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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 24 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
24 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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mU. Jüdisches 1884. jkMlikll-K/A/j Fk>iIk1s>'KkilßSk itx .Isrielitislhea W-chevschrift". 11\ u ti dsochbar» im Paradi»s». Von M. Woldschmidt. — Jüdisch» SilhonkN»« a». Galijik». Von Nallian Zam » »l». (HabricI UtlKUt* bfr Viirtnrr. (Sdilufc.) — fllltrlci für d»n Familientisid: Hin nlt»r Vrowr. — Pari». — Vad»». — I. Trcifilbigt |V > H darob». — II.;{abl»n VJtbkl- — V»sl»sung br« VLihs»!« In -Ir. SS. — Jnskrai». Die Stachdar» im Paradiese. Von Dt. «toldschmibi.?ll« Raschi *> brr berühmte Bibel- und TalmuderklSrer. > «It geworden war. wünscht» er zu wissen, wen er al« Tisch- | midiKirn im Paradiese haben iverde, denn die Frommen jotlien daselbst paarweise sitzen. Nachdem er gesaftet und lange gebetet hatte. vffenbarle sich ihm Gott im Traume und tdciltc ihm mit. dass sein zukünftiger Kamerad Abraham den I verso». mit dem Beinamen Zadik, in Barcelona sein werde. Al« Rabbi Raschi die« in Erfahrung gebracht hatte, verspürte er grafte Neigung, die Bekanntschaft seine« zukünftigen > Aachl>arS schon in diesem Veden zu machen, und begab sich i» Ivlgr dessen ans den Weg nach Barcelona. Dort angelommen. erkundigte er sich nach dem genannten Abraham den verso»- Unter de» frommen täglichen Tempelbesuchern war kleiner zu finden. Er blieb über Sabbalh; er musterte alle, die »ach der Synagoge kamen, rin Abraham den Äerson Mr nicht darunter. „Endlich meinte Einer, sollte es vielleicht Ton Abraham, der Reiche, sein? Wie kommt Ihr dazu, »ach anem solchen Gvj (Heiden) zu fragen, der alle« thut, ma« So» verboten ha«^ da« ganze Jahr auch in keine Synagoge kommt und dazu speist er Unreine«! Den werde» Ihr doch licht besuchen, Rabbi Schlomoh?“ Raschi aber begab sich deniioch aus de» Weg zu Don Abraham. Al« er vor seinem Hause stand, erstaunte er sehr, r« >ur rin herrlicher Palast. „Ist da« eine Wohnung sür einen Sohn unsere« kolke«?' meinte der Rabbi kopfschüttelnd. Aber sein Erstaunen wuchs, je ivriter er kam. Diener in goldgestickter fern« liefen hin und her. vornehme Herren und Damen giagcti und kamen, prächtige Karossen rollten in de» Borhof. ille« ivar in Bnvegung und zeigte von einem lustigen &<*». E« fehlte ivenig daran, und der Rabbi wäre unverrichteter Sache wieder umgekehrt. Rur in der Hoffnung, «igrwiescn zu iverden, redete er einen Diener an. allein dcrsrlbc sühne ihn mit der gröfttrn Höflichkeit über eine breite marmorne Trepp« in rin reich au«gcstattNr« Gemach, wo er ch» zu warten bat, ivährend er ihn bei Don Abraham melden wollte. Indessen sprach der Rabbi vor sich: >E« geht doch sonderbar zu in dieser Welt. Hier lebt ei« schlechter Jude, ein Verächter de« Gesetze«, in königlichem Stanze; an anderen Onen sah ich fromme. gottr«sürchtige Rinnet mit der bittersten Roth kämpfen, in Elend und Ualkidrückung schmachten, wozu brauchen diese reichen Menschen Parodie«, da sie e« bereit« hier aus Erden grnirtzen? Renn