Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 18 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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.* 1«. Jüdisches 1884. |r«ilrt0n*|riliigr der ^srselitislhr« Wßlhtvslhrist". Inhalt: »Der goldene Boden" dm« Erzählung von B. Hause. cFonsetzung». — Jüdisch« Sithouelien ans Galizien. Bon Rai ha »Samuel«. Da» sonderbare Ideal. <Schlus>.1 — Die Leja-«lislu»a in Altona. — Allerlei für den Familie,«lischt D> Messiasqlaude. — pichen der Zeit. — Berlin. — Pari«. — Die Zukünit. — Jüdische « ohl thii ti gke ti S b elveile: Pest.— Iialien. — Bauonne. — Rew Kort. — Drinkspruch auf bei - . . - - - . - ■ - ■ dem vlerien Ntemeindetag, am iS. April >881. — Jnseraie. Anfrage. Der goldene Boden. " Eine Erzüdlinig von B. Hause. »nl»ri»,I., (Fortsetzung ) Nach drei Jahren erfrunftc Jakobs Mutter an einer heftigen Lungenentzündung und erlag derselben. Der alte Vliimrnseld konnte diesen Verlust nicht verschmerzen. Er fühlte sich vereinsamt, da er sich nicht dazu verstehen mochte, ,u seinem Lohne zu ziehe» und sich von seiner Schwiegertochter abhängig zu mache». Er fing an zu kränkeln und nach Verlaus eines Jahres folgte er seiner Iran im Grabe nach. Jetzt lvstand für Jakob's Fra» kein Hindernis mehr, der Venvirklichuug ihres längst gclfegteu Wunsches, in eine größere Stadt zu ziehen, näher zu trete». Jakob Blumenselb ivar rin reicher Man». Dir Hinterlassenschaft seiner Eltern war sehr («edeutend. Auch seine Schwiegereltern nun» vor einige» Jahren grstvrbeu und hatte» rin ansrhnlicheS.Vcrinögen hinterlassrn. das er mit zivei Brüdern seiner Frau zu »heilen hatte. Den Bichhandel hatte er längst ausgrgcben und dafür da» (Vetreidegeschäft um so eifriger betrieben. Er war dabei viel mit einem Berliner (Getreide- Händler in Beziehung gekommen. Er associirte sich jetzt mit dusem, verkaufte feine schöne» Liegrnschasten i» Brixcnhause» und siedelte nach Berlin ülvr. Jetzt war seine Frau ganz in ihrem Elemente und niachtr rin große» Haus. Er und sein Geschäststheillraber dehnten ihre geschäftlichen Beziehungen sehr aus und trieben das (Yetrcidegeschäft im großattigstrn Maßstabe. Auch ivurdr Anfangs ansehnlicher Erwerb gemacht Mehrere Spekulationci, gelangen vorzüglich. Tann kamen aber Geschästskrise». ivclchc Verluste brachten. Tiefe sollte» durch neue, noch größere Spekulationen wieder ausgeglichen werde», welche aber vollends mißlangen. So wurde noch mehrere Jahre fvrtgrkämpft und gearbeitet. Da lau, plötzlich ein große'» Getreidegrschäft zum Falle, von welchem man sich dessen nicht versehen hatte. Das Blumenfcld'schr Geschäft war mit starke» Posten dabei bctl-ciligt, ging aber ganz leer aus, da das vorhandene Acttvvennüqr» sich al» so unbrdeutciid lferausstellte, daß auf die Gläubiger nicht» davon entfiel. Dadurch wurde auch die Blumen, feld'sche Finna zum Falle gebracht. Jakob Blumenfcld war plötzlich ei» anner Mann grivvrdeu! Durch Wechsel, mit welchen er sich zu retten versucht hatte, ivaren auch seine Schwäger stark in Mitleidenschaft gezogen worden, so daß sie nichtmehr für ihn zu thun vermochten. Er stand daher ganz verlassen und hilflos da. Er mußte jetzt seine Pracht- Wohnung aufgebc» »ud eine kleine Wohnung in einem .Hinirrhause beziehen. Da hier kein Raum für seine Möbel war. so mußte er de» größten Theil derselben, sowie die koübaren Vorhänge und Teppiche verkaufe». Von dem Erlöse fristete er und seine Familie eine kurze Zeit da» Lebe». Es ivurde ihm hier und da wohl Gelegenheit gegeben, durch ^allergeschäfte Etwas zu verdienen und er