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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 46 (1884) · p. Seite 183

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
46 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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— 188 — jlni und hüpften die Jungen mit ihren Vtlderdogenfahnen , hinter mir tanzten, hüpften und johlten die Alten, welche «fall» Thorarollen trugen, und in dem Thlirrahmen stand Staffage zu diesem ergötzlichen Bilde die christliche Straßend, ebenfalls johlend und schreiend. Da« war ein Lärmen Schreien, dir Einen im höchsten Di«cant, die andern im ilkn Bah, in Moll und in Dur; e« ivar ein Lted, da« triitc erweichen, Menschen rasend machen" konnte, mit irmig- und Tanzbegleitung. Bald hätte ich im heiligen n die Thora fallen lassen und wäre davongelaufen von!mi Tollen und Treiben. Solche Gaukeleien mögen wohl finsteren Heiden veranstaltet haben, ivenn sie um ihren Fetisch zicn; so mögen die Schamanen ihre Beschwörung-cerenie» aufführen, wenn sie einen bösen Geist bannen wollen. J-raeliten, dir den Einig-Einzige» auf diese Weise ver- , sind doch keine Götzendiener, wollen doch nicht zu deu ide» gerechnet werden. — Eine Verwandte, die in dem inger" weilte, sagte nachher zu mir: „Ich habe schon nchc Posse gesehen, manchen Maskenscherz mitgemacht, t einen solchen tollen Mummenschanz habe ich noch nicht chen". Da« war also der Simchath-thora.Abend zu Arstadt, lche» zum Rabbinat»bezirk A. gehört. Ein geeignete» Programm für eine würdige Simchathhora-Feier thut gar vielen Gemeinden »oth; e« herrscht r ost Unfug bei diesem Abendgottesdienst des Gesetze»« nuden-Feste». Red.) Zur Montefiore«Feier. ui. Hppek». Wie an unzähligen Orten, so fand auch hier 2«. v. M. Abends ein Gottesdienst zur Montefiore-Feier tt, nachdem Tag» vorher beim Sabbathgvttesdienst ein mrag über den ersten Per» der Lidrah N) gehalten worden, ch» e» auch nicht an vttlen Berichten über diese überall lichc gleichnräßigr Feier, so dürfte r» doch vielleicht nicht Interesse sein, aurzüglich mitzutheilen, wie dieser Text r den vorliegenden Zweck behandelt wurde und zwar an» icnd an die — auch von Raschi angefühnen — Erklärungen icrrr Alten. 1. Mose» Montefiore t)at keine leiblichen Nachaber er lwt sich in der Menschheit im Allgemeine» und der JudentM u» Besonder» Denkmäler gesetzt, „besser al» ohne und Töchter" und seiner in den Gefilden der Ewigkeit denden Gattin Judith können wir die Worte au» der uiiarah Nachrufen: „Juble Unfruchtbare, die nicht geboren, dttcicher sind Deine «indcr u. s. w.", denn „»»er auch nur Menschenleben erhält, hat gleichsam eine ganze Welt am eben erhallen". 2. Da wir die Feier in der Abwesenheit Monteftorc'S qtaii, so können wir sein wohlverdiente» volles Lob auSche» tl'JDa «S» lSa). Er ist ein C'OTl p'TJt BP« „voll» men gerechter, frommer Mann". Noah hatte nicht Kegeiiheit die andern Ansprüche a» einen Zaddik zu übe», hatte nur 7 Gebote zu beachten. Montefiore hat sich »ach ° drei Gesichtspunkte»: „Gerechtigkeit üben, Wohlthun und »uihigen Wandel führen vor Gott" als Zaddik bewährt. 13. „gn seinem Zeitalter" diese Worte sind auf Montefiore r.zum Lobe" anznwendeu, obgleich in einem Zeitalter der ^igkcit und Gleichgültigkeit gegen die Religion lebend gilt '» ihm, das, e« in keinem Zeitalter einen frömmeren ^saeliten gegeben. Endlich «ul 4 „Noah bedurfte »och einer ttatze OSO)." So hätte Mose» Montefiore vielleicht doch 1 Ärofie« und Herrliche« in dem Grade und Umfange nicht Littet, wenn er nicht eine so treue, ihm gleichgesinnte, in lauten ihm ebeubürtigevortrrfflicheGattin OTS) gehabt hätte. k An Simchath-Thora wurde über die vier Mose»: Sohn «ram», Sohn Maimon«, Sohn Menachem», Sohn Joseph l*hu» gesprochen, jedoch dieser vier Mose» eigenthümliche *rtMfnfte um die Menschheit im Allgemeinen und für J«rael jm