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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 20 (1884) · p. Seite 78

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
20 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
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Dampf und neigte seinen Kopf ein wenig, um ju sehen, ob faen^ Wasser im Keffei sei. Plvblich — fühlte er einen chen Schmerz im Kopfe. Blut strömte wie ein Wassertrahl aus seine Schultern. Der Heizer Szölösy hatte mit hochgeschwungenem Hammer den Unschuldigen niedergestreckt. Saum war Krau« rücklings niedergestürzt an die eiserne Wand, al« er auch da» Gefährliche 'einer Vage begriff. Die Wand mußte ihm einen Stützpunkt dielen, Aber Sz. schwang den Hammer zum ziveiten Male, seinem Opfer den Garau» zu machen. Doch mit löwenhafter Kraft und Wuth stürzte Srau» aus ihn zu. packte ihn am Halse, warf ihn zu Boden und drängte ihn hinau«! Ein gräflicher Schrei ertönte, der Mörder Sz. war von der Maschine auf eine schmale, geländerlose Brücke und von da in die Theiß gestürzt. Dumpf und schwer war den» armen Strau» der Kopf. Er fühlte sein Ende nahen. Dr>ch vorher wollte er noch die Reisenden retten, die ruhig, nichtsahnend dasoßen. seiner Leitung anvertraut. So mühte er sich, den Dampf adzuschließru. damit der Zua zum Stillstand gebracht iverden könnte. Doch die Kräfte schwanden und er tonntk sich nicht nach link« wenden, denn nach recht» hin war er gefallen; auch die Bremse vermochte er nicht zu drehe» und sie zurückzuhallen, denn die Schraul'e war zu Schande», so daß auch ein gesuuder Mann alle Kraft aufbieten mußte, uin da« fertig zu bringen, wie auf Adlerflügeln flog der Hug donnernd und brausend mit gedoppelter Dampfkraft dahin. Die Reisenden wurde» von dem Don »ergeben use au« dem Schlafe geschreckt. Die nächste Station ward durchflogen — und auch auf der nächsten Haltestelle, wohin die Schrrcken«kunde telegraphisch gemeldet worden war. konnte man dem Zuge nicht Halt gebieten. Die Bahnwärter schwenkten die rvthen Fahnen, dir anzeigen. daß eine große Gefahr nahe; auch der Eoudurteur, der auf einer kleinen Erhöhung über dem Dache eine« Waggon seinen Sitz batte, erkannte, welch' Furchtbare« drohe. Da« Schreien der Beamten und der Wärter nach dem Zugführer ließen die Reisenden ahnen, wa» ihnen bevorstehe. Furchtbarem Angstschrei folgte grause Stille — Seufzen und stille«, verzwkiftlte« Weinen. Der Zugführer setzte sein Leben eiu, um die Verzweifelten zurückzuhallen. welche durchaus au» dem Wagen springen ivolllen. um so in sicherm Tode Rettuna vor dein Berderbe» zu suchen. Da beschloß der ztveite Schaffner sich zu opfern. — Er kroch zur Maschine hin. um Rettung alle» oder sich den Untergang zu bereiten. Doch noch keinen Augenblick hatte er sein Wagniß begonnen, da — Entsetzen und zugleich Hoffnung, denn ihm tönt ein Pfiff der Lokomotive entgegen. Krau« hatte nach KV Minuten der Bewußtlosigkeit sich wieder emporgerafft und die Versuche erneut, den Zug zu retten. Der Zug fährt langsam in eine Station rin uud teht auf dem Geleise. Alle Angestellten stürzen auf die Lokomotive, um die Ursache de« Geschehenen zu erkunden und finden den in den letzten Zügen liegenden «rau», wie er nur mühsam noch die Augen offen hält und sich abmüht, den Dampf abzuschließen. Die Bremse schließt der ztveite Schaffner hinter ihm. Krau« erzählt noch, in kurzen, abgerissenen Andeutungen. wa» ihm geschehen und gicht seine muthige Seele im Kreise der ihn bewundernden und anstaunenden Kameraden auf. Nach 3 Tagen zogen Fischer den Körper de« Szölvsy au« der Theiß; hierdurch wurde die Ursache de« Räthsel« vollständig aufgehellt. Dieser Mörder war der Schwager de« Antisemiten Geza Onodv. Hie Semit, hie Antisemitl Die Wahl kann nicht schwer fallen! Jüdische Silhouette» au» Galizier». «on Rathan Samuely. uutrtf«|t.