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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 38 (1884) · p. Seite 150

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
38 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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— 160 — n dieser stolzen Stirne hatten damals noch nicht die Kämpft und der Ernst des Leben« die Linien gezogen. Mit der-Gewißheit, daß er sich nnht täusche, durchzog ihn eine Empfindung, welche Freude und Befangenheit zu»!flach war. Rasch erhob er sich von seinem Matze, und einem Gaste den ganzen Bordersitz überlassend, setzte er sich ihm gegenüber, indem er ehrfurchtsvoll seine große Pelzmütze abzog. „Was habt Ihr?" fragte der Gast, „Warum verlasset Ihr (ftimt Platz? Setzt doch in der Nachtlust Eure Mütze auf!" „Kaiserliche Lohnt", — begann stockend der Erregte. „„Wie. Ihr kennt mich? Doch — auch Ihr scheint mir nicht fremd. Wo Hab« ich Euch gesehen? Helft meiner Erinnerung."" „Euere kaiserliche Hoheit haben einst, wie jener berühmte Meister mit einem Pinselstrichr aus einem weinenden Kinde ein lachendes machte, durch ein Wort mich, den trostlosen Knaben, zu einem glücklichen umgewandelt. Ich heiße Moi«, meine Vaterstadt ist Proßnitz; im Hotel zur Sonne. . . ." ..Ah, jetzt weiß ich Alles", unterbrach ihn der Fremde, den der Leser wohl bereits als den Erzherzog Karl erkannte. „„Also Ihr wart der Knabe, der mir einst so viele Theilnahme eingeflvßt."' „Ja. kaiserliche Hoheit, und der heiße Wunsch, der mich seit damals beseelt, meinen hohen Wohlthäter noch einmal zu sehen, ihm meinen ehrfurchtsvolle», unausldschlichen Dank aussprechen zu können, ist heute von Gott erfüllt!" „^Seit Ihr den, Studium treu geblieben?"" „Meine Liebe dafür ist mit meinet Jahren gewachsen." „„Und wo habt Ihr studirt?"" „In Prag, kaiserliche Hoheit." „„Seid Ihr", stagte Karl lächelnd, „noch immer, wie damals als Knabe, der feurige Lobredner de» Talmuds?"" „Roch immer, kaiserliche Hoheit." „-Also ohne Wandlung derselbe?"" „Ganz ohne Wandlung? — nein, da» entspräche wohl nicht der Wahrheit." „„Also doch! Erklärt euch näher."" „Ich fürchte nur. daß meine Auseinandersetzung da« Interesse Euerer kaiserlichen Hoheit zu wenig erregen dürfte." ,„Im Gegrntheil, ein solcher Gegenstand ist mir nicht gleichgültig."' „Hoheit", begann der also Ermuthigte, „lange Zeit war da« Bewußtsein, daß ich auf dem Gebiete de« Talmud» immer heimischer werde, mich immer fester und sicherer darauf bewege, mein höchste« Glück. Auch erhob mich dies über all« Nöthen und Entbehrungen der Fremde. Mich ergötzten di« scharfsinnigen Erörterungen meine« Rabbi, und ich war hoch befriedigt durch sei» mir ertheilte» Lob und durch di« Anerkennung, die meine Schulfreunde mir zollten. Doch nach und nach, in den langen Rächten einsamer Forschung erfaßte mich ein nagender Zweiftl. Ich fragte mich, ob denn wirklich mit dem Studium de« Talmuds Alles Es«, und ob dmn nicht noch andere Wissensgebiete n werden müflen, um der vollendete Mann und Gottesgelehrte zu werden, wie dies so viele Lichter der Synagoge älterer Zeit gewesen. Dieser Zweiftl machte mich trübsinnig und zu jeder Arbeit verdrossen. _ (Fortsetzung folgt.) leumdungen ähnlicher Art kehren oft genug wieder, sie soll, aber' im vorliegenden Falle umsoweniger ohne Antwon bleiben, als der Eorrespondent der „Kölnischen Zeitung" sih nicht schämt, selbst zu handgreiflich lügenhaften Daten sei» Zuflucht zu nehmen. Bor Allem wollen wir ronstatiren, baj in Rumänien nicht 500,000 Juden sich befinden, fonbnt nach dem nicht iudenfreundlichen „Resboinl". nur 134,648. Ferner hat Folticeni nicht 16,000, sondern nur ttm 8000 Einwohner, von denen in der That etwa 5000 Jude, sind; auch Tirgu-Frumos und Jassy haben eine kleinere