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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 42 (1884) · p. Seite 166

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
42 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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— 166 — wünschen seines Volke- und der Juden begleitet am 7. Juli ab. In Pari» schloß sich Eremieux und der gelehrte Orten» talist Munk ihnen an. Am 4. August in Alexandrien an» gekommen, hatte Montefiort bereit» am 6. August beim Bizekünig Mehincd Ali Audienz. Da» Hauptverlange», die Sach« in Damaskus von einem ordentlichen Richtercollegium untersuchen zu lassen, wurde zivar nicht gemäht, aber durch Beider Bemühungen gelang e» Mrhrmet Ali zu bestimmen, die gefangenen Juden frei zu geben, und denen, welch« sich geflüchtet hatten, straflose Rückkehr zu gestatten. So ivaren die Unschuldigen gerettet und der Zweck der Reise im Ganzen und Gro: en erreicht. Daß man aber mcht sagen könne, daß sie ihre Freilieit nur der Gnade des Bizekvnig« verdanken, in Wahrheit aber schuldig seien, dem wurde dadurch vorgebeugt, daß Mehmet Ali da» Wort .Gnade", tvclche» in dem Firma» vorkam, auf die Vorstellungen Montefiorr» und Lremieux strich. Welchen Jubel diese Nachricht in der ganze» Jude»- heit hervorrief, läßt sich denken, überall tvurden Dankgebete zum himmlischen Pater für die Errettung der unschuldig Bersolgten im lvsonderem Gottesdienste verrichtet. Mvntrfiore hielt jedoch seine Ausgabe noch nicht für vollendet, er reiste nach Constantinopcl, um vom Sultan einen Ferman zu er» langen, damit in Zukunft sich nicht ähnliche Anklagen wieder» holen. Er wurde aus» freundlichste vom.Sultan Abdul Mrdsid empfangen und ihm ein Ferman rrthcilt de» Inhalt-: .Da die Juden an der Thal, deren sie angrklagt sind, un» jchuldig sind, da sie so sehr da» Blut verabscheuen, daß sie selbst Thicrblut nicht genießen dürften, so sei eine solche Anklage gegen die Juden unstatthaft.*) Bon der Liebe zu unseren Unterthanen geleitet, heißt rS darin, können wir nicht gestatten» daß Mitglieder der jüdischen Ration wegen unbegründeter Beschuldigungen beunruhigt und gefoltert werden, wollen vielmehr, daß die jüdische Ration dieselben Rechte und Freiheiten genieße, welche den zahlreichen unserer Macht unterworfenen Nationen bewilligt sind." Jetzt erst trat er die Rückreise an, die einem Triumphzuge glich-**) Am 21. Februar 1841 wurde er in Paris durch Lord Granville dem König vorgestellt und traf am 3. März in London ein. Großartig war die Ehre, die ihm vom Bolle und der Königin sowohl als von den Juden zu Theil ward. Die Königin ehrte ihn durch „Supporters“,— Schildträger. — die er seinem Wappen beisetzen konnte, sie bestanden in einem Lölven und einem Hirsch, die beide Fahnen tragen, von welchen die rechte mit der hebräischen Inschrift .Jerusalem" versehen ist. Das Hamburger Comite ließ ihm zu Ehren eine Denkmünze präge» Eine Anzahl Juden in Großbrittanien, Nordamerika, Jamaika. Labrador, Gibraltar» verehrte ihm eine» silbernen Tafelaufsatz von 1319 Unzen Gewicht. Er stellt ein Monument dar, auf welchem David das Lamm aus den Klauen des Löwen rettet. Nicht minder rühm» und erfolgreich ivar seine Reise nach Petersburg im Jahre 1848. Kaiser Nikolaus hatte in Folge davon, daß viele Juden an der Grenze sich dem harten für die Juden besonders unerträglichein Militärdienste, welcher 25 Jahre in Anspruch nahm, durch Flucht entzogen, einen Uka» erlassen, daß *) Dieser Ferman vom (5. November 1840 hatte