bemühetc sich auch redlich; aber rS reichte nicht au« für feine Bedürfnisse. Er hatte sechs Kinder und seine Frau verstand nichts voni Haushalte. Das machte ihm da» Fortkommen sehr schwer. Eie fing zwar an. sich den HauShaltungSgeschäflen zuzuwenden; aber sie faßte Alle» verkehrt an und der Haushalt verschlumpte. Sie selbst sah jetzt in ihren, Wesen und in ihrem Anzüge stet» vernachlässigt und vcrschlumpt au», was bei verwöhnten Luxusdamen, wenn sic in ihren Vcrmögrn»- vkrhältnissen in Rückstand gerathr», gar keine niigrwöhnliche Erscheinung ist. Die langen Schleppen thaten ihr jetzt noch gute Dienste. Sie wurden abgeschnitten und zu Kleidern für die beiden Tüchterchen verarbeitet. Jakob'» Lage wurde immer trauriger, und er sowohl, al» feilte ganze Familie mußten nicht selten dir bitterste Roth leiden. 18. Die Verhältnisse Jokcl'S geslalietcn sich mit läge vorthcilhafter. Seine Kundschaft breitete sich immer au», so daß er seine Gescllenzahl »och vermehren mußte. Nun gab e». wie das wohl in jedem Geschäfte der Fall ist. in jedem Jahre einige Monate, in welchen die Arbeit sich nicht so sehr häufte. Er sah sich daher, »>» keinen seiner gut eingeübten Gesellen entlassen zu müssen und dadurch spätere Stockungen i» feinem Geschäfte zu veranlasse», um diese Zeit jedesmal genöthigt, auf Porrath zu arbeite». Dieses brachte seine Frau aus den Gedanken, einen Schuhladen cinzurichten. Jokel stimmte nicht dafür. Er wünschte gar keine weitere Ausdehnung seine» Geschäftes mehr und ivar mit dem Bcr-; dicnstr, den er machte, vollständig zufrieden. Da aber seine ' Frau immer wieder aus diesen Plan zurückkam und sich hauptsächlich des Ladengeschäftes anzunehmen versprach, ging er endlich darauf ei». Er verlegte die Werkstättc in de» Hiutertheil de» Hauses, ließ die eine Vorderseite im Erdgeschosse des Hause» zu cinrin Ladc.i umbauen und eröffnete ein Schuhgeschäft. Da er hier nur sclbstverfcrtigtc Waare zum Verkaufe brachie, für deren Güte er cinstchen konnte, so nahm das Ladengeschäft einen ungeahnten Aufschwung. Die dadurch nothivcndig gewordene weitere Vermehrung des Arbeitspcrsvnals verursachte natürlich Jokel auch einen ZulvachS der rigencn Dhätigkeit und machte es ihm unmöglich, nunmehr auch noch, wie bisl-er, die schriftlichen Geschäftsarbeiten selbst zu besorgen. Es stellte sich daher in dieser Beziehung das Bedürfuiß eines Gehilfe» ein. Er ließ deshalb in einigen Berliner Zeitungen die Annonce ergehen, daß ei» mir schriftlichen GeschäftSarbciten vertrauter Mann in seinem Geschäfte gegen eine Vergütung von jährlich 1200 Mark jeden Tag einige Stunden Beschäftigung finden köune. Da er für sein Geschäft die Firma seines Schwiegervater» beibchalte» hatte, so wurde natürlich auch die Annonce unter dieser Bezeichnung erlasse». In einer der ersten Vor» iniltagSstunden des darauf folgeudeu Tages erschien rin anständig ausschcnder, aber ärmlich gekleideter Mann in dem Laden Jokel»'«. Die junge Frau Birk befand sich allein in demselben. Der Mauii mochte sie für eine bloße Laden» gehilfin halten und fragte sic, ob er nicht de» Geschäftsinhaber sprechen könne. Frau Birk bedeutete, daß sie die Ehefrau desselben sei und er ihr daher sei» Begehren auch sagen könne. Ihr Mau» sei augcnblichlich in der Werkstättc beschäftigt und lasse sich nicht gern iiören. Er sagte nun, daß er Jakob Blumcnfeld heiße und hier wohnhaft sei; daß er die von ihnen erlaffcitv Annonce gelesen habe und bitten wolle, ihm den betreffenden Posten übertragen zu wollen, da er in allen schriftlichen GcschäftSarbeiten wohl erfahren sei.