Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 31 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Seine und,«nkdi>rrn Stiefel waren e« vor allem, die ihm tuimrr machten. Wie rücksichtsvoll bet>a»drl«e er sie! Kaum IkmtK' nach Hause gekommen, legte er sie schonend ad und kaktc dafür dir alle», tsartrn Pantvffrl an. dir ihm dir gute dm mit dr» weihevollen Worten gab: „Tragt sie, Bocher, »er gebt daraus Acht, denn sie sind noch von nieineui seligen Sanne her". Wenn Moi« nun nachdenkrnd darin auf und » ging, klapperten sie wohl eben nicht hannonisch zu seine» Sdonlrn; auch geschah es »uweilen. daß sie. die für ihn *1 zu weit waren, dal>ei plötzlich geräuschvoll ihm von den Wim flogen, so daß die arme Le.«. die in den, Stübchen ki dem gemeinschaftlich gekauften Lichte ihren Strupf strickend, "»Micken pflegte, erschnöcke» aufluhr. Wrhmüthig mit dem E»pf schüttelnd, seufzte sie: „Becher, wenn d,«« mein seliger «»»» sähe!" Doch seine Stiefel gingen ohne Erlmrmen au» Raub « Band, und nicht nur Regen und Schnee, svndern auch "«chr unbescheidenen Blicke drangen in deren Mysterien rin. Und leider, böse» Ding kommt nie allein. Bald machten seine Lleidnng«stückr und seine Leibwäsche ühuliche Echmerzr». Da er auf rin saubere«, anständige« Aeußrre g'"g er gar viele Rächte hungrig zu Bette, um durch "iparinssr wenigsten» die schlimmsten Schäden zu decken. — Diese drückenden Bnhältnifle hatten jetzt, durch die er» kchuie Empfehlung de» Rabbi» ihr Ende. Herr Pinba», der Ulpf ,1»,* „Ich,,, Haus,», nahm im Foiwt d,r >»a»tU«u «vesüiwartung uusrrcu Ar,und >vohi«uoll,«id aus uud bestimmt, ihm für d„i seinem «ühmheu zu leisieudru Uut,reich» rin gut,» Honorar. Dieser Unterricht begann gleich am andern Morgen, und al» er zu Ende de« rrstru Monat« seinen Sold, gewürzt durch anerkenneude Worte, empfangen hatte, ging er. iuie ein froh Träumender iu seine Wohnung. War er e« wirklich, dem all die Silberslücke da in seiner Tasche gehörten? Einige davon packle er sogleich ei» und schickte sie. begleitet von eine»! kindliche» Briefe, seinen Eltern. „Sie mögen sich etwa» Gute« dafür a»«h»n.- Wie glücklich war er. al« erdiesen Brief aus die Post trug. Zum ersten Mal in seinem Leben konnte er ei» Geschenk mache» und noch dazu an seine Elter»! — In dem Erdgeschosse de« Rabbi»at«gebäudc« befand sich rin separat gelegener, grosser Saal mit sechs hohen Fenstern, zwischen dicke» Pfeilern an der «Vorderwanv. Dieser gegenüber waren, außer dem rechtsseitigen Eingänge, zlvri breite Thüren, dir in die Lüche sühnen, >vo rin mächtig großer Backofen dem EintrrteNden entgegengähnte. Saal und Lüche hatten die Bestiminung, daß darin vor Ostern Tag »nd Rächt in großem Maaßstabe von Pächtern die Osterkuchen nach Bedarf der Ge,»rinde und ihrer weitesten Umgebung, drreitN wurden. Außer dieser Zeit jedoch stand der Saal dni Schüler» de« Rabbi al« Studirrstube zur «Verfügung. Ei» großer Schrank voll Bücher, im Winter ei» gut grtieiztrr Ösen, wozu gern fromme Leute da« Brennmaterial spendeten, machten diese Stätte nicht blo« für die ärmeren Schüler zu einer Wohlthat, sondern auch dir anderen, die bemittelten fühlten sich hierhergezogrii. insbesoiider« die fleißigen und eifrigen, da sie hier durch Meinungsaustausch ihre Ansichten klären und berichtigen konnte. Daß Moi« dabei nicht fehlte, können wir voranssryen. Eine« Tage», al« er daselbst eintrat. cS >var die« im Monat Februar, fand er dir Anwesenden in ungeivöhnlicher Bewegung. Sie standen um einen ihrer College» geschaart, den sie gewöhnlich den „Meißnernach seiner- «Vaterstadt Meißen nannten. Dieser, ein hagerer, lebhafter junger Mann, dessen schwarze, kleine, kluge Auge», ivic zwei Lichtlein au» seinnn olivbraunrn Gesichte hervorlcuchtcten, sprang, al« er Moi« erblickte, auf ihn zu und rief: „Gut. daß Du endlich kommst!" „Warum? wa« giebt«? Wa« habt ihr vor?" fragte dieser. .Nicht« lyeringrres", cnvidertc der Meißner, „als daß wir Purim*) ei» Theaterstück spielen »vollen. 'Was ivir dafür einnehmen werden, soll unser» armen Bvcherim zu gute kommen. So eben Hab,' ich das Stück, daß ich gemacht habe, hier vorgelese», und da e« gefüllt, bereit« auch die Rollen verthrilt. Auf diesem ,'jiltrl siehst Du Namen »nd Rolle» der Mitspirlrnden; da« Stück kannst Du später Nachlesen. Dir, Moi«. haben «vir die Hanpt» und Titelrolle be stimmt." *) Fasching.