auch der Prafler in den Himmel kommt, wozu nützt fe« Frommen dir Entsagung?' Da wurde die Thür geöffnet, und ei» hoher, schöner Ran» trat dem Rabbiner entgegen. .Ich fühle niich hoch geehrt durch den Besuch de« be« kähmien Rabbi," sagte er: „enveisrt mir die Freude. Euch längere Zeit al« meinen Gas» behalte» zu dürfen". Der Rabbi wurde ob diese« Empfange« so verwirrt, daft Anfang« keine Worte zu finden vermochte. _ *» «tachi ist betaiinilich »in« «bbreviatur 0»» “1 l«abbi Salomo Lohn Isaak'«). ' Der freundliche Wirth bemerkte seine Verlegenheit und sagte: „Ihr wundert Euch gcwift über diese Pracht i» einem jüdischen Hause." „Rein" rief der Rabbi au«, «»ichl über dc» Reichthum wundere ich mich. rbe»sowe»ig über die Pracht, aber darüber. daft Ihr dem Geber so ganz und gar nicht dankt, daft Ihr —" „Ah. jetzt weift ich. worauf Ihr abzielt, lieber Rabbi," unterbrach ihn der Mann mit lächelnder Miene; „aber spart Euer Bemühen. Ich habe nun einmal ineine VebcnSweise gnvählt und bitte Euch, einige Zeit hier zu bleiben, um dieselbe recht aufmerksam zu beobachten. Morgen ist die Hochzeit meiner Tochter, seid beim Feste gegenwärtig." „Die Hochzeit Eurer Tochter? Ihr habt wohl einen reichen Schwiegersohn?" „Rein, r« ist ein armer, aber strebsamer junger Mann, den ich liebe, wie einen Sohn." Der Rabbi wurde dadurch etwa« milder gestimmt, fuhr aber in strengrm Tone fort: „Rein, ich will nicht« von Euch wissen, bevor Ihr nicht Bufte und Besserung gelobt habt und au Euere Seligkeit denkt." .Zch hoffe in der Thal ebenso gut wie Ihr selig zu werden," autworlete der Wirth ruhevoll. Da« Gespräch wurdr durch den Eintritt eine« Diener« unterbrochen, welcher »irldeir, daft eine arme F»au mit Don Abrahain zu sprechen wünschte. „Ich komme sogleich." sagte der Wirth. „Eine arme Frau!" ries der Rabbi; „morgen hat Eure Tochter Hochzeit, und »och habt Ihr der Armen nicht gedacht, sondern laftt sie zu Euch kommen und bitten?!" „Mein lieber Rabbi, damit Ihr nicht« Böse« von mir denkt und mir nicht Unrecht «Hut, sollt Ihr selbst die Frau fragen." Sie gingen daraus zusammr» in de» Saal, wo die arme Frau wartete; sie aber antwortete auf de« Rabbi Frage: „Gaben an die Arme» sind genug au«gethcilt, ich komme keiner Gabe wegen." E« freute den Rabbi, daft sei» zukünftiger Kamerad ivenigsten« wohlthätig argen die Armen ivar. Don Abraham, richtete nun selbst die Frage an sie. womit er dienen könne. „Mit einem Rath." „Sprecht und seid überzeugt, daft ich Euch gern nützlich sein will," antwortete Do» Abraham. „Ich bin eine arme Wittwe," sagte die Frau, „und ernähre mich und meine vier Kinder küminerlich. Meine einzige Hoffnung war der Verlobte meiner Tochter Mirjam; allein er hat jetzt eine reiche Braut gewählt und läßt meine Tochter sitzen." „Weib," sagte Do» Abraham, „weshalb kommst Du zu mir, um meinen Rath zu hören? Habe ich denn Macht über den jungen Mann?' „Ja. Du hast sie, Herr; den» er soll morgen mit Deiner Tochter auf e»vig verbunden werden." Don Abraham erblasste. Erst nach einer langen Pause sagte er zur Frau: „Die Sache soll untersucht tverde»,

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