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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 22 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
22 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches 1884* |f»ilrtpn«6filaj|f der „Zsttklitischea Wochknslhrifl^ ttr Tubiivrr IHnonib. Vo» I*r. ütolbldjmlbl In Wkllburg o. b. L. — Jlldlsch« Sllboiiftlfn au» Otnluifii. Von 'Jlolbnn ^llhrtlt* 2 am »kl». (Udbvitl bfr Vimncr. — Au» kinkr Ul>arsrvliaft«rkdk bk« («ni Lupkilnikiibknlk» I)r. Haas« InjÖlfit. — Allerlei ^lll)UU.j|ur b«n ftauiUicntlldi: Rabblncr unb «aller. — Au» Llilsirla. — Rliiblel.Ausgaben: I. Lo,»>grlph. — U. Tainalhset. — IN. tllnsildlge Ubarab». — IV. $*btili(dK« ««ihsel. — Vluflifim« d«r SlÄlbffl In Ar. 21. — Inserate. — «rleskasien. Der Dubnoer Maggid. I Aan Nr. «Caibschmlbi ln Wellburg a. b. U. I Xubno ist «in Ort i» Pole», »»d .Maggid" ist auf ImiKtbräisch ciii Prediger. Ob Dubnv rin Dorf, ein Markt- IfUtfcn aber einr Stadt ist. und wo Dubno liegt — das tveiß Iltd n»'hrhaftig nicht, es könnte al>er aus Wunsch durch meine üiniiezionr» i», schönen Polenlandr leicht fcstgesteUt werde». Ilfrniu müßte ich erst in de» entsprechende» Büchern »ach. Ijchlage», »der gar bei pal»ischen Rabbinern ansrage», wenn «l> l^burt«. nnd Todestag und -Jahr de» Dubnoer Maggid Izknau angrbrn fällte. Sein Leben wird so ungefähr in die Ilqitn Jahrzehnte de« vorigen und die ersten Jahrzehnte de» iMinvarligen Jahrhundert» zu setzen sein. Ich will aber löi nicht durch Biographische« und dergl. über unseren «Iden die geehrten Leser und Leserinnen von „Aus der frbr**) unterl-alten. sondern durch einige Mitthrilungen I« . . . au» . . . nun. r» ist nicht zu verwundern, daß In da» jetzt kommende Wort nicht au» der Feder will; doch Ich will mich zusammennehme» und r« au»sprechr»: au» den Itztkdiglcn de» Dübnoer Maggid. I Predigten! Welche Kühnheit! Und noch dazu von einem lole,ichen Prediger, Maggid! Damit ein gebildete«, auf der Ihötl« der Zeit stehende» Publikum unterhalte» zu wollen: Iran solchen (finfall kann rbc» nur ivieder ein Prediger tata! — Ich bi» mir der Kühnheit meine« Unternehmens »ollaus bewußt — aber Prediger, wie der Dubnoer Maggid. •>*t f* überhaupt nicht mehr. Er ist rin klarer Kopf, ein Mn Denker. und unerschöpflich in der Erfindung von Aeichmssen. um die subtilsten Gedanken anschaulich zu mache», ud diese Gleichnisse sind so lustig und dabei so au« dem dbn> herau«gegriffm, daß man nicht weiß, wa» man zuerst >» diesem originellen Menschen bewundern soll. Wenn Scharfü»i> da« besondere Vermögen ist. da» Verschiedene zwischen Ichnlichem zu erkennen, und Geistreichthum da« Vermöge», Arhnlichr zwischen Verschiedenheiten herauszufinden. so »r der Dubnoer Maggid der scharfsinnigste und geistreichste Wmsch. den man sich nur denken kann. Seine Predigt- «ethode^ist die gewöhnliche de» jüdischen Mittelalter«; ti »Rbtn Schwierigkeiten an einer Stelle der Bibel oder de« Migen jüdischen Schristthum» herausgesucht und dann durch IMprechende. oftmals höchst feine und weltkluge Betrachtungen I»uder aufgelöst. Der Dubnoer Maggid, von dem einr stattche Anzahl in schönem Reuhebräisch geschriebener Werke *chond«n ist, girbt aber diese Betrachtungen und Auflösungen in abstrakter Form, sondern fast immer durch höchst «ifrnde Gleichnisse. Kurz, e» sinkt in ihm ein Fabeldichter >Mm Range» — und al« solcher soll er hier vorgeführt »ndni. Einige von diesen Gleichnissen seien hier wiedergrgeben. Cbigt Abhandlung erschien junfl ln der, b«n gkbltdeten jüö. k# nickt genug zu «mpsehlcnden