Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 23 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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110 — fiimmrUfunbc und Arzneiwissenschaft, von den geheimen Kräften der Natur, von Gesetz. Recht, Lebensweisheit und Sitte; die» Alle» sei da zu lerne», und je mehr man in diesen Büchen, forsche, desto mehr wachse Einen Scharfsinn und Verstand."" ..Das sind ja wunderbare Werke; wie nennt man sie?" „..Den Talmud."" „Doch sage mir. >va« hat. als Du gestern Nacht mitten in solchem Studium warst. Dich plötzlich doch so traurig machen können'?" Wo,« seufzte und sein »och so eben leuchtender Blick verdüsterte sich, ..„Ach."" ries er schmerzvoll, ....ich soll sie Sa verlassen, diese kos«baren Bücher, ich soll nicht mehr stu. ,irren! Das Schönste und Prächtigste, da« ich mir ausgedacht und ausgrwählt für die Zeit, wo ich groß sein werde, damit ist'» au« und zu Ende! Ein großer, lvrühmter Rabbiner hoffte ich einst zu sein! Anstatt dessen soll ich ein Hausirer werden, ein Packträger, soll schachern und handeln! Ach Gott, wen» ich daran denke, ist mir'« al« ob ich zu Tode ginge, wir einst Isaak zur Scküachtlmnk!" ,.Wa» zwingt Dich, da» Studium aufzugrbe»'?" „„Der Vater will'«, und ich, al» Kind, muß gehorchen."" „Weift er. wie er Dich schmerzt?" „„Er weift e»; allein er kau» nicht ander». Wir sind arm, der Vater wird alt. er braucht im Geschäft eine Stütze. Wer ander« sollte die» sein, al» ich. der älteste und auch der stärkste der Brüder!"" Karl sah »achdenkend vor sich hin. „Ich will mit Deinem Vater darüt>er sprechen", sagte er dann. „Sei guten Muthes, ich wende die Sache' zu Deinen Gunsten." „..Ähr. wa« könnt Ähr dabei thun'?"" „Du wirst es sehen. Schicke mir nur de» Vater. Doch Iobald al« möglich möge er komme»: um 4 Uhr N ichmittag» in ich schon auf dem Wege nach Olmütz." Zweifelnd blickte der Knabe de» Jüngling an. „„Und wer, soll ich sagen, seid Ihr. der nach ihm verlangt'?"" „.Dar erfährt er von mir selbst". folgt.) Jüdische Ltlhouette» a»ö Galizie«. Bon «alt,-,, Samuel». im4)n< uaintitM X PU Heide» -Liese»h«te«. (Schluß.) „Ja, ja" stimmte Reb Israel lächelnd bei „ich willS gerne glauben, aber nehmen wir einmal alles zusammen, was Sic gesagt: ein so groftcr Rcichchnm, die schönste Familie. ein Bräutigam wie ein Blümelc, von dem Militärdienst befreit und bei all diesem giebt Reb Lender wider alle Regel dem Sohne mehr Mitgift, al« ich meiner Tochter geben will — täuschen wir uns nur nicht, hier muß etwas dran sein!" „Etwas, wirklich nur etwas" rückte endlich Ahrele heraus „Etwas, kaum wie der Kopf einer Stecknadel! . . „Was, wie der Kopf einer Stecknadel °?" fragte Reb Israel. „Ich sag' Ihnen ja. gar nicht», nicht einmal der Rede werth, kaum merkbar, kaum wie der Kopf einer Stecknadel!" „Stecknadel und Stecknadel!" rief endlich Reb Israel ungeduldig „Was wie der Kopf einer Stecknadel'?" Jetzt soll eS heraus. ES war der entscheidende Moment. Ahrele Paarcr bereitete sich ernstlich vor» indem er einige Mal hinter einander die Nase pfeifen lieft. »Weift ich'?" fing er endlich im wegwerfenden Tone an „Sie sagen, die Leut sagen — aber man merkt» nicht einmal — weift ich war'? Sie sagen, der Bräutigam hätte Hinte» etwa« wie ein Höcker." „Aber. aber, und noch wa» für Höcker!" fiel Ehajemel pflichtgetrcu ein. Ahrrle wich bei diesen, funhtbare» Echo bestürzt zurück und einen solchen Wuchschrei stieß wohl noch nie seine Rase wie