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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 18 (1884) · p. Seite 70

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
18 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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— 70 — Frau Birk erklärte. darüber doch nicht allein entscheiden zu könne» und setzte den Schrllenzua in Bewegung. Jokel er« schien. Tr blieb einen Augenblick überrascht a» der Thüre stehen, dann ging er mit dem Au-rnfe: .Jakob!- sehr freundlich auf ihn zu und reichte ihm dir Hand. (Schlus, solgii. Jüdische Silhouette» au» Galizien. Bon Ratha» Samuely. in<u»dni« imicti-it.) V. p«* * sonöertare Itzeak. (Sdjlub' „Aber für den Fromme». Gotte«sürchtigrnfragte Awremele. .Der Fromme. Gottesfürchtige zieht geradewegs in das lichtige Gen Lden*) ein. Dort empfangen ihn unsere Patriarchen Abraham. Isaak und Jakob auf ihren goldenen Stühlen. Tausend sonnige Engel harren feine« Winke«, die ihn auf dem .Tellerl de« Himmels" ein Stück vom Lrwjatan reichen . . . Glaubet mir. Reb Awremele, da« schmeckt fein, supper fein!" .Ist e« nur sicher so?" suchte sich Reb Awremele zu vergewissern. .Sicher wie ich lebe!" beil>euerte Red Schmerel. Diese« Gespräch beivirktr. ich möchte sagen, einen Szenenwechsel in dem ^.'eben de« arinrn Arb Awremele Klausner. Der Höll'nspuk verschwand und aus der Leben»bühne tauchte ein sonnige« Ideal auf — im Monate Nissan sterben. Seine rege leichrbrwegliche Phantasie hatte jetzt einen grobe», weiten Spielranm: der Tinzug in» lichtige Gen Tden, der Anblick der Patriarchen auf ihren goldenen Stühlen, die tausend sonnigen Engel und da« Stück Lewjata» auf dem „Trllerl de« Himmel«". Awrrnlelr Klausner war zwar kein grober Feinschmecker, aber so viel wußte er immerl>in, daß so ei» stück vom Lewjata» viel erträglicher fei. al« ein Hieb von so einen! .Malach Ehabo>e" mit tausend Frurraugen.— Ach. lörnn er nur im Monate Nissan sterben könnte!" Wa» der Mensch wünscht, daran glaubt er, da« ist rin alte« Sprüchwort. Awremele wünschte im Monat Nissan zu sterben und glaubte daher immer in diesem Monat, er sei sterbenskrank. Da« ganze Jahr lebte er in der Hoffnung, den Monat Riffan zu erreichen, er that auch sein Möglichste« sich am Leben zu erhalten, er pflegte sich besser al« vorher, und versäumte keinen Monat da« Neumond«gebet .Kiddusch Lewonc" genannt — nach einer alten Tradition eine bewährte Assekuranz gegen da« Sterben in diesem Monat — zu verrichten; im Monat Nissan hingegen unterließ er e«, sich in di^er Weise gegen den Tod zu assekuriren, legte sich mit der stolzen Stirne eine« glücklich Sterbenden in'« Bett, da« er nicht mehr lebendig zu verlassen hoffte und schickte um zehn Mitglieder der Ehewra Kadischa,*) damit sie mit ihm da« Sterd-gebet verrichten. Diese machten gar große Augen, denn in der ganzen Zeit chrer vieljährigen Praxi«, kam ihnen noch nie ein so gesunder Sterbender vor und hörtm sie noch nie Einen mit so kräftiger, vollkommen ungeschwächter Stimme das Sterbegebet verrichten. Wa« ist natürlicher, al« daß der arme Awremele schon einige Tage drauf da« Sterbelager völlig enttäuscht verlaffe» mußte, denn gesetztenfall« daß auch «ine Krankheit vorhanden gewesen wäre, müßte sie ja vor der Glückseligkeit weichen, die sich seine« ganzen Wesen« bemächtigte. geschweige denn, daß von einer solchen gar keine Spur war. Da» verhinderte ihn jedoch nicht, sich Jahr« darauf in dem ersehnten Monat wieder sterben-krank zu fühlen und um die Mitglieder der Ehewra Kadischa zu schicken. Jahr um Jahr wiederholte sich dasselbe, so daß die Mitglieder der heiligen Brüderschaft in diesem Monat immer in Lorau« wußten, daß sie zwischen heute und morgen bei Awremele zu Gaste sein werden und einmal machte der Vorsteher dieser Brüderschaft gegen Awremele in halb scherzhaftem "1 Da» •) Der