Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 39 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
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155 — Da lachte der Kaufmann: »Ziehe, Freund" — sprach (C dann, »nur erst Jacke und Letz aus, die «an unter einem K-ck nicht trägt, und du wirst sehen, wie sehr dir derselbe pfjnt wird." — Wie oft hört man nicht sagen: »E» ist unmöglich, dem -ottesworte gemäß, und nach den Lehren der Religion leben u können, man ist beschränkt und beengt im Thun und gaffen, im Erwerb und Genuß." — Ja freilich, wenn die Religion nicht unmittelbar da« Herz berührt, wenn ein Heer ton Leidenschaften sich zwischen ihr und dem Herzen lagert, dinu wird sie beengend und beschränkend. Entfernt aber di« Genuß» und Gewinnsucht, die eurem Herzen so nah« tilgen, dann wird dir Religion da« bequemste Gewand «erden. — _ Rechtschaffenheit und eifrige« Bestreben nach Aahroeit. Jede Gelegenheit ist mir erwünscht, in welcher ich Ihnen Beweise meiner fortdauernden Hochachtung geben kann, mit der ich bin Ztzr Verehrer und Freund Karl Dalberg. RegenSburg. den 25. August 1816." So der Fürst-Prima«. Diese Worte bedürfen keine» Eommentar». Mögen sie die Stöcker und Rohlinge aufmerksam lesen, um sich über die wahren Aufgaben eine« Diener» ihrer Religion andern Eonfessionen gegenüber zu instruiren! Dr. A. JaraczewSky.Klattau. Der Judeuhatz auf Reife«. (Schluß.) Stme geschichtliche Ne«i«ifee»z. Gegenüber den elenden Machinationen und Hetzereien der Stöcker und Rohlinge, ist e» wohl von großem Interesse die gewichtige Stimme eine» Kirchenfürstm zu vernehmen aber da« Judenthum und seine gerechten Ansprüche an den kiaat. dir am 26. August 1816 sich öffentlich vernehmen ließ Diese Stimme war von um so größerem Gewicht für die Juden und die günstige Entscheidung ihrer Sache, al« sir von einen» Manne abgegeben wurde, der durch ebenso angcheuchelte Frömmigkeit, al» auch durch wahre Humanität glänzte. E« war die» Karl von Dalberg. Füyt Prima« tnb Erzbischof, auch Grobherzog von Frankfurt a. M. re. re. Der Sachverhalt »var folgender. Al« die corsische Tyrannei mit den vereinten Kräfte» der Fürsten und ihrer Untertanen tobeömuthig bekämpft und gebrochen wurde, waren auch du Juden nicht zurückgeblieben, sondern kämpften muthig Btt den blutigen Strauß um die Sache der Freiheit und awarden sich rechtlichen Antheil am Siege. Dafür wollten sie «ich al» gleichberechtigt angesehen werden mit den andern Landeskindern. E« gab auch gerechte Fürsten und Schriftsteller genug, die für diese gerechte Sache der Juden eintraten. Aber auch die Rraction erhob bald wieder kühn ihr Haupt «id wollte in die Borwärt«dewegung de« Zeitenrade« hemmend mgrnfen. Auch der Jude sollte gewaltsam in seine alte beengte Stellung zurückgedrängt werden. Vergeben« berief sich Letzterer darauf, wie auch er so schwere Opfer auf den Altar de» Vaterlandes niedergelegt, vergeben« erinnerte er an seine Treue gegen Fürst und Reich, die auch ihn willig skin Blut für die Allgemeinheit verspritzen ließ, die Reaktion »ar für diese« Alle« taub. Gegen diese Ungerechtigkeit der fteartion erhoben edle Patrioten ihre Stimme in Wort und Echrist. Einen hervorragenden Rang unter diesen Edelsten der Edlen nahm der fürstlich Thurn und Toxische Rath und Bibliothekar in Regen«burg. August Krämer, ein. In smier Schrift: »D»e Juden und ihre gerechten Ansprüche an d» christlichen Staaten. Ein Beitrag zur Milderung der Hanen Unheile über die jüdische Ration ic. 1816" tritt er ■it feurigen Worten für die Sache der Juden ein und weiß ■ scharfsinnigem Spotte den Obskurantismus und seine Lchren ad abaurdmn zu führen. — Um aber seiner Sache Sam dir weihe der Gerechtigkeit zu geben, sendn er Arbeit an Dalberg und erbittet sich dessen Unheil