Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 22 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.Nicht weniger." ergänzte er. »alt zwanzig Lentner il; und eben soviel Pfr...." .Pfeffer!" stimmten wir pflichtgemäß im Choru» ein. .Und doch" fügte sein Gesellschafter Benzian hinzu. I.klagten damal« alle Gäste darüber, daß die Fische weder Uial'cn noch gepfeffert seien." .Du hast e« also auch schon gehört?" fragte ihn Aabriel. froh über diese Zeuqenschast. .Nicht einmal schon," lächelte Benzian. .Wa« Wunder? E« sprach alle Welt davon. — Bon Um das« Du n gehört?“ I .Bon Dir selber!" lächelte Benzian. I .Und Du glaubst daran nicht?" fuhr Gabriel auf. I .An da« Ganze wohl nicht, doch an die Hälfte." .Du glaubst also nur zehn Centner?" .Nein, ich glaube nur. da« die Fische weder gesalzen iod) gepfeffert ivaren." Ein andere« Mal wieder bemerkte einer von un«, Mrr»d wir bei vollen Gläsern saßen, daß heuer eine sehr Luc Weinlese zu erwarten sei." .Gute Weinlese!" zuckte Gabriel verächtlich mit den Achseln. »Was da schon jetzt eine gute Weinlese sein kann! tzon einer solchen tanii ich Euch ei» Geschichtchrn er." Udriel gab un« mit dem Finger da« Signal zum Einfallen. .Erzählen!" fielen wir alle, ausgenominen Benzian, ein. »Ja, erzählen!" wiederholte er beifällig. .Wäret Ihr f»ng> zu.?" .Zu höre»!" fekundirte unser Chor. »Sv hön nun." degan» Gabriel, indem er mit großer tzchaglichkeit alle fünf Finger einige Mal durch den Bart sichren ließ, so daß dieser sich in fünf Partien auslöstc, mag im Jahre »34 gewesen sein — doch, daß ich nur Inchi lüge, nicht damalü war e«, sondern im Jahre 835 — «der ne»,. just im Jahre 834 war e«. Da lud mich in «mein Städtchen >n Ungarn einer meiner Freunde in seine» vemgartrn. Wa« soll ich Euch da Biele» erzähle»? Da Augen die Traube», jede einzelne dreimal so groß, al« eine pitze Pomeranze. Denket Euch »u» mein Erschrecken, al« « plötzlich in meiner Nähe wie Kanonendonner losging. .Sa« ist da«?" wandte ich mich schreckensbleich an meinen ' ilnisrrund. .Nicht« — enie Traube ist geplatzt." enviderte »und da zeigte er mir eine ganz zerplatzte Lraube, von dklcher der Saft sich strom»eise ergoß. »Der Saft häuft sich >» den Trauben in so üppiger Fülle," erklärte er mir. »daß sie bersten müssen, was emen solchen Knall verursacht, kliisang» schrak ich jede Minute zusaminen, al« so jeden Augenblick von verschiede»«, Seiten solche Kanonenschüsse >«->ngm, doch grtvöhnte ich mich nach und »ach daran. Tm Garten mußten wir nicht« desto weniger bald verlassen, *»n die Ströme schwollen so hoch an, daß wir bald bi« « die «nie m Traubensaft umhergingen." .Und wißet Ihr wa« dann weiter geschehen ist?" beeilte sich Benzian fortzujetzen, .die meisten »teure der Stadt sind •on diesem ewigen Traubendonner am Ende taub geworden »»d etwa« gegen zweihundert in den Saftstrümen ertrunken!" »Da« letztere scheint etwa« üt>ertrieden." wendete Gabriel «>, .wa« jedoch da« Taubwerden betrifft, mag e« seine ^>chtigkkit haben, denn als »ch Jahr« darauf wieder in jenem Lradtchen war, fand icl' di,, meisten Leute stocktaub." (Forlsesung folg,.) A»s einer Lharfreitag-rede des Herrn Supenntendenlen vr. Hasse ln Wien. » . . . Der Abscheu, welchen ich vor der antisemitischen Ekwegung empfinde, zwingt mich, immer wieder auf dieselbe pnückzukommen. Ich sehe dabei ganz davon ab, daß ich den Juden viele liebe, treue, hochachtungswürdige oreunde zähle; haben wir doch erst vor wenigen Tagen Mann begraben, von welkem ich bezeugm kann, daß n «»er der besten, edelsten, »errhrung«würdigsten Menschen war. die ich in meinem ganzen Leben kennen gelernt habe, den