Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 36 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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war die« stet« in Gelegenheit mit Andern, wo sie kein vertrauliche« Won zu wechseln vermochten, wie schr sie dennoch diese günstigen Zufälle segneten und ersehnten, so konnten sie solche doch nicht mehren und fördern. Sie nicht, au« mädchenhafter Scheu und er nicht,' da sein religiöser Stand chm Hemmniß anlegtr. Dennoch wagte er e» eine» Tage«. Er hatte erfahren, daß seine junge Nachbarin an jedem Donnerstag eine milde Gabe. «lieg Korb Leben-mittel auf den Sabbath. einer armen Wittwe dringe. Die« beschloß er sich zu Nutze zu machen: Al« er am nächsten Donnrrstag von seinem Fenster au« da« wohlthätigc Mädchen mit ihrem Korb am Arme um die Ecke ihre« Hause« biegen sah. faßte er ein Herz, nahm flug» seinen Hur und eilte durch den Gatten, den viel kürzere» Weg über die Felder der Wohnung jener Wittwe zu. Er trat bei derselben unter dem Bonvande ein, er wolle ihr einige Bücher abkaufen, die sie. wie er gehört, besitze. Dir Frau war gern zu diese», Geschäfte bereit, und während sie auf den Boden ging, die Bücher zu holen, kam Sarah und stand überrascht den, Freunde gegenüber. Sie waren allein! — der so lang ersehnte. selige Moment war nur kurz und flüchtig, aber er reichte hin. ihnen die Seele mit Muth und Trost zu stählen. Sie erneuerten ihre gegenseitigen Gelöbnisie der Liebe und Treue, und der Glaube an eine glückliche Zukunft, der in ihren festen. n,mmer wankenden Herzen wurzelte, knosptte und blühte in erfttschtrr Krast. .Ich wattr auf Dichsprach da« Mädchen innig. Liebevoll läthelud fügte sie hinzu: .Und sollte ich auch, wie der Bater mir prophezeiht, darüber graue Zöpfe bekommen-. Der junge Mann blickte, wie berauscht, auf die weichen, glänzenden, üppigen flechten, dir sich gleichsam kosend um ihr Haupt legten. Während seine Hand leise unter Herzklopfen die lockigen Endchen dieser schönen Haare berührte, sagte er sttahlrnden Blicke«: .Ich leb« der frohen Zuversicht, der gute Gott wirb un«, ehe wir e« un« versehe», zum heißersehnten Ziele führen I- <F»nse»u»g,»>,«.) Jüdische Silhouette« an# Galizie«. Bau Nathan Samuely. iiu*»n« XII. — Hket Geifer, der £««««. lSchluh.) .Der Herr Bezirköhauptmann und seine Frau!- flüstetten sie vernehmlich einander zu und lüfteten zugleich ehrrrbittig ihre Streimel. „Da« ist aber eine Ueberraschung! Da» nenne ich aber Freunde!" konnte auch Red Leiser, nachdem er sie einen Augenblick aufmerksam betrachtete, den Ruf nicht unterdrücken, indem er ebenfalls sein „Streimelherunternahm. „Freunde, Sie haben« errathen!" begann die weibliche Ma«ke mit lieblicher, von Musik klingender, wenn auch avstchtlich veränderter Stimme, nachdem sie eine zierliche anmuth«- volle Verbeugung vor Red Leiser und seiner Frau machte, „und ein Freundschaft«besuch ist e« auch", fuhr sie sott „tai wir Ihnen jetzt abstatten, ein Gratulationsbesuch. denn au« Ihrem Munde haben wir e» ja heute vernommen, daß Ihr Sohn sich verehelicht hat". „DiHer Besuch ist für mich doppelt ehrenhaft", erwiderte Reb Leiser immer angenehmer überrascht, .nachdem ich sicher zu wissen glaube, welche Herrschafteii ich vor mir habe — darf ich e» auSsprechen?" „MaSkengeheimniß!" ermahnte die männliche Ma«ke mtt sonorer, ebenfall« absichtlich veränderter Stimme. „Wenn Sie e« wisien, behalten Sie e« für sich selber!" „Aber jedenfalls", wendete Reb Leiser ein, „giebt mir diese« Wisien ein Anrecht darauf, meine