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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 42 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
42 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M. <8. l Wer den Ramm Montrfiorr nennen härt. der denkt gleichzeitig an Damaskus, an jene denkwürdige Mission Montrfiorr« 1840 nach Damaskus, durch welche die unschuldig wegen Ermordung eines Ehristen zu rituellen Zivecken a»ge> klagten und schon dem Tode geweihten angesehensten Juden von Damaskus durch Darlegung ihrer Unschuld befreit wurde». Da» ist die glänzendste'seiner Thaten. Wir haben ja die äht liche Anklage von TiSza Eßlar erlebt, aber wie raffinirt auch die Anklage ausgedacht war, wir konnten vorauSsrtzen, dag im cultivirten vstrrreichischen Staat, dessen Herrscher seine freundliche wohlwollende Gesinnung gegen dir Juden wiederholt offen aussprach, die öffentliche Verhandlung die Wahrheit, wie r« auch geschehen, an den Tag bringen werde. Ander» im Oriente, wo die Staaten tief in der Barbarei stecken, wo die Folter noch gesetzmäßig ist. Wir wollen nur die Hauplmomente in Kürze un« in'« Gedächtniß rufen. Im Februar 1840 verschivand in Damaskus plötzlich ei» Pater Dioma«, der die Arzneikunde ausübte, mit seinem Diener. Lbwrhl allgemein erzählt wurde, der Pater habe Tag» zuvor mit einem Türken eine» Streit gehabt und dieser habe ihm Rache geschworen, so wurde doch der verdacht «us dir Juden gelenkt Auf dir Aussage eine« Manne«, er habe den Pater Thoma» und seinen Diener in da« Hau» eines Juden gelten und nicht wieder herauskommen gesehen, wurde der Jude gefänglich eingezogen und gefolten. Lange ertrug er geduldig alle Qualen und nannte keine Mitschuldige», di« er endlich durch die gräßlichsten Martern mürbe gemacht, die angeset^nstrn Männer in Damaskus als Mitschuldige angab. S an der Zahl, die nun nicht minder der Folter unterworfen wurden. Einige von ihnen erlagen den Marter», einige flohen. Die meiste Schuld an dieser Behandlung der Juden hatte der tranzösische Eonsul Ratli-Menion. der mit einem einer besser» «ache werthr» Eifer eine Schuld der Juden an« Licht dringen zu müssen glaubte. Der üsterreichischeEvnsulMerlatlegte Protest gegen die unmenschliche Bebandlung des französischen Eonsul« ein, aber ohne Erfolg. Raiti-Menio» fand Knochen auf, »velche al« die der Äemvrdeten gelten sollten, dir aber, wie die spätere Untersuchung ergab, sich al« Thierknochrn herau.stellten. Nachdem den Angeklagte», durch die Folter de« Lebe»« überdrüssig gemacht, schon eingestattden. hörte Ratti» Menton noch nicht auf. sie zu quäle», sie sollte» die Beweise bringe«, sie sollen die Flasche mit Blut, da« sie aufgcsangrn, zeigen. Da sie dir» nicht konnte», nahmen sic wieder da» Geständniß zurück. Scho» »varrn sie für den Tod bestimmt. Ei» Schrei de« Entsetze»« ging durch die Judenl)eit der ganzen Welt. * Da waren e» zwei Männer die für die Ehre de« Judent um» eintraten, die Lügenhaftigkeit der Anklage vor aller Welt darzulrgen. Diese Männrr waren Monte» fiore in London und Errmieux in Pari«. E« wurde» in London Versammlungen von den angesehensten Juden gehalten, um zu berathen, waS zu thun sei und eS wurde be» schloflen, eine Deputation nach Damaskus zu senden, um eine gerichtliche Untersuchung in der Stiche a»stellen zu lassen. Montefiore, der durch seine Reisen nach Palästina schon bekannt war, erklärte sich bald bereit, die Mission zu übernehme». Montrfiorr sagte: .Wir gehen, um die Forderungen der Menschheit zu verthridige», die gekränkt ist, wir gehen da» dunkle Getriebe satanische^ Machinationen aufzul)ellen. wir gehen unsere Brüder im Osten von dem Schandflecke zu reinigen, den Intoleranz und Fanatismus auf unsere Nation zu werfen versucht. Noch mehr, wir wollen versuchen den östlichen Regierungen aufgeklärtere Grundsätze der Gesetzgebung uno der Gericht-Pflege einzuflvßr», sie zu vermöge» die Tortur abzuschaffe», da« ewige Recht hoch über parlheiisch« Gewalt zu setze». Jcb bete zu dem Gott unserer Bäter. daß er unsere Schritte leite." Montefiore fand bei der englischen Regierung und dem Volke eifrige Unterstützung, während Errmieux in Pari« Nicht« erlangen konnte. In London wurde im Mausion - Hause vom Lordmajor eine Notablen-Bersammlung zu diesem Zwecke berufen, und alle Redner sprachen mit Begeisterung, von dem Unrecht überzeugt, für Unterstützung der gerechten Sache. Ebenso wurde die Sache im Parlamente zur Sprache gebracht und Lord Palmerston sprach sich im günsiige» Sinne für die Juden au«. In Pari» fand Errmieux bei dein damaligen Minister Thier» kein Gehör. »Frankreich ist gegen nn»" — schrieb Errmieux. Montefiore reiste, nachdem er von der Königin in besonderer Audienz empfangen wurde, die ihm da« RegirrungSschiff zur Verfügung stellte, in Biglritung seiner edlen Gattin. Lady Judith, de« vr. Loewc und ri»e« Arzte», von den Segen«

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