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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 38 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
38 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 88. Jüdisches 1884. Inhalt 3ir |lntrr|fllt«ng »vd Ktlehr>«g fir die isrielitische Zv-enl». Dt» Geschtchle meine« «roßvaters. (Forcseynnft.) — ErMlung von Fanni Renda. — Der Judenhaß au? Reise». — Professor * Dr. Moritz Lazaru«. —Vr. Adradam «lein. —Allerlei für den Familienlisch: Eine qule Annoorl. — lllisabeidärad. — Amerika. — Rew-shork. — Riitdselausgabe». — Rillhsellösunften. — Briefkasten der Redaktion. Die Geschichte meine» Großvater». Erzählung von Kann! Renda. VH!IU<|.ni« «erUte»! Akte «ril»che. «Fortsetzung.) Aber lvarum sollte dir Trauung im Hose abgehalten werden? wird so Mancher fragen. Weil nach altem Herkommen feslstand. eine rechtgiltige, ehrenhafte Ehe dürfe nur inner freiem Himmel, von der Sonne beschienen oder auch Mn Regen beström». geschlossen werden. Jede unter Dach vollzogene Verbindung wurde, wie eine Licht scheuende, heimliche, der Sünde oder Schande nicht fernstehende, angesehen. Line Menge Zuschauer hatte sich eingrfunden, um die lochtrr de« Brauer» trauen zu sehen und sie schauten neu« zierig dem nahenden HochzritSzuge entgegen. Zuerst kam der Bräutigam In feinen weißen. mit kpltzen besetzte» Sterbekleidern angethan. machte er auf jene öeschauer, die zum erstenmale eine solche Enmnonie sahen, «inen eiarnthümlichen, fast beklemmenden Eindruck. Er ging mist und feierlich einher an der Seite seiner Beistände und tzksolgt von dem männlichen Theile der Gäste. Unter dem Trauhimmel erwartete er die Braut. Bald erschien auch diese. Sie schritt an der Spitze eine» «posanten Zuge» geputzter Frauen. Im Gegensätze zum »riutigam prangte sie in einem buntfarbigen Festkleid«, ge» Wpniicft mit kostbarer Kette und langen goldenen Ohrgehängen. 3hr Haupt und Angesicht war von dem Goldschleier dicht verhüllt. Ehe sie. auf diesen bedeutung-reichen Weg sich begebend, da- Zimmer verlasien hatte, war ihr von der alten Großmutter wohlbedachtsam, doch mit vor Erregung zitternden Händen rin salzbestrrute» Brodrindchen in die Tasche gesteckt »erden, um sie dadurch vor den Einflüssen eine» , bösen luge- und sonstiger bösen Dinge' zu oehüten. Auch hatte die gute, vorsichtige Alte nicht vergessen, ihr da» übliche gekochte Ei mitzugeden, damit, wie diese«, ihre Ehe glatt und ohne Ende sei. Und an der Thürschwelle wurde sie von ihrer Mutter, die nebst de« Bräutigam« Mutter ihre Fahrerin mar. ermahnt. nur ja mit dem rechten Fuße zuerst über d» Schwelle zu gehen, damit ,e« zum Guten sei . Unter dem Traubaldachin angelangt. führten die beiden «ütter die Braut dreimal im Kreise um ihren künftigen «heherrn. zum Zeichen, so möge sie hinfort ihn mit ihrer «ebe und Sorgfalt umkreisen. Darauf vollzog der junge "abdinatökandidat die bindende Funktion in der Art. wie sie o«b jetzt in vielen jüdischen Gemeinden statthat. Al» ^»stischer Schluß derselben. wurde von dem fungirenden Kontor rin Trinkglu« in ein weiße» Tuch gewickelt, unter dn> Fuß de« Bräutigamgelegt und dieser mußte darauf ditten. daß e» in Scherben brach. Vielleicht sollte darin die «ahnung sein: daß ,Gla« und Glück — hat gleich Ge» Mk; rin Stoß — zu Trümmer — sind Glanz und vchimmer". Oder sollte dazerbrochene Gla«, wie jene« ' König« von Shraku» goldener Pokal ei» Sühnopfer neidischen Dämonen sein? In gleicher Weise, wie der Hochzeitszug gekommen, begab er sich zurück. Al« nun die Reuverinähltc mit ihrer Begleitung an da« Elternhaus kam, da fand sie — die Hau-thür von innen verschlossen und verringelt. Man pochte, man rief, vergeben«. Erst nach langem Zögern drin», ward aeöffiict und Einlaß gegeben. Und Iva« war der Grund diese« sonderbaren Zwischenfalle«? Wieder eine Symbolik: Die Neuvermählte habe von jetzt an ihr Zuhause nur bei dem Gatten und sie möge nie al« Wittwr oder geschiedene Frau ihr Heim wieder im Eltrrnhause suchen müssen. Bei dem HochzeitSmahle, da« nun folgte, wollen wir nicht verweilen. Auch unser Freund, dem wir un« wieder ungrtheilt zuwendcn, beeilte sich, während die andern Gäste sich noch gütlich thatrn, aufzubrechen, und nicht allzulange nach Eintritt der Dunkelheit befand er sich ans dem Heimwege. vm N»* *erß»fft L»««t «ft. Al« er so allein, von dem bequemen Wagen sanft geschaukelt. in der mondhellen Rächt hinfuhr, faßte ihn ein eigenthümliche« Gefühl, ein Gefühl der Erwartung. Ihm war e«. al« müßte jetzt etwa« Besondere» eintreffen, wa« einen Einfluß, sei e« einen günstigen, oder ungünstigen auf sein Geschick nehmen werde. »Da« ist doch ein TeufelSweg, da har man sich kurio« in Acht »u nehmen!' grollte plötzlich Franz, der Kutscher. Jäh schoß die Straße abwärt« über steinigen, wegelosm Boden. Während die Pferde, zu vorsichtigem Gange gezügelt, sich ziemlich widerwillig gebehrdeten, wurde eine auf dem Wege liegende, große, dunkle Masse sichtbar, die sich bald al« ein umgrworfcner Wagen entpuppte, dessen Kutscher wahrscheinlich sich weniger »kurio«' in Acht genommen hatte. Zwei Männer befanden sich daneben, wovon der Eine in Livräe gekleidet, auf da« herbeirollende Gefährte zutrat und höflich fragte, wohin dasselbe ziele. Auf die Antwort: „Nach Proßnitz' stellte er dir Bitte, man möge seinen Herrn mitnehmen wollen, da dessen Wagen hier beschädigt und unbrauchbar geworden sei. Moi» willfahrte, und al« er, zur Seite rückend, Platz machte, stieg ein Herr, in einem grauen Waffenrocke und einer militärischen Reisekappe zu ihm ein. Die Pferde, die Halt gemacht hatten, setzten sich in Bewegung und bald kamen sie ivieder auf beffere« Geleise. Bei einer Wendung de« Wege» fielen dir Mondesstrahlen hell auf de« Fremden Gesicht. Moi» stutzte; da» war ein bedeutende» Gesicht, auch schien c« ihm bekannt. Gewiß, er hatte e« schon gesehen; aber wo und wann? Die Erinnerung wurde immer lebendiger in ihm; sie ließ dasselbe Antlitz vor ihm auftauchen, doch ftischer. jugendlicher, nicht so von der «onnenglut gebräunt, wie e» jetzt sich zeigte. Diese« gebieterische Auge hatte er heiter, ja harmlos gesehen, und auf

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