verehttichen Gäste zu bitten, näher zu treten und meinem Tisch« die Ehre anzuthun". Die männliche Marke folgte der Einladung, die weil ittioch löste sich von dem Arme de« Manne« lo« und dem Anuutth einer Gazelle machte sie eine Schwenkung recht« und stand vor dem klein.m besonderen Tischchen. „So viel Geld!" sagte sie. „für wen haben Sie den, viel Geld au»gezählt °?" „Für die Armen", erwiderte Reb Leiser. „Und diese« für die Reichen", lachte sie lieblich. »| sie zugleich mit ihren schlanken Liliensingern die Photogw von dem silbernen Ausivättrr herunternahm. „Für die Glücklichen", corttgirte die männliche Ma nachdem sie ebenfalls die Photographien in Augen,' genommen hatte, „für die glücklichen Eltern. Da« scheu die Photographien ihrer Neuvermählten Kinder. Müs» aber die Ihnen lieb sein, wenn Sie sie so auf einem sil Aufwätter prangen lassen". '.Mein Sohn weniger", verfiel Reb Leiser wieder » seine» alten Ton. „der ist" — e» lag ihm auf der Zunge - „ein Scheigez. ein Hultai", doch erinnette er sich bald, zu nxJ er spreche und er begnügte sich hinzuzufügen: „von ihm will ch nicht wissen!" „Wie weit Sie von. ihm nicht wissen wollen, da« sich doch jeder bald", lachte die liebliche Frauengrstalt mit ihm! holden Stimme, die wie ein Silberglöckchen tönte. so halten sich ja auch immer Eltern ihre Kinder vor Hugti. von denen sic nicht wisien wollen, ganz so!" „Ich kann wahrlich nicht« dafür", fiel Reb Leiser heiine, Tone« ein. „wenn die Gnädige selber durch die liebliche S#| »c« Sprechen« ihr Ma-kengeheimniß verräth. Diesen it»> wurs ganz in derselbe,! herzlichen Weise, hörte ich von jt,nn|!,ar oft schon. Und ist nun einmal Ihr Geheimnis, offa>> undige Sache, so darf ich wohl bitten, daß meine verehrte» Gäste sich drma-fire»!" „Dcma»kiren — ja!" erwiderte die reizende Frauengm „doch nur zu riner Bedingung!" „Und die wäre?' „Da» auch Sie dasselbe thun. Ma-kiren ja auch wie wir alle ivisie», unter Ihrer Sprache Ihr gute- Herz da« für Ihre Kinder in Liebe überschäumt. Dema«kiren auch Sie sich und sprechen Sie e« einmal klar und deutlich att. daß Sie Ihrem Sohne lange schon verziehen. Ich wtla#|f] gleiche Rechte — Dema«kiren für DemaSkiren!" Reb Leiser schob sich vettegen da« Sammettäppche» auf dem Kopfe. „Dieser Preis scheint Ihnen zu gering für so ei» grvtzct Opfer", lachte die liebliche Marke. „Doch ist da» ja nicht Alle«. Dema»kitt werden wir Ihnen ein Geheimnis ossenbaren. über da» Sie gar große Augen machen werden". Reb Leiser» Neugierde war auf da« Höchste gespannt und dann sah er e« auch sehr gerne, daß rin solcher Zwang auf ihn au«geübt wurde. „Meinetwegen!" sagte er nachgebend, „so will ich«» morgen selber mcincm «ohne schreiben, daß ich ihm verziehen — oder, wenn'« schon sein muß. will ich ihn liedn mit seinem Weibchen zu un» einladen — da« wäre tat Beste", fügte er mit freudiger Miene hinzu. .Jetzt -der bitte ich, da« sich meine verehttichen Gäste, der Herr Brzirtthauptmann und seine Gnädige, auch dema»kiren und mir Ar Geheimniß mittheilen, über welche« ich gar große klnze» machen soll". .Ich jetzt solle» Sie un« von Angesicht zu Angel«? sehen und unser Geheimniß erfahren-, lachte die mjenta rau — und zu gleicher Zeit flogen zwei Masken in ta öhe. die zwei glürviche, freudestrahlende Gesichter, da» einet anne« und da« einer Frau entblößten. Reb Leiser riß nicht allein die Augen, sondern auch w® den Mund auf. .Mein Scheigez, mein Hultai!!!" schrie er in jäher, W> wahnsinniger Ueberraschung — und Bawr und Sohn lagen sich in den Armen.