Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 23 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
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111 „Weil nun Ahrele gar so gut zu vaarrn versteht", fügte der Marschalrk hinzu, „so verdient er doch gewiß, daß Mr >I>» von nun an Ahrele Paarer Heiden". Und so blieb e» auch. Zeit jener Zeit nennt man in dem Städtchen Sdie fofc» Lridadjutantrn Amor» den einen CHajemil Ader un> de» zivritrn Ahrele Paarer. L»lle» die Ä«de« Lhrifte» werden? Aus diese nitttöthige Frage eine« jüdischen Autors er- ,falle der rhenialigr Minister de« Auswärtigen der franjüijltLii Republik, der Philosoph und Gelehrte, Herr Par« (ürtmiU Saint Hilairr, nachstehende Antwort: ..Ich zögrir nicht. Ihne» zu antworten? „Nein, nie solle» die Jude» Christen werden". Ich würde Mit Bekehrung als ei» unermeßliche« und kaum gut zu Buchendes Unglück für die Menschheit betrachten. Ca giebt kein goll in der Welt, welche» ei» so überraschende» Beispiel von klnsfann und GlautHN gegel»en hätte; e» giebt keine«, da» (mm solche» religiösen Einfluß auagrübt hätte! Ihre Bibel. ,ii der tOenrsi« und de» Psalmen ist Ihm Citrin da» grüßte Wetk unter den heiligen Büchern der Nationen und ne ,si r». welche r» zum Volke trotte» machte. Der tag. an »elchrin die Juden Christen würde», tthirr rin unseliger upfota); »nd die Lücke, welche dieser Absall anshöhle» «ochie. würde nie ansgesüllt werde». Die Jude» müssen für immer da« bleilv». >va» sie sind, ihre» Glauben beibehaltend. fa mehr denn drei Jahrtausende sür sich hat und die Zeit nicht alirriren kvnntr. C» würde dem menschlichen Geiste ei» mverglrichliche» Muster sehle»: und diese« Verschwinden wäre heute um so trauriger, al» die Gottesidrr, wenigstru» vvr- »tagehend. in vielen Oleitter», dir sich sür ausgeklärt und gelehrt halten, bi» zum Verschwinden abgrschtvächt ist Da» umschliche Gnvissen bcbaif für ervig der lebendigen Protcftditoit Israel» und der unerschütterlichen Stühe, die c« dort -egen seine rigrnrn Schiväckirn und gegen dir Zivrisel, welche da» Christenthum bedrohen, findet. E» ist im Name» der Philosophie, das> ich Ihnen meine Meinung mittlieilen kann. Cie,si nicht ne» in mir und ich habe sic mehr al» cinmal oümilich ausgesprochen. Was die gegeinvättigr» Verfolgungen betrifft, so müssen sie die Juden mit Muth ertragen, so wie sie bereit» so viele andere, nicht minder grausame, erduldet habe». Tiefe schändlichen Barbareien tvcrden vergehen und « wird rin Tag kommen, a» welchem die Israeliten überall da» sein tverde», tva» sic in Frankreich sind, Bürger wie die Inder», wo sic mit ihren Mitbürgern, wir die Katholiken und die Protestanten, untereinander leben werden, unter all» Meine» Gesehen, die sie trotz der Verschiedenheit de« reli- ' Me» Bekenntnisse« gleichmäßig schützen werden". Allerlei für de» Fawilientisch. Pf* Matztzi E»tfüßr»»g heißt da« neueste .Stückchen" «it welchem zwei jüd. Gemeinden sich lächerlich gemacht l-abe». 3n?orzin (Kalisch) wohnt ein wundcrthätiger Rabbi, zu dem Viele tvallsahnen. Daß e« nun den Mitgliedern der dortigen Gemeinde ziemlich gut geht, ihr Geschäft und ihr bewerbe blühen, gilt im weite» Umkreise.al» da» deutlichste Zeichen der Wundertraft de« Rabbi. Deshalb gab sich die «chbargemeinde Nadazge alle erdenkliche Mühe, den Rabbi ür sich gnvinncn. Mit ihm würde ja Wohlstand und gute» sileschäft hrrübrrwandern! Al» alle» Liebesmühen, alle« Werben und Bitten erfolglos blieb, rückten 40 beherzte Rannet in einer schönen Nacht au«, nahmen den Rabbi aus dem Bette, und heimwärts ging». Doch die Torzinrr wurden p> ftüh au» dem Schlafe geweckt. Sie eilten den Entsührern »ach und aus der Landstraße entspann sich ein hitzige« Gefecht, fc« erst durch Einschreiten von Polizeibeamten ei» End« mochte. (Jwri.) In