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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 31 (1884) · p. Seite 122

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
31 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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— 122 — Moi« fand i» tan Verzeichnisse die bestgeachtrtrn seiner Eolleaen und wollte daher gern Mitwirken. Er verlangte nur seine Rolle genauer zu wissen, worauf der Meissner sprach: .Wie ich Dir schon sagte. Du hast die Hauptrolle. Du spielst die schöne Fanschon- .War, eine Fraucnrolle! Rein, die nehme ich nicht an!" .Du willst nicht /- rief der Hagere in der ihm rigeuthümlichen Redeweise. .DaS ist doch zu arg! Den besten Theil der Stücke» giebt man Dir. und Du kommst gegangen und sagst. Du willst nicht. Tu möchtest verdienen — ich weiß, was Du verdienen möchtest-, so sprudelte er zornig hervor. Doch plötzlich wurde er wieder sa ist, faßte den sich Weigernden beim Rockknopse und sprach ei, öringlich. .Nimm doch Raison an, MoiSlebcn! Keiner von uns paßt für die Fanschon, Du aber bist wie geschaffen dazu. Du mußt sie spielen, sonst könne» wir das Stück nicht gebe», unsere Purimkrcudc wird zu Wasser und die Einnahme für unseren armen College» ist kaput.- „Ich bleibe dabei, eine Frauenrolle spiele ich nicht." .Was das für Reden sind! In England l»aben seiner Zeit gar keine Frauenzimmer auftreten dürfen. Was lvmc aus den Francnrollen geworden, swenn die Männer sich geschämt hätten, sie zu spielen'/ Ziere Dich nicht und sage ja. Du thust eine Gutthat damit.- Moi«, der den Vorschlag im Grunde mit jugendlich heiteren Augen ansah, ließ sich erbitten und überzeugen. Wo die eigene Lust zur Sache das Feld lockert, findet die Uebcrrcdung empfängliche» Boden. Alle Freistunden wurden nun von den Mittvirkrnden zur Erlernung ihrer Rollen angewcndet. (Avnsrp«»« folg« ) Jüdische Silhouetten aus Galizien. Bon Aalhan Samucly. aitta<a,t.1 XI. Mit gleicher Minze. «Lchluü.» Des nächsten Tages kam er ganz wirr nach Hause, aufgeregt, das Haar zerzaust und die Stirne voll düsterer Schatten. .Zilchen-, fing er mit erregter Stimme an .In der Börse geht c« schwindsüchtig zu, es greift wir ein Lauffeuer um sich und erfaßt Alles. — Jetzt heißt es sich retten, unter jeder Bedingung retten! — Darf ich Dich daher. Zilchen, um etwas bitten'/- — .So sage nur ohne Rückhalt. was Tu willst, Josef", ermunterte sie. .So darf ich also'/- räusperte er sich verlegen. .Warum nicht dürfen'/" lächelte sie ermuthigcnd. .Nun . . .- suchte er verlegen nach Worte. .Run. .. ich will mich ja. retten ... ich muß ja mein Depot decke»... Geld habe ich nicht flott . . . Leiste ich heute keine Deckung, dann werden meine Effecte besten» verkauft und dann bin ich Bettler! . . »Nun weiter!- ermunterte sie. .Dein Schmuck könnte mich retten" stieß er endlich hervor, wie wenn man auf einmal eine drückende Zentnerlast abwirft. .Da« ist Alle»!" lachte sie mit ihrer glockenhellen Stimme gar froh und munter und stugS lief sie in« zweite Zimmer, aus welchem sie. bevor noch ei» Augenblick vorüber war, mit dem Schmuck zurückkehrte. „Du bist ein wahrer Engel an Milde und Güte!" rief er. ihr die Hände küßend, au» welchen er da» Schmuckkästchen in Empfang nahm und schon war er mit demselben au« dem Zimmer verschwunden ... ..Soll nur die Spielhölle auch diese« Opfer verschlingen" lächelte Zila vor sich hin — aber dann ist er gerettet. — Und für die Zukunft'/ für diese wird ja meine Liebschaft sorgen — da