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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 37 (1884) · p. Seite 147

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
37 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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Allerlei fÄr den Fa«ilie«1isch. ftflcfcr, da e« da« Feuer verlöscht. Velen wir also da« rffer an. sprach Nimrod. Die Wolke ist stärker, versetzte Kaham. Beten wir dir Wolke an. fuhr Nimrod fort. Der inb ist stärker, replicirte Abraham. Beten wir den wind verlangte Nimrod. Der Mensch ist stärker, antwortete iham. Zornig rief Nimrod au«, ich bete da« Feuer an werde dich in da«selbe werfen lassen; möge der Gott. Du anbetest. Dich retten! In dieser Darstellung ist ein Satz au«aefallen, in em Abraham seine Controverse mit dem Rufe schließt, z Gott stärker al« der Mensch ist, daher ihm allein Anna gebührt. Zwei javanesische Fabeln*) bewegen sich innerhalb » talmudifch-midraschischen Bildertreise«. Die erste erzählt Folgende«: Einem Rattenpaar wurde sehr schöne« Töchterchen geboren. Al« e« herangewachsen «r. wollten die stolzen Eltern, al« wären sie ganz moderne Menschen in unserer Nähe, eine glänzende Parttc für ihr Inizende« Töchterchen suchen. E« müßte, behauptete» sie, von tan mächtigsten Wesen der ganzen Welt heimgeführt werden. Man lenkte ihre Ausmrrksamkett auf die Sonne und sie chmrten ihr ihre wunderschöne Tochter zur Ehehälfte. O, mscylc die Sonne, mächtiger al« ich ist die Wolke, die «ich verdunkelt. Die stolzen Eltern gingen zur Wolke. Doch «uch diese wie« die Partie mit der bescheidenen Begründung prück, daß der W«nd stärker sei. Sie begaben sich also uni Winde. Ach, Nagte dieser, stärker alich ist die Wand, r« eifrigen Eltern eilten nun zur Wand. Böller Resig- Mtion sprach diese: Wohl bin ich stärker al« der Wind, doch sttikrr al« ich ist die Ratte, die mich unterwühlt und endlich p Falle dringt. Die suchenden Eltern eilten nach Hause ob verheiratheten ihr Töchtcrlein mit einem schmucken Ratteningling, der sich in da«selbe verliebt hatte und, wa« unter w modernen glatzköpfigen jungen Männern selten vorkommt, chic jede Mitgift z«n Weibe nahm. Die andere berichtet von einem Steinhauer, der mit smiem Loose unzufrieden war und dem ein Berggeist jeden atgesprochenen Wunsch sofort erfüllte. Er wünschte, ein mcher Mann zu sein — denn auch in Japan wird Gold od Geld dem Geiste und der Weisheit vorgezogen — und o ward e«. dann ein Fürst mit einem goldenen Schirm, der wi den Strahlen der Sonne schützt und er wurde zum 8»n'tni erhoben, wie bei un« in den Ritterstand. Da sprach 8 nnmal: Die Sonne ist mächtiger al« ich; ich möchte fc sonne sein — und siehe da! er wurde in die Sonne ^wandelt. Da kam die Wolke und verhüllte ihn. worüber jt gar zornig wurde und auSrief: Ich möchte die Wolke jfi». Abermal« wurde sein Wunsch gewährt und al« verfilme Wolke legte er sich zwischen sonne und Erde. Die S»lge davon war, daß der Regen wochenlang niederstrümte we Ströme schwollen, alle Dämme brachen, die Wogen alle« « sich fortrissen, nur der Fel« blieb ruhig stehen und der verheerenden Fluthen. Empört rief der zur «lle gewordene Steinhaurr au«: Niemand darf mächtiger Mt ich sein und deshalb möchte ich ein Fel« werden! Er e«; stolz erhob er sich, wenn die Sonne glühte und fcm der Regen herabströmte. Doch eine« Tage« hörte er 61 merkwürdige« Geräusch zu seinen Füßen und al« er *ch der Ursache forschte, sah er einen Steinhauer, der chtwe Keile in sein Gestein eintrieb und große Klüfte davon Este. Böller Entrüstung schrie er: So ein kleine« «ascheukind ist mächtiger al« ich, der starke Fel«? Ich will 8» Lteinbauer sein — und er ward, wa« er immer war. t» Steinhauer, der im Schweiße seine« Angesichte« arbeitete, ^sieden