Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 40-41 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 159 — Der Dragoner schlug grimmig auf den Tisch. »Wa». Jude, Du unterstehst Dich, noch zu raisonnierrn? Wofür? Da» geht Dich 'nen Teufel an, zahl', ich rath' Dir gu»; komm' morgen mir dem Grldo zum Krri»hauptma»n. er läßt Euch olle henke», sag' ich Dir. wenn Du Dich weigerst. Seit dem März »ariei er auf da» Geld!« „Aber kann ich nicht« dagegen thun?« fragte Moschele weinerlich. .Nicht«, al« zahlen; denn denke, er wartet seit März.« sagte der Dragoner kalt und schaute ihn streng an. .vielleicht könntet Ihr etwa» für mich au«richten. Herr, beim KrriShauptmann; e« soll mir auf einige Silberstücke nicht ankommen.« bat Moschele zerknirrscht. .Hm. wollen seh'n. Du bist ein guter ftrrl, der Gefühl hol für Unferrine». Aber jetzt muß ich zurück, damit ich noch vor Thoresschluß in Krakau bin. Leb' wohl!« Moschele begleitete ihn zur Hau«thüre und bald sah er den Dragoner, von der jauchzenden Kindermenge gefolgt, von dannen reiten. Er wischte sich den Schweiß von der Stirne, setzte sich da» Sammtkäppchen wieder auf und begab sich in« Zimmer, wo ihn seine Frau angstvoll fragte, wa« dieser seltsame Besuch zu bedeuten hätte. Seine Niedergeschlagenheit machte sic unruhig, und auch Rutd drängte sich an ihn. er aber «ehrte sie von sich, ging aufgeregt im Zimmer auf und ab und erzählte bruchstückweise und stöhnend von dem krri«amtlichrn Befehle. »2354 Gulden! Da mag« nun drinn steh'n, wofür oder ich kann nicht lesen. Deine schöne Mitgif«, Ruth, Deine schöne Mitgift!- Draußen dämmerte i» bereit«, e« wurde Abend, e« wurde Rächt. Moschele saß, den Kopf auf die Hände Nützend, am Tische und grübelte über die Ursache de» Befchle«. Frau und Tochter riethe» die« und jene«, er hörte e« nicht, er war ganz in Gedanken versunken. Gr wußte schon eine«, der ibm Aufklärung gebe», der ihm vielleicht Helsen konnte, aber dieser eine war sein Todfeind, diesen einen hatte er vor tvenigen Stunden adoewiesen. jetzt würde er ihm wohl höhnisch dir Thürr weisen. Moschele verbiß sich förmlich in diesem Gedanken. Endlich aber sprang er auf; half ihm Jsakowicz auch nicht, wa» konnte rin versuch schaden? Er eilte die Straße hinab und blieb vor einem halbverfallenen tzäu«chm stehen. Durch den rissigen Fensterladen schaute er in« Zimmer. E» war finster darin; Moschele klopfte erst Inf«, dann lauter. »Wer ist draußen?« fragte Jsakowicz' Stimme von innen.! »Ich, Moische Dann.« . »Tretet ein.« sagte Jsakowicz, al» er nach einigen Minuten den Riegel der Hau»thür zurückschob und beim Scheine einer Talgkerze dir verstörten Züge Moschele'» erblickte. ,Wa» wollt Ihr so spät von m»r.« »Laßt da»,« sagte Moschele hastig, indem er ihm da« Schriftstück reichte; »der Landdragoner hat da» gebracht. Sagt mir. ich bitf Euch, wofür habe ich da« viele Geld zu «eben? 2354 Gulden! Man wird nicht stehen bleiben dabei. Äsakowicz.« fuhr er erregt fort, »wem man da« viertel nimmt, von dem will man auch da» Ganze.« Jsakowicz la». Während de« Lesen» wetterleuchtete e» in seinem Gesichte, seine Oberlippe hob sich ein wenig empor und ließ seine grünen Zähne sehen; er lachte in sich hinein. Moschele zitterte. Worüber konnte auch sein Feind lachen, wenn nicht über sein Unglück. »Wa« lacht Ihr über mich?« schrie er. »Wer hat Euch denn diese Schrift vorgelesen?« fragte Jsakowicz höhnisch. »Der Landdragoner.