Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 34 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische SUHo«ette« a«» Galizie«. v«, Rattzan Samuely. immuMhi. XII. — Hieß «Leiser, der jtema. (A«rtfr|ung.) Die Photographie legte Red Leiser so lange nicht fort, nicht wieder ein Purim in» Land ging und ihm eine neue üographie von seinem Sohne brachte, von dem Scheigez. dem Hultai, vo» dem er nicht» wissen wollte. Einmal mutzte er freilich von ihm wissen, al» ihn I^wlich der Sohn um die väterliche Einwilligung bat, sich I,it der Tochter de« Onkel« verloben au dürfen. Da« gab I(ut kleine Verlegenheit, aber da mutzte wieder die Mutter her- Ihelle». und da enthielt der Brief, de» der Bater al« Mutter »schrieb, nicht nur die Einwilligung und eine Fülle von »kchnuiigen. sondern auch überau« reiche Geschenk: für die l0iaut, wobei jedoch am Schlüsse de« Briefe« die unvermeid- Ijjchrn Worte nicht fehlen durften: .der Bater sagt. Du seist Iw, «cheigrz. ein Hultai. er wolle von Dir nicht» wissen!" I So sehr waren ihm diese Worte zur Gewohnheit geworden, Itafc sich sogar in ihnen die Freud« bei ihm äutzrrie, über I jede frohe Nachricht, dir er von seinem Sohn erhielt. I .Der Scheigez. der Hultai", brach er einmal in einem I «ähren Jubelrufe au«, al« er an einen Purim den Brief Iftinc« Sohne» erbrach, .er thrilt un« mit. datz er sich in I klurrika mit der Tochter de« Schwager« verlobt habe, und I sich her. neben seiner liegt ja auch die Photographie seiner I kraul. Ist da« aber ein dralle« Mädel! So wa« Schöne« I ist mir noch nie vor Augen gekommen... Wa» ist da« aber I sir ein Scheigez. für ein Hultei. — Rein, ich will von ihr licht» wissen!" Ader dir Rabbiner, die Assistenten, dir Gemeinde- und khnagogrndiener der Stadt, die vielen verschiedenen Ma«ken, tat jeden Augenblick mit heiterem Lärm ferne Wohnung j stürmten, wutztrn ja von ihm, von dem Scheigez. von dem Hultai. denn wir heute streute er noch nie die rnchen Gaben »utrr ihnen au«. .Auch alle seine zahlreichen Freunde, die jütischen und die christlichen und in erster Reihe der Bezirk«- hauptman« und seine Frau,.die ihm von Herzen gut waren, uuitztcn von ihm wissen, von dem Scheigez. von dem Hultai, tann ihm zu Ehren gab Red Leiser ein fürstliche« Festmahl, au dem alle theilnehmrn mutzten. Eine noch jauchzrnderr Freude herrschte in seinem Hause au dem Purim de« darauf folgenden Jahre«, denn die Morgenpost brachte ihm die«mol nicht allein die überau« freudige Rntheilung, datz sein Sohn bereit« in den Hafen der Ehe aigelangt. .Ich hoffe, datz dieser freudige Anlotz", besagte «»er Anderem der Brief, »Dein di« auf den Grund Kund zänlichc« Baterherz mit Deinem Linde endlich au«- n wird, denn zum Guten führte ja jrdensall« meine damalige Flucht au« Deinem Hause. Ich bin hier in der neuen Welt. «>t mein Onkel eben in diesem Briefe Zeugnitz abgiebt, rin braver, tüchtiger Kaufmann geworden, und ach. wo« für ein zlücklicher Gatte. Gott war e« ja. der mich hierher geführt, ta>m,t ich hier meine Bestimmung finde. So ein Frauchen. »k ich c« bekommen, mutz man wirklich nur in der weiten 8elr suchen. Ich bitte, ich fleh« Dich an. lieber Bater. komme ■it der Mulier zu un» herüber, hier lebt e» sich gar herrlich « der neuen Welt. . . ." .Nun, wa« sagt man zu ihm!" jauchzte der über alle Ratzen glückliche Bater. dem Brzirk«hauptmann und seiner Frau gegenüber, zu welchen er. al« seinen besten Freunden, bald mit der Frruvenöbotschaft hinübergelaufen war, .er hat zar die Stinir. von mir zu verlangen, datz ich in meinen ^lten Tagen zu ihm nach Amerika hinüberkommr, al« ob e« ri« Katzensprung wäre — und ich will ja übrigen« von ihm gar nicht« mehr wissen!" »Aber wir wollen von ihm ja wissen", lachte die Frau to