heilige» Brüderschaft. halt verdrießlichem Tone die Bemerkung: .Wen» Sir sich Red Awremele nächstes Jahr um diese Zeit wieder einmal einfallen laffen, ein bi«chrn sterben zu wollen, so werden 3if die Güte haben, sich zn un» herüberzubemühen — solch«, Sterbenden kann Bewegung durchaus nicht« schaden!" Unterdeffcn verstrichen mehrere Jahre und Awrcmelc erreichte noch immer nicht sein Ideal. Da» ganze Jadr starb er nicht, iveil er sich zu leben bemühetc und im Monai Nissan lebte er. weil er gar zu übermäßig sterbelustig war... Da geschah e« einmal, daß ihm Gott in seiner Barm- Herzigkeit, eine tüchtige Lungenentzündung zuschickte und zwar — man denke sich die Freude — just im Monat Riffan. Alle» Ernste« lag jetzt Awremele zu Bette — allen Ernste« dehauptete der Arzt, sein Zustand sei ei» höchst bedenklicher — allen Ernste« fanden sich bei ihm dir Mitglieder dcr Eheivra Kadischa ein, um ihm da« Sterbegrbet abzuhören. daß er. wie r« sich gehört, mit hauchender, kaum hörbarer Stimmc verrichtete — allein diese verwünschte, übermäßige Tode», freudr war r« ivirder, die ihm Lebenskraft verlieh und de» Entwickelung-gana de, Krankheit störte, so daß dem Arinn, bevorstand, wenigste»» »ach der Behauptung de« Arzte«, halb da« Belt zu verlassen. — Diesmal jedoch schien die Wirdergenesung nur ciu kleine Neckerei de« Schicksals gewesen zu sei», den» die Krankheit — sei e« von sich selber oder verursacht durch einen von ihm begangenen Diätsehler — erneuerte sich wieder, trat mit verdoppelter Behemenz auf und nahin einen reißenden Fongang. Möglich, daß die verwünschte Todeafrrude, die bei dieser Äelegenlreit sich seiner beinächtigle, ihm wieder einen Strich durch dir Rechnung arma ht hätte — allein dic-inal gesellte sich der Krankheit ei» Umstand dei. der ihr bedeutenden Vorschub leistete und dieser war — die Furcht Awrruicle nämlich sah Tag nach Tag von diesem Monat vrrstrei>hen. ohne daß er noch gestorben war und vor diesem erschreckenden Umstand wichen seine zähen Lebensgeister zurück, so d>rß der Tod. der nicht viel Mühe mehr dabei hatte, barmherzig hrrannahte und sein schwaches Leben-lichtchen au»blies — zwei Tage nach dem Monat Nissan. » « Awremele also erreichte sei» Ideal nicht, wie ja über Haupt die so raschbeflügclten Ideale sich nur selten von un« beim Zipfel soffen lassen. — Trösten wir un« jedoch mit der Urderzeugung, daß jene» tausrndäugige Hüllengrspenst ihn nach dem Tode sicherlich verschonte, da r« ihn ja. Dank der Affenliebe und der Erziehung seiner Eltern, von seiner Kindheit an in allen möglichen SchrrckenSgcstaltrn schon genug, mehr al« genug gequält und gemärte« hatte. — Die Leja» Stiftung in Altona. Der im Jahre 1870 verstorbene Herr Benjamin Lej-i hat außer dem auf seine Kosten 1868 erbaute» Stifte in der großen Bergstraße, welche« mit Mk. 60.000 fundirt ist. »och eine zweite Schenkung gemacht, von deren Zinsen zunächst ein zweite« Stift errichtet werden soll, welche« zum ehrende» Andenken an de« Stifter« Baler« „Joseph Leja-Stist" fl benennen ist. E« sollen hier ebenfall« Freiwohnungcn u. a. für solche Personen geschaffen werden, welche au« besseren Verhältnissen unverschuldet zurückgetommen sind, die keine«- wea« von allen Existenzmitteln entblößt, und denen Vorzug«- wei e in der Befreiung von der Sorge um die Miethc eine große Erleichterung zu Theil wird, ohne Unterschied der Eonfession in der Weise, daß bi» zu einetn Dnitheile der Bewohner Israeliten, dagegen zwei Drittheile derselben christlicher Eonfession anaehüren müffen. Die Administration, bestehend au«: Gust. Hell, Ferd. Rudolph«, und Ad. Kauffmann, hat dem Wunsche de« fteigch'gs» Stifter« gemäß im Jahre 1882 i« der großen Gärtnerstrape einen schönen arondirten Bauplatz, 124 887 s^-Fuß. äugekaust für Mk. 73 100, und ist auf einem klein« Theile de«-

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