« Jsakowicz lackte laut auf; dann ernster werdend, fragte »Und wa» soll ich dabei thun?« I* L »Sagen sollt Ihr mir. warum man mir 2354 fl. abpressen will, da« Geld meiner Ruth, und ob ich nicht» dagegen chun kann?« .Hört, Dann, ich will Euch >oa» sagen, Ihr seid in mein elend Hau« gekommen, der Reiche zum Arme», um zu bitten; Ihr habt Euch gedemüthigt vor dem unanschnlichen Jsakowicz, vor seinen Kenntnisse». Ich müßte lügen, wenn ich sagte, daß mein Herz darüber nicht frohlockt, denn wenn Dann zu Jsakowicz bitten kommt, lo ist Jsakowicz der reiche Mann und Dann ist bettelarm, Nicht so?" Moschele stand vor ihm. den Kopf gesenkt und die Augen zu Boden geschlagen, wir einer, dem man da» Tode»- urtheil vvrliest; er machte eine Bewegung, al« wollte er vor dem fürchterlichen, stolzen Manne niedersinken, aber er biß seine Lippen wund und bezwang sich. »Seid Ihr fertig?« fragte er tonlo». »Rein. Dann.« sagte Jsakowicz feierlich, »der reichere Mann ist auch der bessere. Seht, ich könnte Euch sagen: tragt da« Geld, von dem Ihr sprecht, in die Stadt, e» wäre verloren, Ihr wißt e»; ich könnte Eure Unwissenheit au»- nützen; aber ich thue e» nicht, ick sage Euch, seid ruhig, die Sache hier hat Gott geordnet unterdessen.« Moschele bemühte sich, ruhiger zu werden, aber da« Lächeln, da» fortwährend um Jsakowicz' Lippen zuckte, gefiel ihm nicht. »Wa« muß ich also thun, um den Krei»hauptmann gnädig zu stimmen.« »Nicht«.« Dieser Rath konnte doch sehr gefährlich sein. Moschele wußte ganz gut, daß der Landdragoner sich wegen »Nicht«« in der grüßten Sonnenhitze nicht herbemüht hätte. »Ihr glaubt mir nicht.« rief Jsakowicz beleidigt, »gut, damit Ihr seht, daß ich gesprochen wie ein Ehrenmann, werde ich meinen Sohn wecken, und er soll den Befehl de» Kreishauptmann» lesen.« Er ging in die Kammer und kehrte mit einem bleichen, jungen Manne zurück, der in seiner Schlaftrunkenheit Moschele erstaunt ansah und dessen Rock zu betasten begann. Jsakowicz reichte ihm da» Schriftstück, sein Sohn la« und konnte gar nickt fertig «erden. »Wann habt Ihr da» bekommen, Reb Moische?« fragte er endlich sehr verwundert. »Heute.« Der junge Mann lachte laut auf. »Ihr spottet meiner,« rief Moschele entrüstet; »Ihr habt Euch verabredet, mich zu verhöhnen.« »Hört, Dann.« sagte Moschele ernst, »wir verhöhnen Euch nicht, aber ich glaub« der Landdragonrr hat'« gethan. Wißt Ihr denn wirklich nicht, wa» da« Papier da enthält?« »Rein, bei Gott nicht.« »Ihr sollt'» erfahren, aber vorerst gebt mit Antwort: Wollt Ihr meinen Sohn zum Eidam nehmen? Ihr seid in meinem Hause; r« sei fern von mir. Euch zuzureden, sagt frei und offen: Gebt Ihr Eure Ruth meinem Sohne zum weide?« »Ja.« sagte Moschele aufathmend, »und lvenn Ihr mir nochmal« versichert, daß keine Gefahr vorhanden, so kommt «leich mit; mein Weib und meine Tochter warte» noch meiner kücktehr; kommt, damit sich die junge» Leute da» Wort geben.« Jsakowicz zögerte noch. »Dann,« sagte er leise, damit sein Sohn, der sich vollend« ankleidete, ihn nicht höre, „außerdem müßt Ihr mir fünfzig Gulden gebe», damit mein Sohn am Hochzeitstage nicht unbeschenkt bleibe von seinem Vater. Ich bitt' Euch darum.« „So viel ist mir ein Schreiber schon werth," lächelte > Moschele und schüttelte Jsakowicz die Hand, aber jetzt! kommt." > Sie gingen die kurze Strecke. Dir Nacht war schwül j und e» wetterleuchtete. Jsakowicz lackte in sich hinein, und I sein Sohn wich nicht von Moschele'« Seite. Die Frauen