Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 22 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 88 — ab« n mußte dir Einladungen zurückweise». da « nicht einmal in d« Heimath allen folgen konnte. — Da (am ein erfinderisch« Kops auf einen rentablen Einsall. Er hörte aufmerksam einige d« schönen Predigten de» Dubnoer Maggid an. halte Acht auf die Art und Weise seine» Bortrog», merkte sich einige seiner bezaubernden Eigcnthümlichkciten. und mit diesen Requisiten ausgerüstet, begab er sich in die fernen Gemeinden, die den Dubno'er Maggid noch niemals von Angesicht zu Angesicht gesehen hatte», und gab sich dort selbst für den so srhnlichst hrrbeigewünschten Redner aus. Man denke sich nun dir Freude in den Gemeinden, al» ihnen ihr längst gehegt« Lieblingswunsch in Erfüllung ging! Der Pseudo-Dubnoer Maggid spielte seine Rolle vortrefflich, dezauderte Alles und «ntetc reiche Summen ein, ohne dag irgendwie ei» Zweifel an seine Echtheit austauchtc. — Da drang das Gerücht von diesem Pseudo-Dubnoer Maggid zu den Öhren des echte» und seiner Umgebung. Wie erstaunte ab« die Umgebung, als sie ihren angebetencn Prediger bei dies« Kunde ruhig bleiben sah! Sic gaben ihrerBcnvu»d«ung Ausdruck und drangen in ihn, « möchte doch alles Mögliche thun, um den Betrüger zu entlarven. Der weise Lehrer ab« lächelte überlegen und sprach: „Ich sehe nicht ein, daß d« Mann mich schädigt. Die Summri« und Huldigungen, die « einhrimst, wären mir doch nie zugefallen, da ich auf,er Stande bin. nach so weite» F«»e» zu reisen." — .Aber, warfen die Freunde ein, da mag er es doch unter seinem eigenen Namen thun und nicht Deinen Namen dazu mißbrauchen! Du wirst cs doch nicht ruhig mit anschr», wenn ein Fremder sich Deine« Namen» bemächtigt?" — .Warum nicht?" versetzte d« Lehr«, „anstatt mich darum zu arg«», bin ich dem Betrüg« dafür nur dankbar." — .Dankbar? Da» mörr dach seltsam " — „Ja wohl, banfbar! Denn alle ihm zuflicßrnde» Ehre»bczeugu„geu ivcrdei» dadurch nicht ihm', sondern — mir dargebracht. Die Menge glaubt den echten Dubno« vor sich zu haben, und nur diesen bewundert sie. nur defiru Ruhm breitet sich au«, und c besser der Falsche seine Rolle spielt, je weniger Zweifel i» eine Echtheit gesetzt' werde», desto größer ist da« Maß der Dankbarkeit, zu deni mein Pseudo-Ich mich verpflichtet. Unter seinein eigenen Name» wäre er mein Rivale; so ist « mein Vertreter, gleichsam mein commi« ▼oy«geur." — Dir Anwendung ergirbt sich von selbst: .Di« G'tzcn »«halten sich zu dem Einen einzigen Gott, wie d« Pseudo- Dubnoer Maggid zu dem echten. Sie sind Holz und Stein, Gold und Silb«; ab« sie geben sich oder man giebt sie für — Gott au«, für da» Wesen, welchem alle Menschen Ehrfurcht schuldig zu sein sich bewußt sind. Alle Opfer und all« Weihrauch auf den Altären der Götzen w«den demnach faktisch nur dem Einen Absoluten, dem Nanien Gotte« dargebracht." — Der Dubno« Maggid kam aber in d« That al» Gastpredig« nach den bedeutendsten Gemeinden Deutschland», unter And«rm nach B«lin. und in dieser Stadt, welche so viele Freigeist« zählte, soll er seine Predigt folgendermaßen eingeleitet haben: „Meine He«en! Ich habe einen Prozeß mit unserm lieben Herrgott, den möchte ich hier zum AuStrag bringen. Nun w«det ihr aber fragen: Warum kommst Du mit dem Prozeß von so weit h«, gnade nach Berlin? Darauf antworte ich: Ich habe bneit« all« Orte versucht, meine Anklage gegen unsern lieben Herrgott zu erheben; allein ich wurde überall abgewiesen, mit der Weisung: Der lieb« Gott ist ein gar groß« Herr, dm fürchten wir zn sehr, wir wagen es nicht, gegen ihn aufzutreten! Ab«, sagte man mir, gehe nur nach Berlin, da wirst Du ankommen, denn in Berlin —hat man nicht die g«ingste Furcht vor Gott!!" — Bon solchen rcizrndm und pikanten Causerim und Gleichnissm wimmelt