einer Hochzeit übernachtete ein Sohargläubiger Rabbi in Hannover. Al« er Morgen« erwachte, da erblickte er zu feinem Schrecken, daß der Waschtisch in dem geräumigen Schlassalo» mehr al« vier talmudischr Ellen von seinem Bette entfernt stand. (Bekanntlich ist e« für Leute, die den Sohar al» „heilig" betrachten, nicht allein eine Awrrah (Sündel, sondern auch eine 2'kono (Gefahr), ungewaschen vier Elle» zu gehen.) Unser Rabbi weiß beidem zu entgehen: er springt auf. setzt sich in Positur springt — ein« — zwei — drei — und der Waschtisch ist erreicht. Sämmtliche ihn begleitenden Schedim (Dämonen) lachten gewiß über die Kniffologie de« „frum men Rabbi". Aber auch die hannoverschen Juden, die von diesen „drei Sprüngen" Kenntnis erhielten, lachten, dachten aber dabei: „Gottlob, daß solche Hirten mit solchen , Bockssprüngen im deutschen Israel doch recht selten sind!" G«te Anorede. Eine israelitische Gemeinde sammelte freiwillige Beiträge für einen Leichenwagen. Die Deputation kam zum alten Abraham, doch der erwiderte: „Thut mer leid, ich kann« Fahren nicht vertragen." «leine jüdische Charaeterzüge. Bon Lp. Ke. 10. Der glädtlidjr Mensch. „Welch ein glücklicher Mensch war doch eine Zeit lang Odom horisohon (der erste Mensch)!" seufzte Jemand, dem seine Berwandten viel Kummer bereiteten. Einer derselben, der zufällig anwesend war, fragte, wie lange denn Odom dorisodon so glücklich gewesen sei. „Run, lautete die Antwort, so lange er keine Mmmpoodod (Verwandtschaft) hatte."