Jauml*f| (Pommern) ist gegen Ende vergangener Woche ein neue» schöne» Johanniter-Krankenhau» eröffnet worden, und e« war dazu der Herrenmeister de» Johanniterorden«, Prinz Albrecht von Preußen, eingetroffen. Auch der jüdische Rabbiner war von den Johannitern zur Einweihungsfrier eingeladeti und im Ornat «schienen. Derselbe wurde dem Prinzen Albrecht vorgrstellt; dieser sprach längere Zeit mit ihm und sagte zum Schluß: .Nu». Herr Doktor, in Krankheitsfälle» hört jeder Unterschied der Eon» session aus". Da» Anstreten de» Prinzen hat (wie man dem ..Rrich«blatt" schreibt) bei allen Richtungen einen so guten Eindruck gemacht, daß e« auch auf die Parteien aussöhurnd gewirkt hat. In mehreren Zeitungen wird eine Broschüre .1» mwiiou «iss Juif*" bereit Verfasser unter dein Pseudonym bk. Stint-Yoea d’Alveydre sich birgt, besprochen. Sie derechnet dir Ei»heit»gläubigkn. welche heute da« Reich Gotte» aus Erde» erhoffe» aus eine Milliarde, und so ist ihr die Ankunst de» Mrssia« wie die Errichtung eine» jüd. Reiche» in Judaea nahe bevorstehend. (Seltsame Frucht der materialistisch durchseuchte» Zeit!) — Herr Leon Kahn, der die Geschichte der i«r. Schulen i» Pari« geschrieben hat. betrilel eine Geschichte de« Wohlthätigkrit«eo»iiid« von Pari» vor. <Arch. i»r.) stsnd«». Wa« der Engländer anpackt. da« nimmt große Dimensionen an. Oberrabbiner Adler hat zu Sammlung eine» Fond» ausgesordcrt, um Cultulbramte zu honorire», d. h. schon Angestellte besser zu subventionire», Gemeinden. denen die Mittel srhlen, die Beanttengrhälter zu geben. Wandrrprediger auSzusenden u. dgl. m. 4000 Mart Jahresbeiträge sind sofort dazu gezeichnet tvorden. Ferner hat die verrtvigte Frau Baronin Lioncl Rothschild ein Legat von 100,000 M diesem Zwecke bestimmt (wieder 4000 M. Zinsen!) Und jetzt hat ein Herr Kalling eine Besitzung von 200,000 M. Werth dem Fond» vermacht, der nach dein Hinscheiden de» die Nutznießung dieser Sumine bi» zum Tode l>abe»dkn Verwandten, über 10,000 M. jährlich wird zu ver» sügen haben. Au» Patschi«« berichten die Osficiösr», daß der jüdische Graveur, der CoUegiensekretär Herr Grilichc», dem Thronfolger ein Siegel überreicht hat, dessen Mittelfeld da» Bild de» Kaiser», der Kaiserin und de» Kronprinzen faßt; am Rande ist eine kaiserlühe Krone mit bcu Initialen und dem mikroskopisch klein gravirtcn Titel de« Prinzen. In Hl«a« erklärt man den jüdischen Elter», die ihre Kinder für das mit jüdischem Gclde gegründete Progymnasium zum Beginne de« Schuljahre» anmelden, e45_fei kein Platz, während christliche Schüler auch mitten im Semester Aufnahme finden. Dir jüdischen Schüler tvcrden von den Lehrern beschimpft und verhöhnt — wohin wir sehen: lauter Märtyrerthum! Lodz. Wie in Moskau, so tvüthet auch hier der Krach. Viele Fabrikarbeiter sind brodlo». Zwei Juden haben eine Volksküche errichtet, die Allen ohne Unterschied de» Glauben» eine Mahlzeit sür 5 Kopeken lkanm 10 Pfennig) giebt und eilte Menge Frciportionen auSthcilt. Natürlich wird auch Mißbratich damit getrieben, da viele Besitzende die Gelegenheit benutzen, um billige» Essen zu bekomme». Im Bezirk >I«rAi wandern auch viele Bauern nach Amerika au». Wer trägt die Schuld? Dir Juden, sagt man, sie schildern Amerika so verlockend, mn de» Bauern da» Land abzukause»! Ja, die Juden — die sind schuld an Allem! Aerttsake«. Die Pforte verlangt von der hiesigen jüd. jüd. Gemeinde statt bi«l>rr l 0,000 sortan '»0,000 Piaster JahrcSsteuer. Herr Schulmann z. Z. in Konstantinopel hat da» Bild der Tempelstätte — geschrieben. Ganz Thillim. Echa. das Capitel Nachmu (au« Jrsaias) und das Gr btt Salomo» bei der Tempelweihe machen das Bild, welches durch Photolithographie vervielfältigt zum Mindestpreise von 2 Rul>el. für die armen Einwanderer verkauft wird. (Hazephira.)