Ae. völftrungsziffer als die „Kölnische Zeitung" angiebt; daß u den Städten der Moldau so viele Juden wohnen, ist darau» erklärlich, daß die Juden nicht auf dem Lande ivohnen dürfe, und augerdem ausschließlich den Handels- und Geiverbesiand bilden. Die Moldau hat nicht mehr als siebzehn Districte mit ungefähr zehn Städten, deren Bevvlkeruiig über 10,000 Seelen beträgt, und etwa vierzig kleinen Stadtgrmriiiden auf die sich di« Zahl von l 00,000 jüdischen Einwohner, repartirt. Den Haß der Rumänen haben sic sich jedoch nicht durch ihre Anzahl zugczogen, sonder» durch den Einfluß, de» sie sich in der Gesellschaft Rumänien» erobert haben, und kein Rumäne wird es leugnen, daß diese 134,648 Menschen der bedeutendste ökonomische Factor unter den 4,200,000 Einwohnern Rumäniens sind. Als um da» Jahr 1832 die Bojaren die Einkünfte ihm Güter erhöhen wollten, bezogen sie je zehn bi« fünfzehn f;alizische Judenfamilien, die sie aus ihrem Grundbesitz aniedelten, so daß bald au« dem unbedeutenden Bauerndorse ein ansehnliches. Handel treibendes Städtchen wurde, «o entstanden Regreschti, Stefaneschti, Tirgu-Frumos, Mihaleni, Paschkani, Moineschti und viele andere. Mit diesen Ansiedlern kam auch eine bedeutend« Anzahl anderer Juden, fast durchgängig H.ndwrrker, in'» Land, und wahrlich nicht K Nachtheile desselben. Im Jahre 1860 hatte Rumänien t« 12,867 gewerbliche Anstalten, die rin Rohmaterial von 62,7:?0.178 Francs zu einem Werthe von 90,277,350 Franc» verarbeiteten. Filzhütr, Stärke. Stricke, Fayence rc. wurden im Lande verfertigt, und die Rumänen erkannten den hohe« Nutzen der Juden, indem sie dieselben von 1832 bis 186» als Jndiarni (Inländer) ansahen und ihnen 1864 sogar die civilen Rechte ertheiltrn, welche Rechte ihnen aber 1866 wieder genommen wurden, so daß heute die Nachkömmlinge Jener, die vor 50 Jahren die Eultur, die sie von den Deutschen in Oesterreich überkomme», in'S Land gebracht haben, all „Fremde" behandelt und auf alle mögliche Weift unterdrückt werden. Jene Ansiedler im Kaftan waren fleißige Leute und beschäftigten sich auch mit der Biehzucht. Rumänien hatte 1860 die schöne Anzahl von 2,751,168 Stück Hornvieh, worunter 1,351,403 Ochsen. Bon 1866 an begann die Auttreibung der Juden au» den Ruralgemeinden, und eine Verminderung de» Biehstande« machte sich, gleichen Schritt mit den Austreibun gen haltend, fühlbar, so daß 1873 bereit» 1,886,990 Stück Hornvieh, darunter 835,735 Ochsen vorhanden waren. So lange der Jude aus dem Lande wohnen durfte, hielt er sich eine, zwei Kühe und auch ein paar Ochs« beim Hause; als er aber ausgetrieben wurde, konnte er da« Bieh nicht in die Stadt milnedmen. Daher die Berminderun« des Biehstande«, denn der künsUich Herbeigesühne Uebersluß wurde nach Oesterreich rrportirt, zum Schaden de« Landes- _ (Schlug folg*) Der A«de«haß a«f Reise». In einem Reisebriefe der „Kölnischen Zeitung" wird den Juden in Rumänien gar arg mitarspielt. Sie werden als abscheuliche Knoblauch- und Lhristenfresser dargestellt, dir bis über den Kopf im Schmutz waten und in chrer lumpenreichen Armuth an nichts Anderes denken, als wie sie in kürzester Zeit Millionäre werden, so daß es bei dm Rumänen «bmso zum ton ton gehört, die Juden zu haflm, als „weiße Wäsche und ganze «leider" zu tragm. Ber» Pros. Dr. Moritz Lazaros. Montag, dm 15. Smtember feierte in bescheidener Zurückgezogenheit Prof. vr. Moritz Lazarus seinm sechzigste» Geburtstag — auch «in Freudentag für Israel, der nicht unangemerkt in diesen Blättern vorüberaehm soll, ohne de« Manne warm empfundenen Dank auszusprechm, der mit da überwältigmdm Kraft seines fmrigen Worte«, mit der uuamüdlichm Tbatmlust seiner energischen Natur und mit de« blmdmdm Prestige seines gefrierten Ramm« für d«

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