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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 43 (1884) · p. Seite 170

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
43 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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— 170 — Mose» Mootefiore. Ai»« Aß»r«L1«r1ß1L sei»«» Jrttn*. (Schluß.) In Marokko wohnten 800,000 Juden sehr gedrückt und verachtet. Sie waren den strengsten Ausnahmegesetzen unterworfen. Im Jahre 1863 wurde ei» spanischer Knabe getüdtet und de»' spanische Gesandte ließ in Folge* dessen mehrere Juden rinkerkern. Aldie Kunde davon zu Montefiore!gelangte, begab er sich sofort zum Lord Palmeston und tellte ihm die Sache vor. der auch seinen Schutz versprach.' Er entschloß sich, obwohl 78 Jahre alt, zur Reise nach Marokko. Er reiste nach Spanien, wo er durch Empfehlungen de« englischen Ministerin Madrid bei der Königin und ihrem Gemuht die freundlichste Aufnahme fand, erlangte durch einen jüdischen Banquier in Madrid die Empfehlung de« Vaterdespanischen Gesandten an diesen, welcher sofort die beiden Gefangenen auf freien Fuß setzte, er reiste von da nach Tanger, wo er Gelegenheit hatte, einen Muselman, der längere Zeit wegen Verdachteiner Ermordung eine- Juden im Kerker geschmachtet hatte, zur Befreiung zu verhelfen, wofür die Mohammedaner ihm ewigen Dank zusicherten. Ban da au» setzte er den Weg nach Marokko durch die Wüste fort. Ueberall wurde er von den Stämmen der Eingeborenen begrüßt, denn Scheick« ihn Abend-, wenn da» Lager aufge» schlogen war. besuchten. Den 23. Januar begrüßte ihn eine Deputation au- Marokko, sowie ein Piquet Eavallerir. da» ihm der Sultan entgegen gesandt hatte. So gelaugte er am 28. Januar nach Marokko, wo ihn der Sultan Sidi Mu» hammed den Abderhaman mit der grüßten Freundlichkeit und reichen Ehren empfing. 6000 Mann Soldaten waren im 8ose de« Palai» im grüßten Glanze ausgestellt. endlich ver» ndeten Trompetenstöße da- Rahen de« Herrscher», der zum Zeichen seiner Gunst auf einem weißen Rosse erschien, sich wohlwollend mit ihm untrchielt und Montefiore'« Denkschrift entgegennohm, worin dieser um gesetzlichen Schutz für Juden und Christen bat. Schon am 8. Februar wurde chm der Ferman zugestellt, in welchem der Sultan seinem Wunsche in liberalster Weise Erfüllung versprach. Vom Sultan reich beschenkt, trat er die Rückreise an und gelangte über Gibraltar. Spanien. Frankreich in seiner Heimath an, wo den greisen Apostel der Menschenliebe der allgemeine Jubel empfing. Christen und Juden vereinigten sich, um ihm in feierlichster Weise ihre Anerkennung au-zusprrchen. Am 6. Oktober 1864 überbrachte ihm in der Gildhall der Lord-Mayor im Namen der City und im Namen de« ganzen Lande« in einer Adresie. die seine Verdienste hervorhob. Dank und Lob. Hatten die genannten Reisen (nach Damaskus 1840, Petersburg 1846 und Marokko 1863) ihm durch den glänzenden Erfolg Ruhm und Ehre eingebracht, so wollen wir auch die Reise nicht unerwähnt lasien, die nicht minder ihm zur Ehre gereicht, wenn auch der Zweck, um welche sie unternommen, nicht erreicht wurde. CS war die Reise nach Rom im Jahre 1859. Bekanntlich war im Jahre 1888 der Knabe Mortara seinen Eltern in Bologna entriffen, weil nach Aussage einer christlichen Frau da- Ki„d von ihr getauft worden war. Die Juden der meisten Cultur-Länder suchten ihren Einfluß auf die Regierung geltend zu machen, da« Kind den Eltern wieder zurückzugeben, aber alle Vorstellungen der Herrscher, welche sich dafür verwendeten, waren fruchtlos. Da erklärte sich in einer Versammlung in London Montefiore wieder bereit, nach Rom zu reisen, um durch persönliche Bitte beim Papste diesen zur Erfüllung der gerechten Wünsche der Juden zu bewegen. Aber obwohl er von dem Minister empfohlen worden war, konnte r» ihm dennoch nicht gelingen, eine Audienz bei Piu« IX. zu erlangen. M-t großer Mühe wurde er bei Antonelli vorgelasfe». der ihm da« non ponnmn, der Curie rntgegenhiett. So kehrte er unverrichteter Sache zurück, mit dem Bewußtsein, sein« Pflicht gettzan zu haben. Cr erstattete vor großer Versammlung den ewig denkwürdigen Bericht ab. der mit den Worte» schloß .Wir kvnnen un» versichert halten, daß die Zeit nicht meh fern ist, wo Leut« j ede« Glauben» alle solche Gesetze üffenilig! ächten werden, welche im Widerspruche mit dem Raturq,-,^ stehen.