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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 36 (1884) · p. Seite 143

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
36 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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— 148 — Die Freude der Eitern ui schildern, den Jubel der Vutter. die statt de« einen Linde« auf einmal zwei gefunden, kt Ucberraschung der Gäste, die verblüffende Miene de« Patriarchen Jacob, dem bei dieser Erkennung»scene sein Llagel,ed „wo ist Joseph mein Sühn?" in der Kehle stecken Sblieben ist. — alle« da« zu schildern, würde weit au« dem ahmen hi»au«gehen. den ich mir für meine Erzählung gesetzt habe. In seinem Freudenräusche fiel Red Leiser heute ganz au« der Rolle, er war milde und voll Versöhnung, jebrr Zoll ein liebevoller Bater, er lud nur so alle ZäAlich- Kit. die in den vielen Jahren in seinem Herzen sich angehäuft, in grohrn Quantitäten au«, er fügte und herzte seinen Sohn, liebkoste seine Frau und seine Schwiegertochter schloß er »onnetrunken in seine Arme und bethniene wiederholt, so ein Frauchen müsse man wahrlich nur in die weite Welt suchen «ehcn. „Arnold", sagte diese ihrem Manne, al« ihr Onkel und zugleich Schwiegervater so schön that. ..Du hast mich ja getauscht, wenn Du mir gesagt, daß unser Bater unter einer barschen und lieblosen Sprache sein gute« Kerz immer zu verbergen sucht, er ist ja ganz so gut und liebevoll in seiner Ausdruck-weise. wie in seinem Heizen!" ..Mein Bater. füge Esterka", erwiderte dieser freudesttahlend, ..mein Bater ist wie immer auch jetzt Worismann geblieben — er hat sich demaSkirt!" Der Marschalek aber, der diesem freudigen Ereignisse zu Liebe in aller Eile ein halbe« Dutzend Weinbouteillen geleert, »adelte mit seinen unsicheren Beinchen zum Bücherschränke, holte von dort die .Geschichte Ester«" »nd diese vor sich ausgrschlage», sang er mit seinem schnarrenden, wirbelnden Etimmchen: .Wa» zu wissen Ihr begehn. Sieht ja hier geschrieben: Ester Hai den Da man zerstdrt. Der Mordchai Isi geblieben!" Natio»alwohlfta«d «»d Judenhaß. Dir Eoinridenz derantisemitischen Bewegung in Deutschland «,t der Umkehr auf wirthschaftlichem Gebiete ist zwar nicht« »eiiigrr denn al« eine zufällige Erscheinung anzuseben, und dir judenfrindliche Agitation hat sich ebensosehr auf die Bestrebungen für die wirthschaftlichr Regeneration Deutschland«, »ie diese auf die Argumente der Antisemiten zu stützen gesucht; da« rcchiserligt aber selbstverständlich durchaus nicht dir Anlahmc. daß da« Streben nach dem wirthschastlichen Gedeihen Deutschland« sich wirtlich mit Judenhaß vertrage. Im Eegrntheil hat die Geschichte ja die eklatantesten Beweise basür geliefert, daß religiöse Intoleranz im Allgemeinen und Judenhaß im Besonderen geeignet sind, die wirthschaftliche Wohlfahrt der Länder zu untergraben. Eine sehr brachten«, werihe Aeußerung in diesem Sinne findet sich in den vor nicht eben langer Zeit erschienenen „Element« d'Aoonomie politiqne" per Emile deLeveleye, profe««ear d'ioonomie i l’univereitd de Li&ge, membre oorreepondent d« l’inetitat, wo r«, nachdem die günstige Einwirkung der jüdischen Religion auf die wirthschaftliche Entwicklung ihrer Bekenner nachgrwiesen worden, also heißt: .Wenn manche religiösen Lehren den wirthschaftlicdcn Fortschritt ausdrücklich gefördert haben, so haben andererseit« manche religiöse Irrlehren große« Unglück hervorgerufrn. So kann man von brr Intoleranz, dieser Abweichung von wahrhaft religiösem Empfinden, behaupten, daß sie mehr al« ein verbrechen. daß fie rin Fehler gewesen ist (nur .gewesen"?), ein orimen laeeee homaniUtia und nn großer ökonomischer Fehler kie hat au« Spanien die Mauren