Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 31 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 123 — I .öo*ü“ stieß rt hervor, die -lagen weit aufreißend. Ida» >^t ja eine Bestätigung von der Spnrfaffr über den Kmpjiing von fünfhundert Gulden!“ U .solchen Jnl-alt» sind auch alle ander» Briefe, die Kn hier siehst, doch da* große Resultat meiner geheimen Mchschaft. der ich jeden Tag einen Besuch gemacht, wirst du diciem da finden . . . und dabei überreichte sie ihm rin Mtiackafienbüchrl. | .Fünfzigtansend Gulden!!!“ schrie er in fast wahnsiungrr Mreude. Um Gottes Willen, wie hast Du so viel aufspare» ■mnni!“ | .Habe ich Dir nicht immer gesagt, daß Du da« Geld »me zählest und daher nie wissen kannst, wa« Dir davon Ijchlt — diese» Büchel ist der BeiveiS!“ I .Meine Retterin, mein süßer, mein holder Engel!“ rief |a. ihr um den Hol« sollend. Wie kann ich Dir da« Ircrgclten!“ I „Mit ßkeicher Münze", versetzte sie mit ihrem reizenden iLichcl». .das, nämlich auch Du von jetzt an den ehrlichen Igmnrr schonest und sparest!“ Bethel Heury Ltro«»berg und das Äadeathum. Bo» M. W. Die Rabl'inen bemerken einm.tl. dass Gott im Pentateuch zu jtiosr» vom Volke Israel stets als .mein Volk“ rede, wenn von chm >n> idealen sinne, als Erben der den Patriarchen gegebenen Berlpißnngen die Rede sei, die die Mission habe», bat Mdanken an einen Gott — die Gotte«- Idee — in und durch dir Mrnschheit zu tragen, daß Er e« aber zu Rose« geivendet. als »Dein Volk“ bezeichne, tvenn die ,folgen vierhundert jährigen Drucke« in Gestalt von Wankel- ,mh. Murren, Ungehorsam, Hang zum Lälberdiensl rc. rc. lei ihm sich geltend machte» und e» «einer Ausgabe sich un- »etth zeigte. Diese Deutung unserer Weise» fällt mir immer na. wenn ich da« Wirke» und Treiben jüdischer Eonvertiten m unseren Zeitungen und Journalen, ja bi» i» die Gcschaht»werke hinauf, beunheilt sehe. Ist oder scheint da« Licken irgend eines getauften Juden segensreich, der Ge> sammtheit oder der herrschenden Partei und Zeitrichtung zu Autz und Fromuirn und dem Baterlaude zur Ehre, so i>« er .mein Volk“, — nehmen aber seine Bestrebungen durch seine schuld oder durch Mißgeschick einen schlechten Au-gang, so mrd derselbe Mensch plötzlich wieder .Dein Volk“ — der Hude. Ich kannte in de»' Provinz Hannover einen Pastor, dn vom jüdischen Dorflehrer sich zu diesem Amte emporgeichwungcn hatten, ein Pietist vom reinsten Wasser, der da» ganze Dorf vermuckert hatte, und dem seine Gemeinde im Allgemeinen sehr zugethan ivar, der bei den sog. MissionSfn'trn eine große Rolle spielte rc. sobald er aber mit irgend naen seiner Gemeinde in den kleinste» Eonflict gerieth, hieß tt fofort .der veisluchte Jude“ und dann sagte man ihm nach, daß er im Geheimen .Tfillin“ lege. Bei August Reander, dem unstreitig bedeutendsten «irchenhistoriker de« protestantischen Deutschland« der Neuzeit, wird man wohl selten angemeckt finden, daß er eigentlich David Mendel hieß uud von seiner Diuner eine sehr fromme jüdische Erziehung erhalten hatte. Aei Julius Stahl, dem hervorragenden Staat»rrcht«lehrer. ltommerredner. dem begabtesten Wortführer derReaction und de« Feudaljunkerthum«, deni Schöpfer .der Umkehr der Wissenschaft“ und der Recht«» und Staatslehre .auf der Endlage christlicher Weltanschauung“, ohne den e« heute vielleicht keine Feudalpartei gebe, wird kein Antisemit sich belinizigcn oder seine» Judenthum Envähnung thu». sofern «dtt sobald er aber diesen Herren irgend ivelche Opposition gemacht haben würde, sofon wäre .der Jude“ wieder aufgrlebt. Sagte inan doch s. Z. bei einem demissionirenden Dbnister jüdischer Abstammung. den mau lange Zeit al« einen ^deutenden Ressortminister und Mann von hervorragender Begabung in allen Tonarten gepriesen hatte, daß bei einer ganz unbedcutmen Veranlassung sein Portefeuille an eine« Au-druck