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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 36 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
36 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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p«s. Jüdisches 1884. 3ir |iutfrMlt*n| »ad Kelthrng fir die israelitisch^ Zagead. Tie Geschichte meine. Grotzvoier». (Kvrisktzung.) — Lrzädlunft von Kann! dieuda. — Jüdische StihoueNen au. Galizien. Bon tsiillf" Raihan Eamuely. XII. Red Leiser, der tzaman. «Zchiusi. — Sialionalivohlstand und Judenhass — Allerlei siir den ltfUtt» Jamiiientisch: itin schla^seniaer Wip von Leopold .^unz. — Beilraft zum praktischen Judenthum. — Russisch — Au» dem Buche der Sitten. (Sd)lufi.) — Wu. dem Spruchschap de. Talmud. Bon Maz Weinberg — Riithselausgaben. — Mihsellilsnngen. rie Geschichte meine» Großvater». itrzühlung von »>anni -teuda. VI. lAachtzrvck vervotev.I Thx nächste Svibbatl) mar gekominen. rinr festliche Stille iMiif im Wlicito der Stadt Proßnitz. Die Gassen wäre» nniirti gekehrt und die Lanfläden geschlossen. Die Glocke »dir sich an, zehn Uhr zu schlagen, und die Sonne schaute »»blich zu. wie die sabdathlich geputzte Menge, Männer, iraue» und Linder (Mädchen waren davon anSgifchlvssen) die Schul eilten. Manche» alte Mütterchen stützte sich cbn aus ihre Tochter, manch,r Großpapa wurde vv» fciuciu »lclkind dahin gefühn. Die dort Versammelten verriethen heute eine brsoiidere egting. Erwartung. Neugier, Theilnahnie oder auch lknb drückten sich dann au» und gaben den verschiedenen "esichier» ihre mannigfache Prägung. Moi«. dem dies» Aufregung galt, bestieg, der envähnten tiitladung folgend, die Stanzel. Leise, etivaö befangen, begann er seine Rede; doch bald Imnuicfclte sich seine Stimme zu einer hinreißenden Straft, Intlodtö», und klangvoll den Raum beherrschend. Mit be- I»gicn. lser^ergretfende» Worten begrüßte er seine Zuhörer, Iskzitttc er diese Stätte, wo ihn al« Stind die ersten Gefühle Itn Andacht durchzöge», wo er da« Gotteswort zum erste» IValc gehört. wo ihn die Begeisterung für den heiligen Beruf. Ik» er sein Leben weiden wolle, crfaiit hatte. Darauf ging I® zu Erötterungen biblischer und talmudifcher Frage» und [krra Lösungen über. Wie ein geschickter Führer den Touristen in felsige, un- Izigänglich scheinende Gegenden leitet, um dort seinen Übersichten Blicken wundervolle Schönheiten zu ofsenbaren; mit h» durch Waldesnacht wandelt, um ihn plötzlich mit einem vchnit um die Biegung de» Weges eiue im Sonnenglanze Mhlende Welt vor die Augen zu stellen, so veniefte sich «t Redner in da» Dunkel schwieriger Sätze, um dann mit Male Helle» Licht darüber auszugießei» und dem Zu» Mn Wahrheiten voll Adel, voll ungeahnter Schünheuen |i* jngcn. Aach dem Gottesdienste wurde der junge Redner vom «tllande. Löb Löio ausgenommen, und von allen anwefenden düchnen mit ihren Schülern. Jünglingen und Stnaben, nach MUd begleitet; wa» einen ganzen Triumpfzug bildete. Bor «w» Hau» vorüberkommend, sah der also Gefeierte sie, an ® n auch in diesem Augenblick dachte, halb verborgen hinter Hausthür mit freundlich leuchtenden Blicken herauslugen. Während der Tischzeit sandten Freunde und Bckannte, y der damaligen Gepflogenheit, .zu Ehren des Gaste«" ^kin, Torten und andere Leckereien in solchem Maaße, daß ®>>rjam kaum wußte, wohin mit all' den Geschenken. Nachstand die Thür nicht füll, so viele Leute kamen, ihre ^eilsahme zu bezeugen; die Vornehmsten wie die Geringen Om» strömten herbei. Die glücklichen Eltern kredenzten den Besucher» da» Beste im Hause und waren unermüdlich im Röthigen zum Essen und Trinke». Daneben aber im Nachbarhause standen an de» Fenstern Sarah und ihre Eltern und sahen alle die Leute kommen und gehen und hörten das Lob. welche» dieselbe» über den .Prager* — so nämlich war von nun a» der Heiingekchrte wegen seine« lang,» Studium» in Prag benannt — begeistert aussprachen. Al» die Tochter da« Zimmer verließ, wahrscheinlich um mit ihrem bewegten Herze» allein zu sei», wendete sich Riwka, ihre Mutter, zu Lüw mit de» Worten: .Siehst Du. Löb, da» Mädel, hundert Jahr soll sie leben, hat eine» besseren Guck gehabt, al» mir." .Wa» willst Du damit sage»?" fragte der Gatte. ..Wa« ich damit sagen will? daß Sarah schon lange gewußt hat. wa» der da daneben für ein selt>amer Mensch >>t. Und wa» haben wir ihr deswegen nicht für Leid ait« getha»!"" Der Mann brummte etwa» vor sich hin und ging mit langen, Aufregung verratl-enden Schritten im Zimmer auf und ab. Endlich ivarf er hochmüth>g den Stopf zurück und sprach in nachdrücklichem, abiveisendem Tone: .E» giebt noch genug geschickte Menschen in der Welt, wenn ich gerade einen folchen haben wollte! Nein, Abraham. der Hausirer, ist kein Schwiegervater für die Tochter Löb Löio», de» Hoflieferanten! Dabei bleibt es!" VH. Akte Aräuche. Dies stolze Wort erfuhr fSarah bald. Wohl konnte e« die frohen Hoffnungen knicken, die Mai» Tüchtigkeit, sein guter Name, und die Ehren, die ihm die Besten und Vornehmsten seiner Vaterstadt gewährten, rechtfertigten; aber eS erschütterte keinen Augenblick ihren Entschluß, treu zu halten, »oaS sie ihm angelobt. Auch sie hatte ihr .Dabei bleibt eS". Und sie war int Beharre» und im festen Willen ihre« BvtcrS echte Tochter. Seit Mais Heimkehr mußte sie auf Lüw» Befehl den Umgang mit Rachel abbrechrn. Auch untersagte er ihr strengsten«, in ihren Garten zu gehen, da jenseit de» Zaune« der gefährliche Nachbar hauste. Sie gehorchte in diesen und in allen andern Stücken, die Löw ersann, um sie fern von ihrem Erwählten zu halten. Allein, als er ihr von einem jungen, vornehmen Manne sprach, der um sie werbe, und zu ihr auf die .Beschau" kommen werde, erwiderte sie bestimmt und fest: »Ich bitte, Vater:, bemüht Euch nicht. Ich will ihn nicht sehen, und wie er auch ist, ich nehme ihn doch nicht". Ihr Blick und ihr Ton dabei imponirte ihm fast, und ivenn auch sein Plan nicht dadurch wankend wurde, so gewann sie doch, daß er ihn verschob. „Ich will warten", dachte er, .kommt Zeit, kommt Rath". Wand an Wand bei einander wohnend, war e« Moi« und Sarah doch, wie meilenweit von einander abgeschlossen. Rur selten führte sie ein glücklicher Zufall zusammen; dabei

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