mit seinem mühseligen Berufe. , Da» ist der Talmud in Japan! De» Eommentar Au mögm die gelchrten Talmudisten Rohling, Justu« und dudrmeister schreiben, Dr. Ad. Jellinrk. klärchen und Lagen von D. Braun». Hi« ««er LßckPtr«-Wetr«ß ist in Amerika dem „Athenarum" zufolge an Tageslicht gebracht worden. E« scheint, daß der verstorbene Manuscriptenfälscher einem Ge» lehrten in Philadelphia für eine beträchtliche Summe ein „Buch der Zahlen (?)" verkaufte, welche«, wie sich hrrauSgestellk hat, au« Shnagogen-Thora'« verschiedenen Alter« und Stile« zusammengestückelt worden ist. Begleitet war da« Buch von einem die Echtheit dr«selben verbürgenden Briefe von Pros. Tischendorf. Al« Shapira'« letzter Betrug entdeckt wordeil, begann der Käufer für seinen eigenen Schatz, der in der Bibliothek von Philadelphia hinterlegt worden, zu zittern; und seine Befürchtungen wurden bald bestätigt. Der Tischendorfiche Brief wurde photographirt und nach Deutschland gesandt, wo ihn die Freunde de« Schreiber« al« authentisch bezeichneten; allein Professor Delitzsch lieferte hinreichend Beweise dafür, daß der Brief mit Bezugnahme auf ein ganz andere« Manuskript geschrieben worden war. Hierauf ward da« „Buch der Zahlen" einer Prüfung seiten» competcnter Autoritäten unterzogen mit dem Ergrbniß, daß besten ver» hältnißmäßige Werthlosigkeit dargethan wurde. Au« Korod« wird dem „Hameliz" über eine seit 40 Jahren bestehende Talmud-Thora-Schule berichtet, deren Lchrplan wir der Aufmerksamkeit der jüdischen Lehrer empfehlen. Etwa 300 Schüler, Kinder armer Eltern, sind in 9 Klaffen getheilt. In den ö Unterklassen wird gelehrt: Die Gebete de« ganzen Jahre« mit Erklärung derselben. Die ö Bücher Mosi«, erste Propheten, die Borschriften über bie_ Segen« - spräche beim Genuß, und Tehill'm, wovon ein großer Theil auswendig gelernt wird. Die 6. Klaffe hat einen Wiederholung-cursu«. Dabei werden die Borschristen über Gebet und Tephillin gelehrt und mit Talmud angefangen. (Daneben wird auch hebräisch und russisch Lesen und Schreiben. Rechnen u. s. w. unterrichtet). So geht e« stufeniveise fort, bi» in der neunten Klaffe wöchentlich 2 Blatt Talmud mit Commentaren und Drcisoren gelesen werden. Bon hier au» treten Biele in Geschäfte oder bei Handwerksmeistern ein und Andere gehen zur Jeschiba über. E« ist da» Alter von v—14 Jahren für die Schule angenommen! Ein Ehassid im- Rabbi, RebbeArelePerlow ist—bankerott. Man behauptet mit einer Schuldenlast von 40,000 Rubeln. Alle« in Stadt und Umgegend (Koidinow im Bez. Minsk) war nämlich gewohnt, alle« Geld, da« man nicht sofort brauchte, dem Rebbe zu borgen — der e« — verlebte. Wechsel gab der Herr nicht, sondern hebräisch geschriebene Quittungen, aus welcher der Namen de« Darleiher« nicht genannt, und seine Frau oder einer seiner Söhne al« Schuldner unterschrieb. Ja eine Wittivr (und vielleicht ebenso viele Andere) hielt auch eine solche Quittung über ihre 180 Rubel für überflüssig. Der Zaddik reist herum holt Geld von seinen Gläubigen, aber seinen Gläubigern giebt er nicht« davon — denn er ist ihnen Nicht« schuldig! Au« hören wir, daß wegen der Rückweisuna der jüdischen Einwanderer bei dem Gouverneur Cleveland Klage geführt und dabei betont worden ist, daß Herr Richter Stoeckler für jeden Emigranten V00 Dollar Caution angeboren hat. daß sie den öffentlichen Kaffen nicht zur Last fallen würden. — Die Reformprediger, DDr. Köhler und Hübsch, predigen in den orthodoxen Synagogen der Russen und Polen, um zu beivirken, daß die Ehen nicht so leicht geschieden, die Kinder zu Handwerkern in die Lehre gegeben und ordentlich Unterncht genießen. Da» ist ein gesunder Gedanke. E« ist ein Labsal, einmal etwa« Erfreuliche« von drüben zu höre«! _

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