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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 35 (1884) · p. Seite 138

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
35 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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— 138 — Srinigen dazu gedrängt, laut da» kostbare Dokument vor, r» ihnen zugleich, da r» in hebräischer Sprache war, in'» Deutsche übersetzend. Nach dem Lorlesen legte Mirjam die Hattora mit andächtigen Gefühlen zu ihrer goldenen Sette und ihrem FeierlagS-Ohrgrhänge in ein Kästchen, da» sie in der eichenen Truhe sorgsam verwahrt hielt. Der Zurückgrkrhrte bewohnte nun wieder seine liebe Gtub« oben. Mutter und Schwester lmttrn sie festlich geschmückt; ihm selber war e» festlich zu Muthe. Um wie viel kleiner, niedriger, beengter al» die» einst seinen Kinderblicken geschienen, fand er jetzt die Stube, da« ganze Häuschen hier, doch that e» ihm keinen Eintrag; unsäglich wohl fühlte er sich darin. »Sei mir gesegnet traute« Heim!" sprach er gerührt. »Welche Stätte in der weiten Welt ist so hcrrlitb, daß sie dich auf die Länge der Zeit un» ersetzen könnte! Wohl dem. der wie ich, an der Schwelle der Heimatb von der alten Treue und L»ebe empfangen wird!" Boa diesem Gedanken bewegt, ging er in seinem Zimmerchen umher, die» und da» im srohen Wiedersehen beschauend. Am Tische blieb er stehen. Auf dem rvthen, eigen» für ihn neua »geschafften Tischteppiche prangte rin riesiger Blumenstrauß; die Schwester hatte ihm .lächelnd verrathe», daß Sarah die Blumen habe pflücken helfen. ,Wa» wird da» Loo» unserer Liebe fein?" fragte er sich. Er dachte an die hämischen, barten Worte, die ihm einst ihr Bater zugeschleudert. und düster senkte sich sein Blick. Bier Jahre waren darüber hingegangen, eine Zeit der unermüdliehen Arbeit waren sie für ihn. de» redlichen, unausgesetzten Streben» nach seinem idealen Lebrn«zirle. ein stete» »Vorwärts". In diesem Bewußtsein erhob er sein Haupt und muthig sagte er sich: »Wir wollen sehen'. Am andern Tage, er war eben beschäftigt, seine Bücher im Kasten zu ordnen, da klopfte e» an die Zimmerthür. Herein trat ein alter, anständig gekleideter Mann. »Soholem alachem" (»Friede sei mit Euch") sprach er sich verneigend. E» wgr die» der übliche Gruß an einen Neuangekommenen. ,8otiol«na," erwiderte der Angeredete, dem Greise die Hand reichend und ihm einen Sitz anbietend. Darauf sprach dieser feierlich: »Ich überbringe Euch eine Ehrenbotschaft. Der ehrsame Borstand unserer Gemeinde, deren Bediensteter ich bin. läßt Euch durch mich seinen Gruß vermelden und hiermit die Einladug an Euch ergehen, Ihr möchtet an dem nächsten Sabbathe in unserer Synagoge eine Kanzrlrede halten. Die» war in der That eine Ehrenbotschaft. Eine solche Einladung war eine Auszeichnung und Anerkennung, die nur sehr würdigen und sehr gelehtten jungen Leuten bei ihrer Heimkunft erlheilt zu werden pflegte. Natürlich sagte Moi» bereitwillig zu. _ (Fortsegung folgt.) Jüdische Silhouette« an» Salizie». von Rathan Samuely. »mnt-tt. XII. — 'gut «Leiser, der Al«»». (Fortsetzung.) Kaum daß einen Augenblick die Musik verhallte, da kollerten lustig zwei Ma»ken in'« Zimmer, da» Gesicht statt einer Larve mit Ruß und die Glieder mit bunten Lappen bedeckt, und wie ein Leierkasten näselten sie ihr eingrlernte» Purimspielchen herunter: »Hört nur au«, meine lieben Leut', Lustiger Purim ist ja heut. Heut ist Purim, morgen ist au», Gebt mir einen Kreuzer und werft mich hinaus!" »Na", sagte der heute über alle