| VL Iluser Z>a»ids«ß«. (Schluss) Nach einer so komischen Sterbcscene. ist e« selbstverständlich, daß die Gäste keinen Augenblick Bedenke» trugen, *) In vor. Rr. tft S. 71» am Schluß d. Z. 86 ». o. da« Wort .lob" »»«gefallen. fl Jankele« letzten Willen zu befolgen. Die Musik intonir» und' mit hellem Jauchzen bewegten sich alle Hochzeittgji» tanzend um ihn herum, wobei der Eine oder der Andere e« nicht ermangelte, dem todten Jankele ein volle« Gläoche, Wein in den ausgesperrtea Mund zu schütten. Jetzt eis, folgte da« lustige Nachspiel. Ein langrdehnter Schall au» irgend einem Blasinstrumente, da« die Posaune de« jüngste, Tage« vorstellte. verkündete die Aufrrslchung und schon beivegte sich au» dem zweiten Zimmer unter einer Gruppe von Fackelträgern eine Gestalt mit einem Flachsbarte, ange. than mit einem weißen, weitfaltigen Mantel, den Propheten Elias vorstellrnd. Prophet Elias trat mit feierlich ge> meffene» Schritten auf den Todten zu, beugte sich über ihn nieder und hauchte ihm dreimal in den Mund. Just „ach dem dritte» Hauche, fuhr der todte Jankele mit wahrer Berserkerwuth empor, wischte sich rasch den lveißen Puder au« dem Gesichte, da« dadurch wieder die natürliche Farbe erhielt, und war so wieder lebendig. Run erreichte die Freude ihre» Höhepunkt, iudem die Musik lärmend einsiel und Alle« wa» Beine hatte, mir dem auferstaudene» Jäkel um dir Wette herumtanzte. Die so eigenartige Darstellung einer Sterbe- und Aus. erstehung»scene verfehlte auch nicht die scanne Kritik irgend kine« Kunstverständige» unter dem Publikum hervorzurusea und dieser konnte i» diesen» kleinen Städtchen kein anderer gewesen sein, al« Berele Baß. Baß »annte man Berele nicht nach seinrm Familiennamen. sondern nach dem seine« Berufe«, er war nämlich Baßgeigenspikler. dann sah er auch selber mit seinem große», struppigen Kopfe. seinem mächtigen, hochgewölbtrn Brultkaste« und seiner athletische» Gestalt, wie eine koloffale, etwa« unförmige Baßgeige au». Dazu l>«sab er eine Brummbärenstimine, die sogar, ivenn er sich Mülfe gab. weich und sanit zu sein, »och immer dem Knarren und Knattern einer bewegten Wäscherolle glich. Berele that sich viel auf sein Kunstverständniß zu Gute und da« nicht ohne Grund, den« er hatte einst zwei Jahre in Berlin gelebt und dort den berühmten Schauspieler Dawidsohn oft austreten gesehen. Diesen nanutr er immer mit großem Stolze .unser» Dawidsohn". Selbstverständlich konnten die Produktionen de« Lustigmachrr« einem kunstsinnigen Manne wie Berele Baß. der .unsern Dawidsohn" auf der Bühne gesehen, nicht zusagen. ,Wa« ist mir da» für ein Gespenst" pflegte er immer zu kritisirru, .da» zwischen Lichtern erscheint, eine Pfeife raucht und wie rin halbgeschlachtcter Ochse schreit und brüllt'? Da muß man im Hamlet da« Gespenst gesehen haben. In dichter Finsterniß. die nur hie und da von einem grellen Blitz durchleuchtet wird, taucht rk auf. al« hätte e» die Erde ausgespien, schleicht unheimlich im Dunkeln, stumm und düster und wen» e« den Mund zum Sprechen aufthut, io kommt ein hohler, klangloser Ton wie au« dem Gral>e. >o daß einem Grause» ersaßt. Da« war mir ein Gcs;>en'i! Und wa» da» Sterben betrifft, da« vermag nur .unser Dawidsohn", man hätte schwören mögen, wie lebendig" Auch dem Jankele gegenüber »ahm Berele Baß kein Blatt vor den Mund. .Wir können Sie e« nur ivagen" mußte der Marschalek oft von ihm hören, .eine Sierl>erollt zu spielen, wenn sie unser» Dawidsohn nicht gesehen haben. Sie stellen e« ja zu ungeschickt dar. Nicht so geschwind stirbt man, Freund Marschalek! E» muß vorangehrn: ei» Sittern, ein Beben, dann ein Wanken mit den Füßen.' nd um ihm da« zu veranschaulichen, fing er selber mit de» Füßen zu scharren und zu stolpern an, daß dadurch ein kleine« Erdbeben im Zimmer entstand und schier der Lien zusammrnstürztk. .Dann muß man e« verstehe»", fuhr er fort, .die Augen starr und gläsern zu machen, auch an dal Röcheln darf man nicht vergessen". Und da fing er selber zu brüllen, gleichsam zu röcheln an. daß alle Umsicliendea laut auffahren mußten. .Lachen Sie nur," pflegte er immer hinzuzufügcn, .zu sterben ist keine leichte Sache. Da« mul

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