Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 40-41 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
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^durchdachten Dorten die Thora und den Vorhang» die ewige ,pc und da» Betvult dem liturgischen Dienste und spricht , Segen über Alle, die an dem gemeinnützigen Werke jtig mitarholftn haben. — Stach Absingung de» 84. Psalme«, Iß die reugiöse Feier zu Ende. Die Synagoge hat sich auch L akustischer Hinsicht vorzüglich bewährt und die durch den I«arische« Stil gebotenen phontasievollen Dekorationen haben, Ifrnt der gedämpften Beleuchtung, weniger aufregend und I^rstrruend gewirkt, al« e» der Reichthum farbigen Schmucke« I» sich erwarten ließ. Bei der Versteigerung der Plätze, I»lche, schon um die KultuLauSgaben zu decken nvchig war. satgrsehen von den 200,000 Fr. für den Bau) kamen die Lttbrrrn bi» auf 2500 Fr. zu stehen. | Nach sech» Uhr begann im Palmengarten der zweite tniaft, da» Banket, an dem etwa 270 Bersonrn theilnahmen. ■4 der Menge der dabei gehaltenen geistvollen Toaste greift« 1« die folgenden herau». Nachdem der Prüfe» der israelitischen Gemeinde, Herr Bern heim, die Gäste begrüßt, maidrrte Pfarrer vr. Furrer, der bekannte Kenner jüdischen jude« und Leben», mit einem Hoch auf den Geist de» »lhigrn Glauben«. Hoffen« und Lieben«, der die Synagoge zchoui hat. Vor 500 Jahren gab e« in Zürich drei Synappn, Pest und Fanati»mu« haben damal» die I»raeliten mtrieden: heute leben wir in einer Hellern Zeit, wo jede nligiöse Urberzeugung geachtet wird, weil sie in ein Geheimntz de« Unendlichen mündet. Die Menschbeit verdankt Atwel di« Psalmen, den Dekalo«, da« Veispiel eine» muthiaen Hwli»mu», der ln allen Anfechtungen standhaft bleibt. Mit Mit,«nen»wer»her Offenheit und mit seltenem Fretmuth erf»M»t Rektor Landau da» vom Vorredner vorgetraaene. tzr frier« begeistert den Geist der Toleranz, der da« Reich »mte« der Menichbei» nahe bringen wird. Pfarrer Stuben» »eit bring» sein Hoch der l«roe11t>schen Gemeinde in Zürich, ) AI och dem Geiste der Humanltäi, Rabb. Vr. Engel» teil dem Geiste der echten Religiosität, der trotz Raiur» «ss,"schalten und Materialiemu» noch immer fortgedeiht, me der Vau der Svnagoge selbst beweis». Schulpräsiden» Hitze l »vüttsch», dag dt, iäraeliiische Jugend durch ihr» ichrer in ihrem religiös,,, Gefühl gestärkt werde und mit da übrigen Kindern aufwachse zum Nutzen und zur Ehre der Stadt und de« Lande«. Nach Frau Rektor Landau hl ach »och Herr Bol lag, der da« Baterland« sein Hoch dnilgl, da» die J«raeli«en vor zwei Jahrzehnten emanzipin d» und sich bi« jetzt kraft seine» freiheitlichen Sinne» nicht d> da« Fahrwasser de» Ant>semi:i»mu« hat eindrängen lassen. Die Schweiz und speziell Zürich, bemerkt der Redner, habe jaen Akt der Gerechtigkeit nicht zu bedauern. KUerloi fSr de« Fa«ilie«tifch. HCi« {«rtfikltak» GUlmttGe».- Unter dieser Ueberschrifr lese ich in Nr. 43 diese« Jahrg.'» der »Deutschen Roman-Bibliothek" S. 1032: „Esaia« T'egnär. der Sänger der ,Frithjof«sage", war al» Mensch eine der zartfühlendsten und rücksichtsvollsten Naturen. Al« junger Student ging er einmal mit einem Kommilitonen in dm Anlagen der Universität Lund spazierm. Plötzlich faßte er seinen Freund heftig am Ar» und zog ihn unter allen Zeichen der Verlegenheit in einen Seitenweg, .Wa« giebt e» denn?