de« Ministerpräsidenten zerschellt sei. der eng mit seinem .Geburtsübel“, wir Heine er nannte, ün Zusammenhang I stehe. Diese und venvandtr Gedanken fuhren mir wieder! durch den Sinn, al« ich jüngst de» Tod de» einst so mächtigen Eisen bahukünig», ve. ItrouSberg. la« und ich komme da zu dein Schluß, daß wir mit der alte» Methode jüdischer > Zeitschriften, den geborenen Juden von dem Augenblick zu verlassen, wo er feinem Glaube» untreu wird, doch nicht mehr! durchkommen, er hängt sich doch a» unsere Rockschöße, oder wie ein rabbinisches Sprichwort sagt, .so oder so. er gehört un« zu“. Auch bei stckruSbrrg. so lange Fürsten uud Herzöge in seinem Palai» antichambrirten, so lange er ein angestaunte« i Genie war. dessen Thun und Treiben auf Schritt und Tritt; beobachtet wurde. Mitglied der conservativen Partei de« Reichstage« rc. rc.. so lange firl es keinem rin. einen auch noch so kleine» Theil seines Glanzes auf den Jude» in ihm fallen zu lassen, al« er aber vom Geschick ereilt wurde, als rr^eine gefallene Größe ivar, da wurde vr. Bethel Henry mit einriu Mal wieder Baruch Hirsch Strausberg. Mit welchem Recht und Unrecht, dafür mag da« eigene subjrctivc Unheil Strausberg« hier eine Stelle finden, da« auch au« anderen, bei der Lectüre selbst sich leicht ergebenden Gründen wohl verdierit. au« 'seinein im (Yesängniß in Rußland geschriebenen .vr. Strausberg und seine Werke von ihm selbst geschilden“ herauSgegrabe» und in einem jüdisä-en Blatte reproduciN zu werden. Er sagt daselbst S. 977: .lieber inrine Herkunft möchte ich — weil daraus mein Charakter und mein Streben sich erklären lassen — falschen Nachrichten entgegrntreten. Unter de» verschiedenen Besitzungen, die seit meinem Concurse verkauft worden sind, befand sich auch ein Grundstück in meiner Vaterstadt Reidenburg. in Ostpreußen, bestehend au» mehrere» Wohnhäusern. Speichern, Scheunen, gegen fünfhundert Morgen Land, dem früheren jüdischen Kirchhofe und einem jetzt n-cht mehr benutzten Gebäude, welches im vorigen Jahrhundert und bis zur Hälfte de« gegenwärtige» als Synagoge gedient hat. Diesen Besitz habe ich von der Tochter de« ältesten Bruder» meine« BaterS gekauft, um ihn als ein Asyl für arme Venvandte zu verwenden. In diese»» Hause ist mein Vater, mein Äroßva'rr und mein Urgroßvater geboren, und obgleich ich dafür keine genügenden Bnveise habe, so hörte ich in meiner Kindheit, daß auch mein Urgroßvater dort sein Leben begonnen. Bor dem Jahre 1812 hatten bekanntlich die Juden nicht da» Bürgerrecht in Ostpreußen: meine Familie gehörte zu den wknige», die unter dem Namen: Schutz-Juden dieses Recht besaßen, und ich weiß, daß bi« dahin im «reise Reidenburg nur diejenigen Glaubensgenosse» meiner Vorfahren lebe« dursten, die in ihren Diensten oder sonst «ngchörige waren. Meine Vorfahren waren i» christlichen Schulen erzogen, ihre Freunde waren die Beamten und Besitzer in der Stadt uud Umgegend, ihre Gewohnheiten, ihr Bildungsgrad uud ihre Anschauungen waren daher schon seit Generationen andere, al« die ihrer damaligen Glaubensgenossen, die unter weniger günstigen Verhältnissen gelebt hatten. E» bildeten sich somit ganz andere Menschen heran», al« e« in de» schwere« Zeiten der Erniedrigung und Unterdrückung bei Bielen unserer, an sich edlen, aber leider häufig verkommenen Race möglich war; andererseits aber waren wir weniger geeignet, vou der neuen Zeit Nutzen zu ziehen. Der Handel, wie ihn der kleine Schacherjude in« Große übertragen hat. war meinen Borfahren u.imügljch. wuchern konutcn sie nicht und auch die Beamten-Carriere war ihnen verschlossen, weil sie zu überzeugung-treu waren, au» äußeren Gründen einen neuen Glauben anzunehmen. E« folgte daher hier wie in den meisten ähnlichen Fällen, daß da« Bermögen und gewissermaßen die damit verbundene Stellung allmählich verlorrn gegangen. ,,>or<s«pimg folgt.)