Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 24 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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— V4 — ist sie so. wie Du gesagt, so soll Dir Genugthuung werden. Gehe jetzt getrosten Muthe« heim." »Da« ist eine unangenehme Beschichte," sagte der Rabbi. „Ihr loerdn Euch mir dem Mädchen und mit der Mutter adfi.iden müssen." Do» Abraham antwortete trocken: „Wollt Ihr morgen bei der Trauung nieiner Tochter anwesend sein, so werdet Ihr da« Ende diese« unangenehmen Handel» erfahren." Rasch« vermochte in jener Nacht kein Auge zu schließen, so begierig war er auf de» Ausgang. und am nächsten Tage, sobald der Anstand e« nur gestattete, eilte er nach dem Palaste. Hier war alle» in voller Geschäftigkeit und Betvegung. eine Menge Gäste au« alle» Ständen strömte herbei und der Rabbi halte Mühe in die Nähe Do» Abraham'« zu gelangen, der von den Bornehmste» der Stadl umgeben war, den Rabbi aber ans« höflichste willkommen hieß. Die Feierlichkeit begann. In dem mit Marmor gepflasterten Hofe erhob sich ein Baldachin: unter Musik und umgeben von Fackelträgern wurde der Bräutigam unter denselben geführt, zwei vornehme Damen und ein großes Gefolge von Brautjungfern begleiteten die weißgekleidete, verschleierte Braut. Der Ehekontrakt und da« (tzelöbniß der Morgengabe wurde laut vorgelesen. der Bräutigam steckte seinen Ring an den Finger der Braut und zertrat ein Gla». worauf dir sie umgebenden Gäste in laute Glückwünsche au«bra.hen. Jetzt näherte sich Do» Abraham der Braut und hob den Schleier von ihrem Gesichte. , Allmächtiger Goti I Mirjam k" rief der Bräutigam und sank bewußtlos zusammen. Die Hochzeitaäste standen wie versteinert da; denn die Braut war nicht Don Abraham'« Tochter» sondern die Tochter der armen Frau. „Ich muß Euch jetzt da» Räthsel löse»,' sagte Don Abraham zu seinen Gästen aeivendet. ..Diese« Mädchen war frühes die Verlobte diese« Manne«. Liebe vereinte sie. doch ich wußte dir« nicht. Au» Dankbarkeit, weil ich ihn lieb hatte, und in der Hoffnung, die Berhältnisse seiner Mutter und seiner Geschwister verbessern zu können, gab er meinen Wünschen nach und wollte meine Tochter heiraihen. Erst (gestern erfuhr ick den Zusammenhang Aber durch mich soll eine Jungfrau beschämt und unglücklich lverden. So nimm sie denn statt meiner Tochter und seid glücklich:" Alle Anwesenden waren tief ergriffen, und standen sprachlos da. „Und >va« die Mitgift betrifft," fuhr Don Abraham fort, „so wollen wir natürlich nicht brechen. >va« in diesem Documente zugesichert worden ist". Jetzt vermochte aber Raschi nicht länger an sich zu halten. Er rief mit Thränrn in den Augen: „Ja. Du bist würdig, mit mir zusammen im Paradie« zu sitzen; ja ich freue mich schon auf Deine Kameradschaft." Er erzählte hierauf den Gästen seinen Traum. Jüdische Silhouette» and «alizie». Bon Rathan Samuel». >«.«dn«e ««tctfMU VIII. «er <£ftgtur. (Schluß). „Jedenfalls eine sehr gruselige Geschichte!" sagte Benzian. nachdem er zu End« war. „aber möchtest Du. Freund Gabriel, uns auch sagen wolle», ob nicht guch die auf dem Tische Vorgefundenen Nummern, die fünf Gulden und die von Dir fett jener Zeit Woche um Woche gese«ten Nummern, die nie herau«kommen wollen, nicht auch mit zu jenem Traume gehören?" „Wie, Du glaubst mir nicht?" entsetzte sich Gabriel. „Aber wa« fällt Dir nur ein!" wehrte Benzian lächelnd ab, „Dir nicht glauben! Aber so nur der Neugierde halber, würde ich Dich bitten, den dieSwochigen -Lottozettel ua« zeigen zu »ollen, denn ich setze doch voraus, daß Du <>,§ diese Woche, wie die ganze Zeit vorher, jene Rum,»er, gesetzt hast." Da geschah zum Staunen aller etwa«, wa« wir «, wenigsten erwartet hätten. — Gabriel griff nach sei«r Brusttasche und holte au« derselben einen Lottozettel herau». den er nicht ohne einen gewissen Stolz Benzian überreiche. „Merkwürdig!" konnte dieser den Ruf der -><7. wunderung nicht zurückhalten. ,J» der Thal, fünf Gulda, Satz und die Nummer», e« klappt: 7ü, M8, 10. — Endlich doch rillt Wahrheit!" Der Zettel lies wir ein große« Winderding von Hand zu Hand. — Gabriel hat eine Wahrheit gesprochen, de, war ei» Ereigniß! „Weil nun da« gar so ein seltner Fall ist," stellte,etz» Benzian mit komischem Pathos de» Antrag, „jo wollen uw un» alle die Nummern verzeichnen. Gott der Wahrheit wild gewiß unserin Gabriel diese« große Opfer, da« er heute itm zu Ehren gebracht. belohnen und ihn auf der Lotterie gegewinnen lassen." Der Antrag wurde angenommen und die Num.ner> von einem jeden von un« im Notizdüchlei» verzeichnet „Solltest Du aber. Freund Gabriel, auf der Lonmc dießmal gewinnen," begann Benzian. ihm den Loliozetikl zurückgebend, „dann mach'stDu »»«abereinen guten lag —ha?' „Ei wie! Einen guten Tag —" sprudelte Gabriel ans. der bei seinem optimistischen wesen an der Hoffnung mir z» riechen brauchte. „Hundert und noch mehr werde ich Euch mache». Und fließen wie Waffer soll der feurige Wein. — Ha. wie würde e« da lustig zugrhm!" „Und wa« bekomme ich dann?" fragte seine Fra», dir auf sich die Stimmung ihre« Manne« übergehen ließ. „Und ich?" ließ sich die älteste Tochter vernehme». „Und ich?" die zweite. „Und ich? Und ich?" zivei Kinderstiminen. „Und ich? Und ich?" äffte Gabriel lustig nach, der vou Dufte der Hoffnung schon ganz berauscht war. „Euch wnd ja alle« gehören. Zuerst, lieber Benzian, — da hören d alle unsere guten Freunde — ziehst Du im Falle de« Gewinne« meiner Frau meine ganze bei Dir liegende Baarschait. nämlich die zwölfhundert Gulden herau« . . ." „Halt!" fiel ihm Benzian lachend in'» Wort. .1» machst mir allzuriesige Fortschritte, denn Du hast ja gar um ganze zweihundert Gulden die Wahrheit übertrofsen, indem Du doch bei mir nur tausend Gulden liege« hast!" „Ei wa«!" machte Gabriel. „Ziveihundert Gulden mchr. ziveihundert Gulden weniger spielen keine Rolle. Du darfst ja nicht vergeffen, daß wir sünsundzivanzigtausend Gulde» gewonnen haben. Also, da hören'« alle unsere Freunde, du gicbst meine Baarschaft. die tausend Gulden, meiner Frau heraus, die sie dazu verwende, sich, die Kinder und da« ganze Hau-wesen schön, s«ande«armätz auszustafsiren!" „Wird geschehen!" lachte Benzian. „Vergiß nur nicht unterdeffen, daß Du morgen mit Waare auf den Jadrmarit nach Uhnow abzureisen hast!" „Geschäft gehört auf ein andere« Blatt!" erwiderte Gabriel nachdrucksvoll, „Du weißt, daß ich in dieser Ae> ziehung pünktlich bin!" Da« war wieder die zweite Wahrheit, die er au diese» denkwürdigen Abend zum Ausdrucke brachte. In der!hai sahen wir ihn tagdarauf rührig wie einen Vogel im Hofraume herumfliegen. Er affortirte mit geschäftigen, fleißige» Händen verschiedene Rauchivaaren, ordnete sie in Bündel, hals selber beim Verfrachten mit. sie auf die großen mit Stroh bedeckten Wagen aufzuladen und einige Stunden daran sahen wir ihn in seinem kleinen Einspänner hinter dem große» Frachtwagen auf den Jahrmarkt »och Uhnow abreiscn. Der Markt in Uhnow — ein kleiner Dorfflecten i» Galizien — dauert gewöhnlich zehn oder zwölf Tage, ivelche Zeit Gabriel don immer au-blieb und den Ein- und kauf der Waare für die Gesellschaft besorgte.