verjagt, welche den Ackerbau bi« zur Bollendung förderten, und die Juden, welche den Handel betrieben nnb für die Bedürfnisse de« Errdit« Sorge trugen. — Holland war e« wohin die religiöse Freiheit, me Proscribirten au« den anderen Ländern und die Opfer all' brr Intoleranz zog, und damit zu dem Gedeihen de« Lande« in bedeutendem Maßstobe beitrug." Wa« hier Lavelrhe sagt, ist ja längst bekannt, aber e« thut wohl, die Aeußerungen diese« Professor« der Nationalökonomie in Lüttich zu regi» sttirrn, in einer Zeit, wo in Deutschland ein Lehrer der Nationalökonomie, Ad. Wagner, an der Spitze der antisemftischen Bewegung steht, der Docent de« gleichen Fache«, Walcker in Leipzig, ein Eompendinm der Nationalökonomie herau«aegeben hat^ in dem selbst da» antisemitische Gewäsch alter Weiber seinen Platz gefunden. Was aber Laveleye'« Anstrengungen besonderbemerken-werth macht, ist, daß sie au« einem Lande zu un« dringen, in dein der AntisemitiSmu« erfreulicher Weise keine^Rvlle spielt, so daß Laveleye'« Behauptungen nicht etwa lediglich al« eine philoseinitische Demonstration zu betrachten sind. Wa» Laveleye sagt, ist vielmehr die unverfälschte Sprache der historischen Thatsache. Wiener. Allerlei für den Fnmilienlisch. Et» ftkfftrttfc* Wich von Leopold Z««f. Zunz ging einmal gedankenvoll spazieren, al« er von einem ihm rntgegenkominende» Passanten mit dem Gmße .Guten Morgen, Herr Auerbach!" zum Stehen gebracht wurde. (Der Manu verwechselte Zuuz mit dessen Alter«, genossen Baruch Auerbach, Direktor des jüdischen Waisenhause«, welcher in jener Gegend ebenfalls zu promeniren pflegte. Rasch gefaßt und freundlich lächelnd, erwiderte Zunz: .Guten Morgen!, mein Herr, aber Sie irren sich von A. bi« Z." Sprach« und ging weiter. Beitrag |«m praktischer» Kuderrthum. Temme erzählt in seinen Erinnerungen, wie er von der Behörde au» dem Justizdienst entlassen sei und sich dann in Breslau niedergrlafien habe. Die von ihm übernommene Redaction der .Oderzeitung" legte er bald nieder. „Wovon jetzt leben mit einer zahlreichen Familie?" rief er au». Er wurde al« Demokrat gemieden. »Und doch wurde mir Hülfe", sagt er' weiter. „Bon den Juden in Breslau. Sie allein hatten Muth. Der Buchhändler Boo« bat mich um eine Schrift über da« neue Strafgesetzbuch. Ich schrieb für ihn meine Glossen zum Strafgesetzbuch für die preußischen Staaten. Gleichzeitig erhielt ich eine ergiebige Praxi» al» Rechtskonsulent, aber fast nur bei Juden. Unter 10 Personen, die meinen juristischen Rath in Anspruch nahmen, war kaum 1 Ehrist. und er kam womöglich bei Nacht und Nebel zu mir. Meine Subsistenz war durch diese RcchtSkvnsulentenschast gesichert und wäre eine nimmer erträglichere gewesen, wenn ich länger in Bre«lau hätte verbleiben können. Sie war aber auch eine völlig ehrenhafte. Ich wüßte mich nicht zu erinnern, daß rin einziger Jude meinen Beistand für eine ungerechte Sache verlangt hätte." _ Hi«ftisch Ein nach Lu » man Lemlctschi in die Ferien heimkehrender Gymnasiast au» Feodosia, der in die 8. Llasse gestiegen war — der Sohn eine« jüdischen Schneider» — ist an der Bahnlinie schwer verwundet aufgefunden worden. Man vermuthet, daß nichtversetzte Mitschüler ihn von der Plattform de« Waggon« hinabgestürzt haben. Jlu de« „9«4 der Sitte» '. 15. A«ßich«»dert. Uebersetz» von Cmil Lehmann in Dresden. (Schlug.) Die «oltrssurchl gleicht einer Perlenschnur: Di« Perlen sind der Menschen lugenden — Sie gehn verloren, reiht der »noten nur. »in Loch, und sei e« noch so klein, Entzieht dem gab den besten Wem; So kann «in Fehler schon allein Dem Menschen wcrlh verderblich sein. Nicht hebt die eigne Trefflichkeit, «er Andre stet» der vkSngtl zech«.

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