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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 27 (1884) · p. Seite 107

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
27 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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107 — Maß sic riiit» Klageton vernehmen liefe, fing re folgrndrr Mieiic an: D »Ich sagt Ihnen, Rrb Israel, rin harte» Stückchrn Mwd, dirsr» Schadchone»! *) Wir dach wahr spricht brr Malmud. brr beh»iuptrt, da» Paarrn dcr Menschenkinder fei Ijp schwrr. wir Ni» Spalten de» Mrrrr» . . ." > .Schwer. »ach wir schwrr — ganz wir da« Spaltrn Idr» Meere»!" srknndirtr Chajrmrl, Nibei grifi rr mit drn Iiusgilprrizten Fingern srinrr bridrn Hände sich in drn Bart, »mid da» rothe Mrrr lag in zehn Theile gespalten . . . I .Ich hatte sauere Arbeit", nahm Ahrrle wirdrr auf — I.doch ist r» mir rndlich griungrn, für ihrc Tochtcr rinr IPartie mit drm Sohnr dr» Rrb Srndrr Brcitkop au» D. >«u»zuarbeibi>". I .Aber, aler und »och wa» für Partie!" tönte da» I vrd)o nach. I .Da ist rin Rrichthum!" fuhr Ahrrle fort. I .Ein Rrichthum — aber und »och wa» für Rrichthum!* Istdlägt» wir rinr Rrpetiruhr. I .Und dir Familir — von brr größten Hrrkunst!" I .Eine Hrrkunst — aber, aber eine Herkunft!" I .Und der Bräutigam — ich sage Ihnen, Rrb Jürarl, Inn Blümrlr von rinrin Bräutigrn!" I .Roch wa» für rin Blümrlr!" I .Dazu girbt man von Sritrn de- Bräutigams rinr »icl größere Mitgift, als Sir Ihrer Tochtcr geben, lvas doch nach drm Laufe der Weilt verkehrt sein soll!" | .Freilich nach dem Laufe der Welt — so eine Mitgift, «der. aber eine Mitgift!" .Red Israel, der diese» Duett bi» zu Ende angehört, nahm nun endlich da» Wort. .Zn der Thal lauter Vorzüge", sagte er — aber ein Fehler muß doch dabei sein . . .Ein Fehler!" ließ Rrb Ahrrle muthig die Rase pfeifen. .Lagen Sir lieber ein Vorzug!" .Und noch was für Vorzug!" fiel Clwjrmil rasch rin. »Welcher Vorzug?" forschte Reb I-rael. .Der Bräutigam wird vom Militärdienst befreit sein". .Und noch wie befreit sein!" »U„b warum befreit sein?" forschte Reb I-rael. .Wie heißt!" empörte sich Ahrrle. Weil r» eine Partie m mit lauter Vorzügen". »Und bei so vielen Vorzügen", fragte Rrb I-rael immer »nigieriger. .wie kommt e». daß Red Israel »och eine größere Mitgift als ich geben will? Warum thut er das?" „Warum er das thut?" frohlockte Ahrrle Paarrr. .Weil ich ihm so lange zugcredet und ihm die Sache an»> fnnalt. di« er eingewilligt. Wissen sollen Sic'», Ahrrle vermag viel!" .Ja, wir vermögen viel", tönte da» Echo nach, „und »och wie viel!" («chiuh folgt.» Rabbiner Professor Heidenheim. Philipp Hridenheim wurde am 16. Juni (23. Silvan) 1814 >>« Sohn unbemittelter aber gebildeter Eltern in Bleicherode. lKrei« Rordhausrn) geboren, wo er sich frühzeitig drm Lehrberufe ividmrte. Er vermochte sich jedoch nur eine semi» »anslische Vorbildung anzueiqnrn, an regelmäßigen Universilättsludien verhinderten ihn widrige Geschicke und die durchaus beschränkten -lermögenSverhältnissr seiner Eltern. Zu seiner kabsistenz schrieb er für Behörden und rrtheilte schon al« janrr Jüngling Privatunterricht. Wa» ihm jedoch da» 8lück versagte, errang rr als Autodidakt durch eisernen Fleiß und energische Thatkraft. Seine talmudischen Studien leitete der Lehrer seine» Geburtsorte», Schwarzauer. der vl» tüchtiger Talmudist und Pädagoge bekannt lvar. In Sondrrahausrn bestand schon 1836 eine wohlvrgonisine israelitische Bürgerschule unter Aufsicht de» Staate» und unter Leitung de» Prediger» I. Wolfs. An dieser Schule erhielt Heidenheim im April 1834 die zweite Lehrerstrllr, und al» dcr Dirigent derselben im Februar 1834 einem Rufe nach Breslau folgte, wurde ihm Seitens der Gemeind« die Leitung