uneigennützigsten Patrioten und Menschenfreund. Ignaz Kuranda. der ein Jude war. Aber der Antisemitismus an sich, diese Mischung von Haß und Lüge. Bosheit und Engherzigkeit, Intoleranz und Gemüthaverrohung. muß in dem Herzen jede« Freundes der Wahrheit, der GcisteSfrciheit. der Gerechtigkeit und der guten Sitte, da« Gefühl jener Verachtung Hervorrufen, welche der Gemeinheit überhaupt gebührt. i Oder kann e« etwa« Ungerechtere« gebe», als wenn man da« Recht, seinen Glauben zu bekennen und nach sciuem Glauben zu leben, zwar für sich in Anspruch nimmt, aber Andern verweigert? Wir beklagen un« darüber, daß der Protestantismus in Tyrol, in Spanien und Italien unter den feindlichen Anschlägen gegnerischer religiöser Fanatiker noch viel zu leiden habe. — Werden wir, wenn wir gerecht sein wollen, den Druck, welchen die katholische Kirche in Schivrden auSgesctzt, nicht ebenso beklagen müssen? Und wen» wir über dir Verfolgungen der Chrnren, unter ivclchcn dieselben im alten Rom zu leide» hatten und welche ihnen in den heidnischen und muhamedanischcn Ländern Asien« und Afrika« noch heute bereitet werde», empört sind, dürfen wir zu gleicher Zeit auch nur gleichgültig mit zusehen. wenn in christliche» Ländern seiten« der Christen die Jude» dasselbe Loo« erfahren, dürfen wir c« dulden, daß man die Juden bedrückt, verfolgt und mißhandelt? At« da« Christrnthum im alten Rom sich auszubreitcn begann, wurden, um die Geiniither gegen die Bekenner der neuen Religio» z» empören, die unglaublichsten Märchen gegen dieselben im Bolle bereitet. Man sagte: Die Christen schlachten Kinder, sie trinke» bei ihren geheimen Zusammen» künften gierig Menschrnblut. sie esse» ^i)e»sche„fieisch D^r altlateinische, christliche Apologet Minutiu« Felix erzählt un« im v. Eapitel seine« Buche« diese und »och andere entsetzliche Dinge, welche de» Christen zur Last gelegt und von der uiigcbildrtcn Menge bercitivillig geglaubt wurde». Werden nicht heute von christlichen Fanatiker» ganz gleichartige An» schuldigungrn gegen die Juden erhoben? Ist e« nicht eine wahre Schmach für unsere Zeit, daß die zur Verhetzung der Christen gegen dir Juden im Mittelalter aufgebrachten verlogenen Märchen: die Juden schlachte» Christenkindcr und genieße» deren Blut im Osterbrod — heute wieder aufgewärmt, unter die Massen geworfen und als Agitationsmittel gegen unsere israelitische» Mitbürger verwendet werde»?" Allerlei für de« Familientisch. JUkkinrr mm» Aitser. Der Graf B^ugert erzählt in seinen Memoiren folgenden intereffanten Fall au« dem Hofleben Napoleons. Er war 18t 1 in Düsseldorf und empfing dort die Spitzen der Behörden de« Großherzogthume« Berg. Auch die Geistlichkeit aller Culte wurde zu einer gemeinsamen Audienz befohlen. Der Rabbiner stand in der Mitte; zur Rechte» hatte er den Dekan de« kathol. Kapitel« (da kein Bischof da war) und zu seiner Linken den ältesten» evangelischen Geistlichen. Alle 3 waren sie Greise (der Rabbiner scheint die polnische Tracht, wenigsten« den langen Rock getragen zu haben). Da« Bild erregte die Heiterkeit der Höflinge, aber der Kaiser blieb ernst. Mit bewegter Stimme sprach der Rabbi: .Sire, die Diener der Religionen, welche denselben Gott anerkennen, dieselbe Moral predigen und sich gleichmäßig bemühen, nur zuweilen mit verschiedenen Mitteln, die Menschen auf Erden tugendhaft und eine« beffern Leben» im Hiinmcl werth zu machen, haben sich vereint, um die Bezeugungen ihrer Ehrfurcht dem zu Füßen zu legen, welcher, ein neuer Cyru«, unsere Tempel wiedergebaut, unsere Altäre wieder errichtet und unseren Festen die alte Ehre wieder gegeben hat. Sie verheißen