* fragte Letzterer verwundert. — »Sahst Du nicht dm Doctor 8. kommen?" »Run ja. aber wa« für einen Grund hast Du. ihm auszuweichen. bist Du ihm etwa Geld schuldig?" — .So denkst Du hi». Im Gegrntheil, ich habe ihm eine deine Summe vorgeschosim, die er mir noch nicht zurückerftanen konnte, und da dachte ich, mein Anblick könnte ihm vielleicht peinlich sein." Und ich lese in dem viel verpöntm fast anderthalb Jahrtausende alten Talmud: »Ein Gläubiger, der da weiß, daß sein Schuldner ihn nichi bezahlen kann, soll ihm auäweichen, um ihn nicht in «rlcgmheil zu bringen." Wir findm hier also bereit« zum Gesetz für Jedermann erhoben, wa» dort dem feinfühlenden, an der Spitze keiner Zeit, sa über derselbm, stehenden Dichter und Gelehrten, der da» gleiche ethisch« Gesetz in sich erkmnt und empfindet, so hoch angerrchnet wird. Und doch der böse Talmud! Max Weinberg. Modert AamerNng sagt in dem der zweitm Auflage seine« ..Aha«ver" brigefügtm «Epilog an die Kritiker": .Ed ist vollkommen wahr, wa« man gesagt, Aha«ver sei in meiner Dichtung nicht, wir in der Sage, der ewige Jude, sondern der ewige Mensch. Aber ich denke, mit dem ewigen Judm weiß da« Epo» nicht» anzufangen; nur den ewigen Menschen kann e« brauchm. E« ist nicht ganz unmöglich, daß die so überau» lebenskräftige jüdische Raffe alle übrigen Völker überdauert. Aber so lange sich diese« Schicksal nicht erfüllt, so lange die Angehörigen der übrigen Raffen noch in der Mehrzahl sind, kann die Idee von der Unzerstörbarkeit de» Judenthum« nicht rin« so allgemeine, rein menschliche und welthistorische Bedeutung haben, daß ein christlicher Dichter «» wagen dürste, sie in einem Epo« zu verherrlichen". (Da« ist denn doch eine eigenartige Auffassung Hammerling«. Thatsächlich hat da« jüdische Volk gar viele Zeiten und viele Völker überdauert und welche Zeiten, welche Völker? Nach Hamerling könnte ein Dichter nur vom «Ende aller Dinar" au« im Stand« sein, seinen Blick über die Zeitkäufe schweifen zu laffen, um di« welthistorische Bedeutung eine« Volke» zu begreifen; wir glauben an die Zukunft de» Judrnthum» und auch Hamerling ist dazu nicht ganz abgeneigt. Wir (tauben an dieKulturmisslon de« Judenthum«. den reinen >kon»»h«l»mu» über dl« ganze Erd« zu verbreiten, wenn auch der.christliche Dichter" von dftser Mission vielleicht ander» denkt). In starb büffer Tage der ersie Schneider der West, Isaak Mose». Derselbe biftt sich einen eigenen „Dichter", der ihm die gereimten Inserate verfaftie, und diese» vezog ein Gehalt van lech »tausend Gulden, In den Nebensaien seine« Locale« befanden sich eine Blbiiolhek, eine Sannnlung au«a«flopst»r wilder Thier» und Gemäldesammlungen zur Zerstreuung der wartenden Kunden. Die königlichen Prinzen sießen Kränze und Blume« aus den Sarg ihre« Leibschneider« legen. Mose« hinterläßt mehrere Millionen Guide», In hat ein Bürger einer Zeitung eine Eorrefp. zugesendet, die sie ausgenommen hat, de« Inhalte«: Der nahenden Cholera wegen muß man die Luft verbessern, deshalb müssen die litthauischen Juden au«gewiesen werden. E« hatte nämlich eine dieser Gemeinde angehörige Frau Kirschen auf dem Markte aufgekauft, so daß die Frau deS Eorrespondenten keine vom Mark« hatte heimbringen können! In einem Orte der Mtttowi»« lebt ein Jude, Feibel Mrrdler. 117 Jahre alt, der noch vor 2 Jahren weite Strecken ritt — auch jetzt ist er »och gut bei Appetit und in vollem Besitze aller 5 Sinne. Bon v Kindern leben ihm noch 2 Söhne und 2 Töchter. 82 Enkel und Urenkel zählt er. Sein Sohn Jacob, 80 Jahre alt, hat 7 Söhne, 30 Enkel und 14 Urenkel. Anekdotische» milgethetli von Alexander LlsLher. L» war im Jahre 1827. König Wilhelm von Württemberg wollte auch seinen israelitischen SiaatSgchörwen di« bürgerlichen Rechte gewähren und Minister von Schlager wurde beauftragt, den Ständen einen deßfallsigen Gesetze«- rntwurf zu unterbreiten. Der Minister setzte sich mit hochangesehenen J«raeliten in Stuttgart in Beziehung, um die Wünsche der letzteren entgrgenzunehmen. E« wurde eine Rotablenversammlung von Kommerzienrath Kaulla und Hofrath Pfeiffer einberufen, diese tagten in Stuttgart. Unter