der Anstalt und zugleich da» Predigtamt übertragen. Seine Leistungen als Lehrer und Schuldirigent wurden vom Februar 1838 ab und wiederholt Seiten» de» fürstliche» Eonsistorii im Regicrungsblatle öffentlich belobt und als die israelitische Bürgerschule unter seiner Leitung in eine ReligionSschulc verwandelt wurde, trat H. im April 1840 al» ordentlicher Lehrer in da» Lehrer-Collegium der fürsilichen Realschule und wurde im Oktober 1845 zum Collaborator befördert. Inzwischen hatte H. sich 1839 vcrheirathet und ein Pensionat und ErziehungS-Institut gegründet, daS sich eine» l>edeutenden Ruse» rrsreuetr und Schüler hrranbildcte. die sich später als Juden und Staatsbürger ehrenvoller Lebensstellungen erfreueten. So hielt sich unter Anderen der Professor vr. Lazarus behufs seiner Ausbildung einige Zeit bei ihm aus. Zur Förderung seiner talmudischen Studien nahm er sich von 1842—15 als Hauslehrer den späteren, leider zu früh verstorbenen Direktor de» Rabbiner-Seminar» zu Breslau vr. L. Lazarus ^"jn aus Filchne, bekanntlich einer der größten Talmudisicn unserer Zeit. So zum Rabbinatsrxamen vorbereitet, bestand er dasselbe im März 1845 beim Lberrabbiner Blaschkc in Schönlanke und beim Oberrabbiner I. Oettlinger in Berlin glänzend und wurde auf Antrag der Gemeinde im November 1845 vom Fürsten zum Rabbiner der Stadt Sondershausen ernannt, amtlich angeslellt und vereidigt. H. bcthciligte sich bei verschiedenen gemeinnützigen Bestrebungen in hervorragender Weise. So war er inehrere Jahre Vorsitzender de- GcwerbevcrcinS und bei verschiedenen Gelegenheiten wurden feine öffentlichen und wissenschaftlichen Vorträge mit Beifall ausgenommen. Im Herbst 1848 wurde rr von den Lehrern dcr Untcrhcrrschaft zum Abgeordneten der höheren Schulen für den Lehrercongreß in Eisenach deputirl, wo auf seinen Vorschlag hin verschiedene freisinnige Resolutionen mit großer Majorität gefaßt wurden. Seit 1840 Ordinarius der Sekunda, wurde H. im Oct. 1858 zum Oberlehrer ernannt, uud als solcher vertrat er bi» 1856 wiederholt und längere Zeit den erkrankten Direktor. Während er eine lange Reihe von Jahren in verschiedenen Unterricht», fächern, vornehmlich auch i» der Geschichte, docirtc, lehrt er gegenwärtig Mathematik, Deutsch und Geographie in Sekunda und Prima der gedachten Anstalt. In dcr israelitischen Rrligionsschule unterrichtet er gegenwärtig die höhere Abtl)eilung in wöchentlich 5 Stunden, und während seine Ge> mrinde jetzt bei dcr geringfügigen Industrie scinc« Wohnorte» sehr zusammengeschmolzrn ist, erblickt man den rüstigen Rabbiner fast allsabbathlich auf der Kanzel, wo er mit srinrr sonoren Stinime und seinen ticfdurchdachtcn Mieden die Zuhörer auch »och als Siebziger fesselt und begeistert. Erst vor rinigen Jahren l>at er bei vorgerücktem Alter das Rabbinat über die Gemeinden deSFürftenthums Schwarzburg-Rudolstadt aufgegrbcn, um sich dem Stadtrabbinaic und den Funktionen in beide» Schulen gänzlich zu widmen. An der Seite seiner Gattin und seiner sämmtlich versorgte» Kinder, die auswärts in angesehenen Lebensstellungen wirken, feierte dcr würdige Greis noch in voller Lebens- und Aintsthätigkeit am 16. Juni seinen 70. GebuttStag. an welchem seine dankbare Gemeinde zugleich sein 50jährige» Dienstjudiläum festlich beging. Schon im <Srpt«mbci 1879 hat ihn dcr Fürst eine seltene Auszeichnung mit feinem HauSordcn verliehen und im Oktober 1881 wurde rr in Anerkennung seiner Verdienste zum „Professor" ernannt. W . . . Allerlei für den Familientifch. tfia erschütternde» chreignitz hat sich am jüngsten Sonnabend Vormittag in Berlin während de» Gottesdienste» in der »im Hause Lindcnstraße 50 befindlichen Synagoge *) Die H8rat«vermitielm»g.

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