erst wird sich« zeigen, daß eine solche doch der des« Rettungsanker in der Roth sein kann. Wa« wird aber Josef für große Angen machen, wenn er davon erfahren wird! Eineu Tag darauf fand die größte Panik, welche « Börsenchronik zu verzeichnen hat, nämlich, der größte „Börse» krach" statt. Millionäre sanken in ihr ursprüngliche» Rich» zurück. Paläs« stürzten wie Kattenhänser zusammen, e« sch«, fast, al» wolle der Himmel über alle Köpfe zusammenkrach», to groß war der Jammer, die Verwirrung und die Bcstürzu^. Selbstverständlich war auch die Klatschgcsellschaft nicht vaschont, die in allen Winden zerstieb. Die kokette Liese 1« händeringend ohne Zwicker vor der Börse herum — d» schmachtende Agate winselte wie ein Möpschen, dem man dn Schweif abgetreten — die zerfahrene Klatschrose beivegtc „4 ächzend, wie ein kollerndes Faß, dem alle Reifen gespruugn sind und die Geldaristokratin wieder, der man aus ihm Prachtzimmern alle Möbelstücke iveggepfändet. grberdetc sich verzweifelt wie ein Pfau, dem man die Federn ausgrrupn. Rur Zila verlor keinen Augenblick ihre» Glrichmuth. Riedlig und schmuck wie immer, erschien sie auch heute in ihm einfachen, do<1> geschmackvollen Kleidern. Kein Zug v», Schmerz oder Verzweiflung entstellte ihr schöne», anmuthigc, Gesicht, ja vielmehr umspielte ein gar schalkhaftes Lache!, ihren schöne» Rosrnmund. Da jedoch wnrde die Thüre plötzlich uusgeriffcn ua» Josef stürzte bleich und athemlos mit dem Rufe Zimmer: „Zila. meine arme, meine gute Zila. wir sind verloren!' .Wir »verde» uns wirderfinden!' erwiderte sie mit da, ruhigsten Lächeln der Welt. „Auch Dein Schmuck, Zila. ist weg. was habe ich Wahnsinniger getlmn'/- schrie er faffuugslo«. „Geh", schmollte sie, „wozu mir der Schmuck '/" „Was fangen wir ata jetzt an'/“ „Ein neues, glückliches Leben!" „Wieso. Ziela'/" „Mit Rechnung — Du »vcißt, ich liebe es. mit Rechnung leben!" „Aber Zila, gute, arme Ziela, alles ist ja weg: mei, Vermögen. Dein Schmuck, alle«, ja nicht einmal aus dic Börse kann ich mehr kommen!" „Dafür werde aber auch ich meine geheime» Besuchk einstelle»!" „Zila. liebe Zila. jetzt ist nicht die rechte Zeit zu» Spaßen!" „Spaßen!" versetzte sie ernst. „Ich habe e« ja Dir noch damals gesagt, daß jener Brief durchaus nicht aus da Luft gegriffen sei!" „Was!" entsetzte er sich. „Du hast wirklich gehnmr Besuche gemacht!" „Warum hast Du trotz meine« Willen« täglich d« Börse besucht'/ Ich habe Dir ja nur mit gleicher Münze gezahlt!" „Zila!" schnellte er wie toll empor. „Du willst mich rasend machen!" „Da« braucht D'ch gar nicht in solche Verzweiflung i» bringen, denn am Ende wird nieine geheime Liebschaft kV unsere Rettung, unser Anker in der Roth fein!** „Zila!" schrie er fast wahnsinnig, reiße mich nicht p» Raserei hin — da» kan» durchaus nicht Dein Ernst ff*' „Mein Ernst ist e« ja", lächelte sie begüttgrnd, „aber wenn Du nur einen jener Briefe, die ich von meiner geheimen Liebschaft erhielt, lesen wirst, wirst Du dann ganz ander» sprechen!" , „Go will da« hinaus'/" fragte er verblüfft. „Meinetwegen, zeig mir einen solchen Brief!" „Rur um eine Bedingung! Daß Du mir nämlich De» Ehrenwort daraus verpfändest, nie mchr Deinen Fuß über die Schwelle der Börse zu setzen!" „Du hast mein Ehrenwort darauf, aber löse mir diese« Räthsel. da« mich schier wahnsinnig macht!" .. „So ja!" lächelte sie, indem sie zugleich ihr Bü^a Briefe öffne« und einen derselben ihm überreichte. „Da Du einen jener Liebesbriefe!"

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