e« nur so in den Werken unsere» Dubno« Maggid: Ohel Jacob, (gelt Jacob'«), Kol Jacob (Stimme Jacob'») — n hieß nämlich Rabbi Jacob — und noch mehrere. — Man braucht wirklich nur zuzugreifen, wo man'» packt, da ist e» interessant. Mögen nur noch «NP hi« Platz finden. _ (Säiufc folgt.» Jüdische Silhouette» au# Sdlijitn. Bon Nathan Samuely. i«t4kni« VIII talrirf der -Lilguer. Ja. er war weit und breit für emen großen Lügnn bekannt, dn baumhohe, breitschulterige Gabriel mit da, breiten, mächtigen Barte, der ihm auf die breite, mächtig! Brust hcruntnficl und den athletischen Gliedern, jede« für sich, möchte man sagen, eine FolioauSgabe. als wäre» sh dmiühet, sich besonder» bemerkbar zu mache» und jedem i» die Augen zu fallen, damit sie ihr Besitzer nicht eines schöne. Tage» samt und sonder» wegleugne. Gabriel belog ja auch gar keinen audern als nur sich selb«. Sein jahrclangn Gesellschafter in dem Pclzwaarcngrschaft. nämlich Benzia« Rcichmann, der ihn besser al» irgend jemand kannie. de. theucrte nicht einmal, daß Gabriel, wenn er einmal Voder Lügenmanic ersaßt wird, fähig ist. den Preis der vor ihm für die Gesellschaft verkauften Waare in doppelter Höhe anzugcbc» und sich dadurch zu Grunde zu richten. Iedensall» log Gabriel nie au« Eigennutz oder Gewinnsucht, weil i, seinem ganzen Wesen kein Aederchen von Unehelichkeit vor- Hände» war. woher c« auch rrtlärlich ist. daß ihm Benzia, Reichmann. sowohl wa« den Einkauf als den Verkauf da Waare anbetrifft, das unbedingteste Brrtraurn schenkte. Ä log blo» zu seinem Privatvergnügen, ich möchte sagen, au» reiner Liebe zur Kunst und da» auch nur die er>te» paar Male, den» nachdem er ein und dirlelbe Lüge einige Mol wiederholt, rundete sic sich in ihm zu einer überzeugende« Wahrheit ab und er hätte dann ehrlich schwöre» möge», butt er sie selber nnterlcbt habe. Thatsächlich war er von alle«, wa» « «zählte, durchdrungen, daß er oft mitten im Wom oder mitten im Satze abbrach. in d« Boraursrtzung, dag wir diese» zweifellose Factum selber tveiter ausführe» iverde«. wozu er »ns gcivöhnlich, ivenn wir e« selber nicht ihale». durch eine Handbnvcgung aufford«tk. Wir — mehren sein« Freunde, die net» init ihm verkehrten — ucrfäiimtcn selten, seinem Wunsche Folge zu leisten; sein jahrclangn Gesellschaft« Benzian Rcichma» jedoch, ließ sich krincsivcg« dazu bestimmen und begegnete nicht selten einer solchen Aufforderung mit den schonungslosesten Worten: „In dein Lügengeschäft bin ich nicht dein Theilnehm« und fühle mich bahn nicht verpflichtet, die Hälfte auf mich zu nehme». Da«, lieber Freund, ist dein ausschließliche« Eigrnlhum u»d du dürft» aus meine Theilnahme und Unterstützung nicht rechnni — deine Lügen mußt du dir selber «gänzen!" Trotzdem herrschte da» beite Einvernehmen unt« beidni Gesellschaft«« und selbst im Privatleben verkehrte» sie u> intim«, familiärer Weise mit einander. Gabriel war übrigen« dn heiterste Mensch d« Welt und in sein« Gesellschaft konnte man gar angenehme Stunden verleben. De« Wint«» pflegten wir gewöhnlich, ein Kreis von reunden und Bekannten, unt« »velchen sein Gesellschafter enzian nie fehlte, bei ihm dir Abende zu verplaudern und da gab e« kein Thema de« Gespräche«. da« ihn nicht an etwa« Selbsterlebte« erinnnte. — Einmal, an einem Freitagabend, wartete un« die Frau Gabriels mit Fischen auf. die wir un» alle gut schmcrka ließen. „Wo sind nur die Fische von einstmals!" begann bald Gabriel. „Auf mein« Hochzeit — damals waren Fische j> sehen, jedn groß wie ... ." „Wie ein Lewiatan!" griffen wir, ausgenommen Benzian. die and«e Hälfte de» Satze» auf. „Ja, wie ein Lewiatan!" setzte « fort. „Wieviel meine» Sie ist nur an Salz und Pfeffer für die Fische verbraucht worderr?" Wir meinten gar nicht und mußten dah« Gabriel selbst die Ausführung überlassen.