diesmal aus — denn in dem Nachdrucke „aber, aber. und „noch was" lag die ganze Größe und Schwere ri«| Höckers, der je einen armen Menfchenrücken belastet tzg. Ehajemel selbst erschrack vor seiner eignen Stimme, da j, dieser Ruf unwillkürlich 'und nur au» (Gewohnheit ihm am dem Munde gekommen war. Mchr noch al» alle beide sühlv sich dadurch der Vater de« Mädchens betreten. „Sie sind ei» schamlvser Mensch!" brauste er gegn, Ahrrle auf „ein Schwindler, ein Srelruschacherer! A» wagen Sir es meiner Tochter einen Bräutigam mit eine, Höcker anzutragen'? Hinan«! Sie dürfen mir nicht mehr die Schwelle meine« Hause« betreten!" Ahrrle sah ein, daß, iven» er nicht bald da« Zimmer verlassen werde, Reb I»rael ihm dazu behilflich sein nuiifc »nd er machte sich daher, hinter ihm sein Schatten, aus ach davon. Bevor er jedoch die Thürr zugeschlage», lieft er „«4 seine Stachel gegen seinen Beleidiger lo». „Brauchen sich gar nicht zu ärger». Reb Israel" ncs er. die Füße zum Eilmarsch bereit haltend „Ich habe sch«, gut gepaart, was Ihrem schöne» I öchterche» fehlt, hat da Bräutigam zuviel — diese ist zu diiun. jener etnm« zu dck — da« gleicht sich au»!" A» demsellvn Tage bot dieser Vorfall in der Klan«, wo nach dem Beten alle Tagesereignisse lvsproche» wurde». Stoff zu einem lebhaften und unterhaltenden D,«e»rfr . . . „$Mt aber Ahrrle Schadchen" wußte Einer zu berichte» „heute von Reb Israel Itteler eine Nase (»ekomme»." „So ist e« in dieser schlechten W lt" unterbrach ihu bald der biftige Brrele Mirschalek mit kiuem ko mischen S.-uster „hat einer viel, so bekommt er noch mehr. Wäre e» nid» ein viel edlere« Werk gewesen. wenn Ehajemel eine Nase t>ekommrn hatte, der sie ja nöthig hatte." „Und doch hat sie Ehajemel meiste»« verdient" betheuette der Frühere und da erzählte er. wie E'zajem.'l zu so uugclegener Zeit mit seinem „aber, aber" eiugrfall u ist. „Diese« gelungene „Abei"'" bemerkte Berelr Marfchalck. „verdient, daß e» nicht der Vergessenheit anheimsalle. W.r wollen den klugen Schadchen*» fortan Ehajemel Aber heiße» ' Unter Hellem Lachen ivurde in der Klau» durub.-i adgestimmt. „Und ivclche Rase hat Ahrele von Reb Israel bekommen?' suchte Einer der Umstehenden zu erfahren. „Reb Israel hat ihn, die Thürr gezeigt", erwiderte der Gefragte. „Wahrscheinlich hat er sich diese auch gemerkt', lachte Berele Marfchalck, „und er wird morgen nochmals zu ihm nach Hause treffen". „Er wird es nicht mehr wagen", sagte der frühere, „denn er hat Reb Israel schwer beleidigt". Und da gad er zum Besten Ahrele'« Rüvellirungssystrin, wir er nämlich Aed Israel zugerufru hot. daß seine Paarung gar nicht so schlecht sei. indem der höckerige Bräutigain da» zu viel hat, wa» die dünngehobelte Braut zu wenig hat. . . . „Jetzt geht mir ein Licht aus", bemerkte daraus der Marfchalck, mit der Hand eine Bewegung in der Lust machen», wa« bei ihm immer al« Zeichen galt, daß er einen witzige» Einsall hat. „Wa« für Licht geht Ihnen auf'?" drängte mau neugierig von verschiedene» Sette». „Warum Ahrele sich just mit dem Ehajemel und nicht mit einem anderen Schadchen gepaart hat", erwiderte der Marschalet. ___ „Und warum da«'?" suchte man von allen Seiten z» erfahre». „Weil Ahrele auch bei dieser Wahl ganz nach seine« Systeme gehandelt hat", krährte der Maschalck mit singender Stimme. „Was Ehajemel an Rase fehlt, hat er zuviel, da« gleicht sich aus!" Alle Räume der Klau« widerhallten von einem laute» Gelächter. •) Hmraih«»er«>Nler.