- Wenn auch die unmittelbaren Folgen der Momr»> angelrgenheit traurig sind, so mag diese doch wohl ein Mia in der Kette jener Ereignisse sein, die unter Gotte« leitende, Auge beitragen, persönliche» Leid zu mildern und die La^! de» Menschenaeschecht» zu vcrbeffern. Rach einem Jahrzchn hatte die weltliche Herrschaft de» Papste« ein Ende. Wir haben noch eine Reihe von Reise» zu erwähne, von denen man nicht sagen kann, daß sie ohne Wirkunz waren, aber auch nicht, daß er durch dieselben da», wa» » durchdieselben beabsichtigte.ganz erreicht hat. man ist aber dem Ziel, für welche» sie unternommen, näher gerückt. Ich meine da Gedanken, der Montefiore früher schon beschäftigte: De Colonisation Palästina». Montefiore hat siebe, Mal da» heilige Land besucht: 1827, 1838, 1883, IM. 1887, 1868, 1873. Die erste Reise. 1827, unternahm er i, Gemeinschaft mit seiner Gemahlin, um sein fromme» Gefühl zu befriedigen, da» heilige Land zu sehen, um vielleicht d» Lage seiner Glauben-brüder zu verbessern. Bon allen Leite, ehrenvoll empfangen, konnte er iveiter nicht« thun, al» durch reiche Geschenke sich in dankbarer Erinnerung bei de» grdrückten Glauben-genosse» zu erhalten. Aber bei dem Paare wurde durch die eigne Anschauung erst recht die Liebe zu da, heiligen Lande angefacht. Hier reifte der Entschluß, a» der bessern Lebensstellung der Glauben«brüder zu arbeiten, bin erfaßte sie die Misson. der sie sich fortan widmete«. ..Einer resler». renden Seele, so sagt dir Lady in ihrem Rcisetagebuchr, wird et nicht schwer, sich die mannigfachen feierliche» Empfindlinge, vorzustellen, wenn er der ehrwürdigen Hauptstadt diese» scltsamen Lande» naht, aber indem ich von diesen Bttrichliinge, zu meine» eigene» Empfindungen übergehe, kann ich mchl genug Gott danken, daß er un» vergönnt hat. die 3tat» glücklich zu erreichen." Wir iverden weiter sehen, daß ihm (9(‘ legen heit wurde, auch seinem Vaterland« einen Dienst zu erweise«. 1838 unternahm er gleichfalls mit seiner Gemahlin, da diese ihn. so lange sie lebte, überall hi» begleitete, die zweite Aeise nach Jerusalem. Damal» herrschte die Cholera in Palästina, aber da» hielt da» edle Paar vom Reisen nicht ab. Al» Montefiore seine Gattin bewegen wollte, in Alexandric» zu bleiben, erwiderte sie mit den Watten der Ruth: .Wohn Du gehst, gehe auch ich". Hier wollte er seinen Plan der Colonisation Palästina'« zur Ausführung briiigen. Damal» war Syrim und Palästina der Herrschaft Mehmed Ali'» untergeben, und Montefiore, der Mehmed'» Freund war. erbot sich, in Alexandrien eine Bank von 1,000,000 Lire i» errichten, wenn Mehmed Ali die Erlaubniß zur Colonisatio« ettheile. Der Bicrkönig war dem Plane nicht abgeneigt, aber politische Verhältnisse ließe» da» Unternehme» scheuer». Sytten wurde wieder Mehmed Ali enttifien und der liirta wieder einvrrleibt. Er war darauf bedacht, die Inden >« Palästina an nützliche Thätigkeit zu gewöhnen. So schickt er im Jahre 1842 eine vorzügliche englische Buchdrulkprcssc nach Jerusalem, um die Juden zu Fleiß und geistiger Tiialigkrit anzurrgen. Er übergab dem nach Palästina reiscndea Churchill nn kleine» Kapital, von welchem dieser den arme« J-raeliten Palästina'» kleine Anlehen zu 800 und 1000 Piaster zu niedrigem Zinsfuß bnvilligcn durfte. Er schrieb damal»: .Alle Sehnsucht meine» Herzen» ist dahin gerichtet, meinai Brüdern da» schwer lastende Joch de» Exil» zu erleichtere Aber wenn ich auch einige» zu ihrer Erleichterung thun kann, ist e« doch nicht» gegen da», wa» geschehen könnte, wen» b« Edlen meine» Volke« mich mit Rath und That unterstützten.' E» ist möglich, daß in Folge dieser Anregung im Jahre lti»a da» Rothschild'schr Krankenl)au» durch Albert Cohn errichtet wurde und bald auch da» Lämel'sche Waisenhaus. 1883 brach in Palästina eine HnngerSnoth an». Mo>»e> fiore stellte sich an die Spitze einer Sammlung mit 800 Psun» die eine Höhe von 20.«»00 L. erreichte. — 1855 reiste er

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