Besonderen erörtert, anknüpfend an den Ber« 71 NV1L S«1W OS VBBWOl .NWS. Schon am Neujahr«, und Ber» sühnung«tage wurde in den Predigten auf Montefiore al« leuchtende« Vorbild hingewiesrn. E« wird in unserer Gemeinde eine wohlthätige Stiftung errichtet, die den Namen Mose» und Judith Montefiore führen wird. L. W. Stetti«, 7. November. Die ,.J». Wochenschr." bringt jetzt aus allen Orten Berichte über die Feier zu Montefiore'« hundertstem Geburtstage und ich freue mich, Ihnen melden zu können, daß solche auch hier in würdiger und erhebender Weise stattgefunden hat. Der Feier lag auch hier da« von vr. Adler in London entworfene Programm zu Grunde. Nach dem Einhebrn der Thora wurde da» von demselben verfaßte Gebet, und zwar jüdisch vom Cantor und deutsch vom Rabbiner vorgetragen nnd dann folgte seitens de» Letzteren die feffelnde Festpredigt. Nach derselben folgte Gesang und zwar der eigen» zur Feier dieses Tage» von unserem Eantor Herrn Sarasohn componirte Psalm 100. Die Elite unserer Damen hat e» sich nicht nehmen lassen, zur würdigen Gestaltung de» Gesänge» an diesem Tage mitzuwirken und wir hätten wohl den Wunsch, daß cs un» öfter vergönnt sein möge, alle die Damen, die an diesem Tage milwirkten, öfter an den Festtage» und am Sonnabend zu hören. Wflijjiöff Skrupel kann man doch dagegen nicht haben, da e« ja schon in den Psalmen heißt: „Jünglinge und Juttgfraucn mögen den Namen Gotte» preisen! 00TN2 '.n ow n« lSSrr mSina oai. Nachdem in der hiesigen Gemeinde am Sabbath de» 28. September a. c., zu Ehren Mose»' Montefiore'» von unserem Rabbiner .Herrn vr. Pick die Fcstprcdigt gehalten worden, traf sich am 28.. dem Tage »ach dein hundertsten Geburtstage de» greisen Jubilars, die »villkommene Gelegenheit, den berühmten Philanthropen in froher Hochzeitsgesellschaft zu feiern. Diese» that der Herr Rabbiner in Forin eine» schwungvollen Toaste«, der durch eine Parallele zwischen Montefiore und seiner Gemahlin Judith einerseits und Abraham und Sarah andererseits eingrlcitct und an einen tiefsinnigen Midrasch angclehnt wurde, worauf die gesammte FestgesrUschast in ein begeisterte» Hoch aus den echten Sohn Abraham» rinstimmte. Hierauf wurde auf den von alle» Seiten beifällig aufgrnonimcn Vorschlag de» Herrn vr Pick ein Glückwunschtelegramm im Namen der Tischgesellschaft an den Jubilar abgesandt. Akzry, 4. November. Auch hier hat eine gottesdienstliche Montrfiorc.Fcier staltgcfundc»; ebenso wurde die Bedeutung der Feier in den Schulen besprochen und die David Ficbcrmann'sche Biographie verthcilt. Wen» in derselben auch nicht Alle» den «Indern verständlich ist, so wird doch auf diese Weise da» Buch in die Häuser getragen und die Aufmerksamkeit der Familien auf den Inhalt desselben gelenkt. Daß ich über die hiesigen Vorgänge speziell berichte, ,nährend doch ivohl wenige Gemeinden nicht Notiz von der hundertjährigen Geburtstagsfeier unsere» Mose» Montefiore genommen haben. geschieht, weil die hiesige Predigt einen besonderen Eharakter trug. Inser Rabbiner, Herr De. Rothschild, »ahm Gelegenheit, die Bedeutung von der «cnntniß der Geschichte de» Judenthum« hervorzuheben und deren Pflege den Juden für Schule und Leben an» Herz zu lege», weil ohne diese «cnntniß Niemanden der Bestand und Zustand dcS heutigen Judenthum» verständlich sei. In der Synagoge und der Religionsschule zu Arande«- tzurg «. d. K. wurde vom Rabbiner vr. Kroner ebenfalls in würdiaer Weise eine Montefiore-Feier begangen. Kttke «. S. Hier fand die Montefiore-Feier in der „Germania-Loge" der B'nai Berith am 27. Ocrober Abends statt durch Festrede und 4lortrag de» Gedicht» in der Festnummer der „Israelitischen Wochenschrift". K«sset. Auch hier hat eine solenne Montefiore-Feier stattgefunden. Nachdem durch einen Artikel im hiefigen „Tageblatt" die Bedeutung de» Tage» klar gemacht worden,

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