lntrrnatlonalkn Rcvuk, .Auf der *®n EacherMasoch (Mal Heft), und wird durch dl« Freundlichkeit »Alw. Autor» nunmehr auch den Lesern und Leserinnen unsere« g*«u*nbl4,tf«» jum Feste dargeboten, vir hatten längst schon die pjn^jprobtn au» den Werken de» getstretchen .Maggid" ^u ver- An eine Bibelstclle anknüpfcnd, wirst er die Frage auf: „Welchen Zweck hat es» daß der Mensch immer .gierig in die Ferne greift?" Da da« Strebe» de« Menschen, da« Unendliche zu rrsassc», nie von Erfolg begleitet sei» kan», wozu ist ihm dann diese« Streben so unvertilgbar an« Herz gepflanzt?" Der geneigte Leser wird zugeben, daß dir» für einen jüdisch-polnisch-'» Prediger, einen Maggid. eine recht imposante, philosophische Betrgchtung ist. — Aber eine Antwort, wie der Dubnoer Maggid sie giebt, hat er geiviß in d e r Form »ach »irgend« gelesen oder gehört. Al« Antwort erzählt er folgende« artige Geschichtchen: E» lebte einst ein sehr, sehr reicher Man». Selbstverständlich hatte er Angst, daß sein Reichthum fremde Lüsternheit erregen könnte. und darum vergrub er seinen Reichthum an verschiedenen Stelle» in den Fußboden unter den Dielen seiner Wohnstube. Dir» hielt er sehr geheim. selbst vor seinem einzige» Sohne, denn: besser ist besser, dachte er. — Der Mann hatte aber da» Unglück, vom Schlage getroffen zu tvrrden und ohne Testament da« Zeitliche zu segnen. Der einzige Sohn beerbte ihn; al« er aber die Kassrnschränkc öffncte, fand er zu seinem Schrecken lauter leere Räume. — Rach einiger Zeit entfiel dem Sohne ein blanke« Thalerstück; da« rollte schnell dahin und war. ivie e« so zu gehen pflegt, absolut nicht mehr zu finde». E« blieb nicht« mehr übrig, al« den Fußboden aufzureiße». um den Thaler zu suchen — der Tlsaler war nirgend« zu finden; aber wer beschreibt seine Ueberraschung? Da findet er unter den Dielen einen Topf voller Ducatrn! Er sucht immer weiter nach dem Thaler — den Thaler findet er nirgend«, dafür aber aus Schritt und Tritt neue Schätze, die der Pater, ivie wir ivissen, unter den Dielen vergraben hatte. Der Thaler blieb verloren, aber >var die Mühe, ihn zu suchen, auch verloren, da er dadurch so reiche Schätze entdeckte? — Run denn: .da« nie erreichte iel unsere« Streben« nach dem Unendlichen, da« ist der Haler. Wird die« Ziel auch nicht erreicht, so werden auf dem Wege dahin doch alle dir ungeheuer reichen Schätze gefunden, welch in Natur und Geist vergraben liegen. — Ein andere« Beispiel: Der Prophet Malcachi thut den Ausspruch im Namen Gotte«: „Von Sonnenaufgang bi« Sonnenuntergang ist mein Name berühmt unter den Heiden und aller Orten wird Räucherwerk dargebracht meinem Namen." Der Dubnoer Maggid wirft nun ein, bafj die Thatsachen ja dagegen sprechen, da ia die Heiden eben darum Heiden sind, iveil sie nicht Gott, sondern Götzen verehren. Diesen Einwurf beseitigt er durch folgende reizende Anekdote: .Einst lebte ein bedeutender Prediger, Namen« Dubnoer Maggid. Dieser Prediger war außerordentlich beliebt und berühmt, und die größten Gemeinden wetteiferten, ihn zu einer Gastprcdigt zu bewegen. Er that da« gerne, denn e» war nicht nur ehrenvoll, sondern auch recht einträglich. Mit der Zeit kamen aber die Bestellungen auf Gastpredigten so zahlreich, daß e« ihm unmöglich war, allen Einladungen Folge zu leisten. Sein Ruf war in die fernsten Länder gedrungen, nach Deutschland, nach Frankreich — Berlin. Pari«, München. Marseille, kurz jede größere jüdische Gemeinde wollte ihn hören, ihm Reisekosten vergüten und reiche« Honorar für den Bortrag geben,

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