rr. Diese» Unheil erfolgt denn auch in folgendem Dchreiben de» Fürsten-Priino»! »Lieder Herr Krämer! Ich bade mit lebhaftem Verzügen Ihre Schrift über die gerechten Ansprüche der Juden J* christlichen Staaten gelesen. Diese« Werk gereicht nicht «ß Ihrem Geist«, sondern auch Ihrem Herzen zur Ehre; * ift mit Wahrheit»liebe und Mäßigung geschrieben, vereinigt * Vorzüge der Gründlichkeit und einleuchtenden lichten Darstellung. Der göttliche Erlöser hat da« Beispiel der Dultat» gegeben; dir Pflicht der Menschen, »umalen der huschen freundlichen Ehristen ist, diesem Beispiele zu folgen, «r wissen, daß ich Ihne« von jeder eine ausgezeichnete Vachochtung gewidmet Hab« in Beziehung auf Ihre bieder« Run könnte nran vielleicht behaupten, daß nur die Väter der heutigen Juden fleißig und dem Lande segensreich warm, wa» >a die Rumänen durch die Anerkennung al» Inländer lohnten, während die heutigen Juden so degnerirt sind, daß sie mit Recht gehaßt werden. Darauf möge die Statistik antwonm. Nahezu 40 Procent der Aerzte in Rumänien sind Juden, ungefähr 2ö Procent der Apotheker sind Juden, während 65 Procmt Deutsche sind; ungefähr 80 Procent der Handwerker in der Moldau sind Juden; 75 Procmt der Kaufleute in ganz Rumänim sind Juden. Run drängt sich unwillkürlich die Frage auf, wie e« möglich sei. daß lauter Richt-Rumänen — außer den Juden sind Deutsche, Ungam und Grieche»» erfolgreich thätig — die einträglichen Professionen in Händen haben. Dieser an sich merkwürdige Umstand ist durch den Eharakter der.Rumänen leicht erklärlich, welche die stetige Arbeit nicht lieben und insbesondere dem Handwerk eine lebhafte Abneigung entgegenbringen. Die Aemtersucht bildet > dafür eine hervorstechende Eigenthümlichkeit de» rumänischen I Rational-Eharakter». Weil in früheren Zeiten da» Amt adelte, hungert der Rumäne auch heute lieber in der Amtsstube al»! Eopist, statt ein tüchtiger Schuster oder Schneider zu werden, j Rur allzu häufig grinst dabei dem Beobachter die Korruption! entgegen, die sich selbst in die Armee eingeschlichen hat. Die Einrichtung der Dorobanzen und Kalaraschen, derzufolge die; activen Soldatm. meist Söhne relativ reicher Bauern, drei! Wochen zu Hause bleiben und eine Woche im Dienste sind — : ist eine Brutstätte der Eorruption geworden. Einerseits! fließt der Sold dieser Soldaten oft in die Tasche de« Haupt»! manne« und Feldwebel», währmd andererseits der Soldat auch drei bi» vier Franc« für die Dienstwoche zahlt, um gu ' Hause bleiben zu dürfen. Au» allen diesen Umständm »st der Haß gegen den fleißigen, sparsamm Juden entstanden, jmer Haß, der nur in den sogenannten gebildeten Kreisen grassirt, während der Bauer mit dem Juden im gutm Verhältnisse lebt, da auch er ein Unterdrückter ist. Der jüdische Arbeit«- fleiß ist den Rumänen ein Dom im Auge, und mit allm Mitteln suchm sie denselbm zu ersticken, indem sie sein Arbeitsfeld immer mehr rinschränken und dem Lande auf diese Weise «npfindlich schaden. Die Zeit ist eine strenge Lehrmeistertn und sie wird den Ruinänen die Augen öffnen, sie wird sie lehrm, daß e« nicht ihr Bortheil ist, die fleißigen Juden zu verfolgen und sie moralisch au» dem Lande zu >agm, insbesondere ehe sie dafür gesorgt haben, einm tüchtigen nationaler, vürgerstand zu schaffen. Allerlei für dr« Familirntisch, bi* «ßl«r»r Pr* reff»*. In der Schlußvrrhandlung diese« Proceße» hatte — wie vielen Lesern vielleicht noch erinnerlich — der Bertheidiger der Wittwe Solymossy noch eine wichtige Zeugin, die Esere«, angemeldet. Die Zeugin verivickeite sich aber sehr in Widersprüchen und erwie« sich al« ein« böswillige Lügnerin. I« Folge deffm ließ sie nun aber ihr Manu nicht mehr zu sich in'» Hau«. Onody's Verwendung nützte nicht«. Der Mann bleibt dabei, daß rin Weib, welche« fähig ist, durch Lügen