Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 40-41 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 162 — Da» Mädchen erschrak bei diesen Worten und stammelte: .Gnädigster Prinz —" .Ich hoffe", unterbrach sie dieser mit Lächeln, „da ich ihn Dir ausgesucht, wirst Du nicht» gegen ihn haben, und auch Dein Pater wird meinen Wunsch ettülleu." Earah befand sich in arger Bettemmung. Mit ängstlich bittenden Blicken sah sie zu ihm auf. „Oder". fuhr Karl fort, .solltest Du' wirklich gegen meine Fürsorge Einwendung erheben wollen?" „Ich kann nicht ander», hoher Herrflüsterte dir Befragte. .Da« thut mir leid-, «rsetztr der Erzherzog, während au» seinen Augen etwa» von jugendlichem Muthwillen blickte. .Er ist Deiner vollkommen werth; aber da Du Dich so entschiede»- weigerst, so will ich Deinem Nachbar Moi» sagen, daß meine Werbung für ihn ohne Erfolg bei Dir geblieben rst." Wa» für ein Wechsel vollzog sich jetzt auf dem Antlitze Sarah'»! Die Blässe, die eben ihr anmuchige» Gesichtchen bedeckt hatte, venoanoelt« sich in Purpurröthe. Sie schaute zu dem Prinzen auf. und al» sie an seinem vergnügt heitern Ausdrucke sah, daß seine wohlwollende Absicht ernst und nur seine Worte gütig scherzhaft waren, da erfüllten Thränen ihre Augen» während ihr Mund lachte; sie beugt« sich auf die Hand de« Erzherzog» nieder und küßte sie. Ai» der erlaucht« Gast schied, forderte er Läw auf, ihm in seine Wohnung zu folgen. von dort zurückgekommen, rief dieser sein« Frau in'» zweit« Zimmer, Hier fragte er sie, di« Worte etwa» verlesen hervorstoßend: ,Wie ist «». Niwka, bewirbt sich der .Prager" noch um unser Mädel?" Befangen schwieg dt« grau. Er hatte ihr »ft zürnend vorgeworfen, daß sie zu schwach gegen Sarah'« Neigung sei, und in der -hat war «» ihr schmächtiger Wunsch, den tungen Mann, der schon al« «nabe ihr Wohlwollen veschen Mttf, und von dem «na« jetzt so viel Rühmen« «nach««, al» Satten ihrer Tochter zu sehen. St« schwieg als» det ihre» Manne» Frage, da ste flirchme, e»»set die» die Einleitung «- ernnterien Vorwürfen. Ungeduldig drängt« Läw! .So sprich doch, bewirbt sich der »Prager" noch um unser» Sarah?" ,Lch kann r» nicht wissen", sprach sie au««oetchend. Läw schritt unruhig durch» Zimmer, dann seiner Frau K wieder nähernd, sagt« er! .Rede offen Riwta. E» liegt : viel daran; sag' wa» Du weißt, oder wenigsten« «a« Du vermuthest." Riwta, die der Unterredung de» Erzherzog» mit ihrer Tochter nicht beigewohnt, auch diese selbst, die sich nach dem Besuche, erregt und voller Zweifel in ihre Kammer zurückgezogen. noch nicht gesprochen hatte, konnte nicht denken, wa« ihren Mann bewege und wa» er vorhabe. Allein jetzt, nach £inrm wiederholten itzragen und Drängen überkam sie die hnung davon. Froh überrascht blickte sie ihn an, doch entgegnete sie mit ernstem Tone: »Hätte Moi« nicht ein so wackere«, treue» Herz, er möchte deffentwegen, wa« Du ihm angethan hast, längst eine Andere gewählt habrn, aber so.. .Lasse ihn wissen", unterbrach sie rasch ihr Gatte, der jetzt seinerseits Borwürfe scheute, „daß er heute Abend zu mir kommm möge; da wollen wir über den Gegenstand reden." Hiermit könnte ich eigentlich die.Geschichte meine» Großvater»", soweit^ich sie in diesen Blättern zu erzählen beabsichtigte, schließen, denn wa« nun folgte, kann sich mein Leser leicht denken. Allein, ich möchte ein Wort von der lieber« »aschung sprechen, welche am Abend von Hau» zu Hau« ist der Gasse flog. Al» die ersten drei Sternchen zeigten. der Sabbath sei zu Ende, da ersttahlte de» Vorsteher» Wohnung plötzlich in ungewöhnlicher Beleuchtung. Die alte Schewa. die Gewürzkrämerin gegenüber, die eben in