Brzicköhauptmann«. die eine höchst liebenswürdige Dame war. voll freudiger Theilnahme, .und dadurch soll Jhnm brr Urberfall auch nicht erspart bleiben, den ich und mein Mann in Ihr Hau« nächsten» machen werden, wo wir Ihnen alle übrig gebliebenen Purimkrapfrn zusammenessen werden. — Warten Sie nur, Sie Tyrann von einem Bater!" Wer diesen Abend während de« Purimmahlr« zu diesem .Tyrann von einem Bater" in'« Hau« getreten wäre, hätte sich erst den rechten Begriff von jüdischer Familienfreude machen können. Unzählige Lichter blitzten au» silbernen Armleuchtern, so datz hier die entferntesten Schlupfwinkclchen in Licht und Glanz schwammen. Mitten in dem grotzen Gemache stand der weitau«aeschobene Tisch, der unter der Lost der vielen leckeren Speisen und feurigen Getränke fast zu keuchen schien. Dieser »vor von den vornehmsten der Gemeinde umringt, graue Bäcker da» Haupt mit Marderstreimel *) geziert und gehüllt in sammtbebrämtc Atla«kaftanr. An der Spitze der Tafel thronte Red Leiser und seine Frau. Letztere trug ein schwere« Seidenkleid und auf dem Haupte eine mit Juwelen und Diamanten besetzte Stirnbinde. Auf einem kleinen besonderen Tischchen, da« seittvärt» zur Rechten Reb Leiser« stand, lagen in mehreren Abthrilungen Papiergulden, verschiedene Silber- und Kupfermünzen, für die Armen bestimmt und mitten unter ihnen auf einen silbernem Aufwärter die beiden Photographie» seiner Kinder. Da wollte keine Minute die Thüre geschlossen bleiben. Jede» Augenblick stürmte eine andere Gruppe mit Hellem Jauchzen in'« Zimmer. Horch, da braust e« vor der Thüre und schon rückten sie mit lautem Gepolter heran, die jüdischen Musikanten, die mit ihrem Marschaleck**) an der Spitze hergekommen sind, bei Reb Leiser Tafelmusik zu machen. .Hurrah!" lieh sich der Lustigmacher, da» possierlich« Männlein mit dem schirfaufgrsetzten Käppchen und dem vorgeschobenen rechten Fützchen schon-bei der Thüre mit seinem vibrirrnden, wirbelnden Stimmchen vernehmen. .Hurrah! Ein schöne«, feine« Stückchen aufaespielt unserem seinen edlen Reb Leiser — Hurrah!" Und schon brauste die Baßgeige, jubelte die Bioline, jauchzte die Flöte, klirrte die Zimbel und e« sang und klang. datz nur so die hellen Töne in den lichwollen Räumen herumschwirrtrn. ' (Fortsetzung folgt). Allerlei für de« Familientisch. $t*m«rk und die Jude«. Der durch seine Eriminalromane al» hervorragender Jurist berühmte Trmme erzählt in seinen .Erinnerungen" unter .Stendal 1836—1838": .In der Altmack, drei Meilen von Stendal entfernt, liegt da« Städtchen Bi«mark. E« ist ein sehr kleine« Landstädlchen. arm dabei und in der Altmack besonder« dadurch bckannt, datz viele (?Red.) Juden darin wohnen. Meine Amt«gesckäste führten mich ost dahin, aber, wie ich zur Steuer der Wahrheit hier bemerke» mutz, gegen einen Bi«markrr Juden hatte ich. soviel ich mich erinnere, nicmal« eine Untersuchung zu führen." In seinen, von der „Deutschen Rundschau" im August- Heft veröffentlichten, Schilderungen Kreta'« sagt Freiherr von Ma ltzahn u. a.: „Dir wenigen Juden spielen hier eine gar bescheidene Rolle; wir sehen sie al» Blechschmiede und batten bei Einkäufen wiederholt Gelegenheit, ihre Rechtschaffenheit zu erproben". Mednl de» Kttza-Ktzlnrer Vrozeh wird demnächst ein ausführliche« Weck erschelnen. welche« Karl Eötvö» zum Verfasser hat. Da« Manuskript befindet sich grgenlväckig in Uebersetzerhänden, da da» Werk gleichzeitig in ungarischer, deutscher und französischer Sprache, und zwar in Budapest, Wien und Pari« ^scheinen wird. Einen sehr merkwürdigen Gebrauch der Juden in Hamburg, berichtet vr. P l o tz in seinem sehr verdienstvollen Buche .Da« Kind in Brauch und Sitte der Bölter", dem wir viele «svnetmel wird die Lobdachmütze genannt. **) LusNgmachrr.