wirklich zur Folge, daß in der Türkei eine Anklage nicht mehr vorkani. **) In Rom erhielt er vom llardinal Amonelli die Zusicherung, dah die Inschrist aus dem Brabstein de« Pater Thoma«, welche die Juden al» dessen MSrdrr hinftellie, entstrnt werden sollte. die Juden die Grenzorte verlassen und viele Werste weit im Innern de» Lande» sich niederlassen sollten. Da« bedeutete für Hunderttausend« von Juden Noth und Elend. Montcfiore hatte kaum von diesem Unglück vernommen, al« er sich wieder mit seiner edlen Gattin entschloß, nach Petersburg zu reise, und vom Äiiifct die Rücknahme diese« Ukase« zu erwirken. Er schrieb über diesen Besuch beim Kaiser im April Folgende« .Ich hatte durch dm Segen des Herrn Gelegenheit die Sache unserer Brüder in diesem Reiche vor dessen mächtigem Herrscher zu vertreten. Ich hatte die Ehre einer Bori'tellung bei dem Kaiser, der mich sehr gnädig aufnahm und alle meine Angaben sehr geduldig anhürte. Sr. Majestät sagte, ich solle die Bersichrrung hinnehmen, daß er sehr eifrig sür die Verbesserung meiner Glaul>en»geuossrn in seinem Reiche strebe und dieser Gegenstand gerade jetzt seine Aufmerksamkeit erfahre." Al» er bei seinem Fortgehen dem Kaiser nochmal« seine Glaulviisgenossen seinem Schutze empfahl, sagte der Kaiser: .Ich will e« thun. ivenn sie Ihnen gleichen." — Auf Befehl de« Kaiser» bereiste er dann die jüdischen (He. mrittden, um dem Kaiser Bericht zu erstatten. Auf diese Reise kamen sic zu einem Heere jüdischer Soldaten und sie feierten mit ihnen das Peßachfrst, welche«. wie : ad» Judith schreibt, zu den schönsten Erittnerungr» ihre» Lcl>enS gehört. Freudig konnte da« edle Paar die Rückreise antrete» mit dem Bewußtsein, seine Glaubensgenossen von einer große, Gefahr befreit zu haben, und erneute Ehre wurde ihm zu Theil. Dir Königin ernannte ihn in Anbetracht seiner Verdienste für die leidenden Mitmenschen zuin Baronrt. Wie sehr diese That seinen Rainen in wc ite Lande trug beweist die Thatsache. daß ein reicher Jude in Amerika, der bi» dahin von Montrfiore »och nicht« gel>ört hatte, 50,000 Dollar für die Juden in Palästina testirte und die Verfügung dieser Summe Montrfiore überließ. Das Andenken a» die Audienz in Petersburg wurde auch in der kaiserlichen Familie nicht verwischt. Denn als Montrfiore im Jahre 1872 »ach Petersburg reiste, um zu dem Volksfeste, welches damals i, Rußland gefeiert wurde, den Kaiser Alexander II. de« Wohlihätcr der Juden, zu begrüßen, erinnerte sich dieser der freundlichen Aufnahme und des guten Eindruckes, den Montcfiore bei seinem Borgänger zurückgclassen. Auch der jetzige Kaiser Alexander III. hat Montrfiore auf die Glückwünsche zu seiner Krönung durch ein eigenhä, digcS Antwortschreiben ausgezeichnet. Nicht minder erfolgreich, grfahr- und ehrenvoll ivar seine Reise nach Marokko im Jahre 1863. (Schluß sotgr) Der Sendik. Bon Nathan Samuel». <Fortse»ung.) Hoschanaraba*) Nacht» — das ist die Zeit, in welcher gewöhnlich ein neues Sesrr Thora der Synagoge übergebe, wird — fand sich die jüdische Musik komplett in der Wohnung Awrom Josephs ein. eine Anzahl Leute, denn es blickte vo, dem Ganzen auch eine fette Mahlzeit heraus, und Aivroi, Joseph wußte e» so anzustellen, daß der Rabbiner selbst da« Sefer Thora von seiner Wohnung in die Synagoge trage, soll. Wer ihn nicht begleitet von der Musik, von welcher einer gefiedelt, einer gezimbelt, einer geflötet, einer gepaukt und einer gar eine großniächtige Baßgeige maflakrirt hat — •) «in Festtag.

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