ihrer Stube da» übliche „Gut Doch" gesagt und hinau»ging, chren kleinen Laden nach der Tagesruhe noch für ihre Kunden zu öffnen, sah e« erstaunt. Doch wa» sie durch die taghellen, offenen Fenster drüben zu schauen bekam, da» war mehr, al» sie allem, ertragen vermochte. Sie rief die Nachbarn link» und recht» herbei; auch fa mußten e« sehen. Sie traute ihren eigenen Auge» „ich die Andeni mußten erst beistimmen, daß e» Wirklichkni s, und sie nicht träum«. Merkwürdig, da« war ja der altt Abraham, der wackey doch arme Haustrer, der da oben auf dem weichgepolstert, Kanape neben dem stolzen Borsteher saß, und aus der andn, Seite desselben, Mirjam, in der hohen goldenen Staatshalt« Wie sie Beide vor Seligkeit glänzten. besonder» Mirjm Jede» Fältchen ihre» guten, runzeligen Gesichte» lachte k glückt, befriedigte Mutterliebe und Lust. Noch sitzen welche Leute da. Mit dirsm beschäftigt s, angelegentlichst und freundlich Niwka. Richtig, da» j Rachel und daneben ihr Bräutigam, der endlich nach lang« Watten die HeirathSbewilligung vom Gubernium bekam«, so daß für die nächsten Tage die Hochzeit anberaumt werbe konnte. Etwa» entfernt von Jenen, in einer stillen Ecke, befiibe sich noch ein Paar. Moi» is?« und sie. die Herzenserkoir, die Schwererworbene. Wa» sie fühlen? Jubel, Rührung Dank, Seelenaufschwung? E« ist die» Alle» zusammen, n lö»bar vereint, ein Begriff; e» ist heilige, selige Liebe. Wa» flüstern ste zusammen? Wir »Haschen nur n Wott davon. .Siehst Du. mein Herzenskind," sagte n, Gott hat » geholfen, ehe wir e« noch zu hoffen gewagt." „Ja" erwidette ste. Auch ist rin Wunder für un» ( schehen. Roch in späten Zeiten wird man davon erM Ist e» nicht ttn Wund», daß ein hochmägender Hnr sich einfacher Liev»»leu«r anaenommen?" Unten ab» sagte Schewa» ist nicht Ander«, meinem Leben, sie halten oben veriäimtßl Wäre e» dm doch menschenmägltch, baß der stolze Hoflieferant endlich klug geworden ist und dem „Prager" sein» Sarah »«ein r .Freilich ist oben Pertvvniß"', sagte di, Siimine ei« Vorübergehenden. E» war dt»« die Stimme der sogeuauum Hochzeitätächin, welch, mit der Fifchpsann« in ber Vaud Läw« Hau« ging. .Und hän Ihr?" sagt» sie, sich » einmal umwendend, ein eigenthümlicher Schall tönte durch da» offene Fenster, .härt Ähr? jetzt zerbreche» dir Schal«, die Verlobung«schale; jetzt sind sie Braut Bräutigam." Nun, Gott gebe ihnen Glück und Segen l" spräche» Rachbatti. _ Die Si«weth»»g der »e«e« Synagoge i» Zürich. Die Einweihung der Züricher Synagoge ging « 1 S.Srptrmbtt Nachmittag vor sich, der am Abend Bankett und ist in der Tonhalle folgte. Die Synagoge selbsh bequem für 4008t suchcr eingerichtet, macht einen höchst günstigen Eindruck wegen ihn gutm Durchführung de» maurischen Style», namentlich a« in der Maleret. Regierung, Stadtrath, evangelisch« lichkeit waren durch Delegitte vertreten. Herr Rabbi« Dr. Engelbert au» St. Gallen hielt die Festpredigt verbmttt sich über die Geschicke der jüdischen Genicinde» Zürich, ihtt kleinen Anfänge und ihr allmälige» WachStho» ihre religiöse Treue und Opferwilligkrit, die e» ihr enbl« ermöglicht hat, da» Gotteshaus zu bauen, sich selber zu> Heile und Segen; er erürtett hierauf die dreifache Bedeutung be Tempel». Boll schöner Gedanken und im Geiste echtn Talera« entfaltete dies» Redner die Lehren des Judenthums, dic t als erwachsen au» der Vernunft und gegenseitigen Vrubcr lieb« all» civilisitter Völker den gemeinsamen Lern Religionen nannte. Das israelitische Gotteshaus ist lvsti«"" zu diesem Endziele da» Seinige beizutragen. Rach einem tiefempfundenen Liede von Mendelssth" sprach He» Rektor vr. Landau die Weihercde; er iveiht«>