Maßen gut gelaunte Reb Leiser, indem et ihnen ein Silberstück hinlangte, »na da habt Ihr solche zwanzig underspart mir dafür da« HinauSwerfen!" In seiner heiteren Stinimung ließ Reb Leiser heute seiner Zunge den freiesten Lauf und keiner kam in« Zimmer, der nicht von dem Pfeffer derselben etwa« zu koste» hätte. Einem Vetteljungen, der bei der Thür mit seinem groß« Bettelsack stand. in welchem er die zusammengebetielte, Barchesstücke rinsammelte, langt» Reb Leiser einen ganz«, Barche« hin mit den Worten: »Na. da hast Du cinn Ganzen, girb mir au» Deinem Sacke kleine« Rest". . Roch lachte alle« über den so sonderbaren Einsall Kd Leiser« und flug», da kugelte ein halbellrnlangr» Marsche, in da« Zimmer, da« nichtsdestoweniger mit dem Kops die Zimmerdecke berührte, weil r» aus demselben eine baumhohe, buntbemalte Papiermütze trug. »Komme ich herein zu springen", fing da» Maskche, sein Spiel zu zwitschern an. »Wer heißt Dich springen. Du kleiner Milchbari!' unterbrach ihn Reb Leiser, der heute einmal auf Alles etio« | einzuivcnden hatte. »Mit meinen Füßchen blo«", setzte ungeachtet dessen da» kleine MaSkchen fort. »Du Lügenmaul. Du hast ja Stiefel an", unterbrach e» abermal« Reb Leiser. »Ich habe nicht womit zu klingen", zwitscherte unterdrffen der kleine Spieler tveitcr. »Wieder eine Lüge!" lachte Reb Leiser. »Du hast ja die Tasche voll klingender Münze". »Der Dalle« ist zu groß", schloß der kleine Spieler. ,O. wenn Drin Dalle« nur da« ganze Jahr so groß wie heute wäre!" wendete Reb Leiser ein. Da« ma»kirte Bürschchen suchte au« dem Zimmer zu schlüpfen. »Halt!" lief ihm Reb Leiser nach und fing e» in seine» Armen auf. »und für Dein Spiel willst Du denn gar kei» Geld, womit Du zu klingen haben sollst?" »Ich habe ja kein Recht dazu", erwidette der Kleine Pfiffig- »Und tvarum da»?" »Weil Sie ja da» Spiel gerade so wie ich gemach« und ich kann nur froh und glücklich sein, daß Sie für dasselbe nicht noch von mir Geld verlangen!" Die ganze Tischgesellschaft belohnte die kluge Antwon de» Kinde« mit einem lauten Beifall»gelächter und Reb Leiser mit einer Hand voll Silberstücken. Dieser laute Beifall rrmuthigte den Lustigmachrr. der sich oft in seinen Schwänken herausnehmrn durfte, anzüglich zu sein, ebenfalls etwa» Bissige» zum Besten zu geben. »Reb Leiser", sagte er. »geben Sie mir nne Flasche Wein und eine Hamantasche!" *) Reb Leiser reichte ihm solche vom Tische hin- Da fing der Lustigmaiher mit scharfem, schneidigen Sümmchen zu singen an: »Wohl versteh' ich dies« Flasche .Doch nicht solche Hamaniasche!" Und dabei deutete er auf die mit Banknoten reichgespickte Brusttasche Reb Leiser« mit den Worten: »Ist den» da» nicht eine« Ham an-Tasche?" Dieser scharfe, rohe Witz zeigte Verstimmung auf den Gesichtern der Tischgäste, wa» dem Lustigmacher nicht entging und er suchte den Fehler wieder gut zu machen, indem er sich in Positur stäte und mit verändertem, freundlichem Stimmchen zu singen anfing . . . »Wo lst denn hier ein Weiser »Der sagt — wa» lst 9itb Leiser?" Wie auf Antwort wanend machte er eine kleine Pause und fuhr dann weiter foN: .idaman-Mordchai im verein .Ist er ohne Scherz »Haman ist die Zunge sein, .Mordchai ist sein Herz!" - »Da». Halunke, hast Du wahr gesprochen" stimmte me« Leiser zu und reichte ihm zwei Gulden hin. »Den »Halunke" gab mir der Haman, die zwei Gulden der Mordchai" sagte der Maschalck und sttich schmunzelnd die zwei Gulden ein. ") .Hamaniasche" «Kd der sogenannte Purimkrapsrn genannt.

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