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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 15-16 (1884) · p. Seite 59

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
15-16 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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Jrattptf eia brave« Mädchen au« achtbarer Familie und liebt in so guten Verhältnissen. daß er bereit« da« elterliche Hau« z» seinem schuldenfreien Ligenthum gemacht hat. Er [erftrut sich ol« fleißiger und geschickter Handwerker und Lut*! Mensch allgemeiner Ächtung und Liede. Den Wettjfcnt der beiden Brüder untereinander, bei welchem von chncn die Mutter ihre Tage zubringen solle, hat diese dadurch «^geglichen, daß sie ab,vcch«lung«weise je rin halbe» Jahr dki Einem derselben verlebt. 16. Iokel hatte da« Geschäft seine« Schwiegervater« überw«mcn. behielt alxr dessen Firma bei. Sein Schwieger- MtrT hatte sich völlig zur Ru>>e gesetzt und mit seiner Frau d,» mittlere Stockwerk seine« Hause« bezogen, wahrend Iokel mb seine Frau da« untere Stockwerk bewohnen, in welchem sich auch die Werkstätte befindet. Da« (Geschäft nahm seinen gewöhnlichen Fortging, ja die Kundfchaft erweiterte sich sogar «ch und nach sehr, da die Feinheit und Solidität der au« tiefer Werkstätte hevvrgehenden Arbeiten stet« dieselbe blieb. Da auch die häuslichen und Familen-Berhältnifir Iokel'« recht ^üitliche waren, so halte er alle Ursache mit seinem Schicksale Mieden zu sein. Und er war die« auch! Eine« Tage«, als Iokel eben in der Werkstätte beschäftigt war, trat plötzlich Han« Sach« bei ihm ein. Er tzaitc die Schicksalswendung seine» Freunde« erfahren und ihn ausgesucht und auch glücklich gesunden. Er sah sehr terunlrrgekommen au« und hatte bedeutend gealtert. Iokel slog mit einem Freudenschrei an seinen Hal« und küßte ihn herzlich. Die Gesellen machten große Augen. Han« Sach« «der fing gleich an zu deklamiren: »Wehl mil der Letmluchi VeNelwone A» manch» Thür» klopf!' ich an. Doch ward dem Wand'rer trink Psanr, «ein Herz dem Herzen ausgerban. Wenn Andre kalt mich anfgegede» Und meinen Lledeedurst verddhni, Hasi Du mich mil dem kargen Leben Wich mil mir selder ausgesiibnt." Iokel sühne ihn in seine Familie, wo er nicht minder jmtndlich auigeiivnlmen wurde. Er war schon lange ohne Irden umhergelauten und sehnte sich wieder nach Beschäftigung. Intel gab ihm Arbeit in seiner Werkstätte, ließ ihm im Hause an kleine« Zimmer einrichten, da« ihm zur Wohnung anhewiesrn wurde, und läßt ihn in seiner Familie an seinem lischt mitessen. Die Wanderlust ist seitdem nicht wieder bei chm eingekehrt. Er betrachttt sich al« zur Familie Iokel'» tchärig und wird auch von dieser so angesehen und behandelt. Seit einem Jahre kann er fast gar nicht mchr «beiten. Er ist ein schivacher Greil geworden, nicht an Jahren, aber seinem Aussehen und seiner Schwäche nach, jfr genießt auch in der Jokel'schen Familie dir Pflege eine« solchen. Die Linder Iokel'» klettern aus seinen Knieen umhn und nennen ihn Onkel. (Sonfetzung folg,.) Jüdische Silhouette» au# Galizie». «an Aaihan Samuel«. T. P«* s«»der§«re Ibeok. (S«nse»ung.> Ein andere« Mal ging er auf der Gasse und bemerkte änen Hund, der zufällig neben ihm herlief. — „Hm. der hat ">> schr verdächtige« Aussehen — versäumte er nicht die dvslmche Beobachtung zu machen . . . Schr verdächtig. . . Die Zunge hängt ihm weit herau«, der Schweif zwischen den «inm . . . Schaum vor der Schnauze, und siche, er dreht Nch im Kreise herum . . . Alle Symptome treffen zu . . . «lchrr rin toller Hund... Wa« jetzt ansangen? Da schleicht « heran und beißt ihm in die Wade und selber muß er daun bellen und heulen, ganz wie ein Hund ... Mit einem ängstlichen Schrei srbt er davon, der Hund ihm nach. Er Ae ihn bellen. Wie ein Rasender stürzt er mit einem Vchreckrn«rufe in eia Hau«: Gewalt! .Ein toller, ein wüthender Hund!!- Wieder ein andere« Mal sah er einen Polizeimann sich entgegenkommen . . . Etwa« scheint e» ihm, der Polizeimann sehe ihn mit einem lauernden Seitenblick an . . . Verfolgt er ihn nicht seit einer Stunde schon? Jetzt ist e« ihm klar, warum — Da« sind die Stiefel, sicher die Stiefel! Vorige Woche hat er bei einem Unbekannten ein prar schon getragene Stiefel gekauft, die er jetzt trägt. — E« läuft ihm kalt über den Rücken. Bor einigen Wochen fand mau in einem nachbarlichen Dorfe einen erschlagenen Bauer . . . Sicher de« Ermordeten Stiefel. Der Polizeimann erkennt sie! Jetzt fällt auf ihn der Verdacht, man wirft ihn in Ketten, schleppt ihn in'« Gericht, er wird «erurtheilt!. . . Da« Ha.ir sträubt sich ihin zu Berge... Er muß sein arme« Leben am Galgen lassen!! In ähnlicher Weise schuf er sich selber die Werkzeuge, mit welchen er sich zu Tod« marterte. Da« Leben, über welche« er so schr zittrtte, fing nach und nach an. ihm verhaßt und ekel zu werden, so. daß nicht selten in ihm der schreckliche Gedanke de» Selbstmorde« erwachte. Um auf einmal alle diese Seelenmarter lo« zu werden, hätte er wahrscheinlich diesen Gedanken auch zur Au»sührung gebracht, aber ein sonderbarer Umstand war e« wieder, der ihn daran verhinderte. . . . Eine« Tage« nämlich körte er zwischen zwei Klausnern rin Gespräch führen, da« eine magnetische Kraft auf ihn ausübte. Sie unterhielten sich nämlich über die Vorgänge nach dem Tode, über da« sogenannte Ehibut Hakewer.') Rasch verließ er seinen «itz hinter dem Ofen und stand neben ihnen mit gespitzten, vorgrstreckteit Ohren, dir ivie zwei Schwämme die gesprochenen Worte aufsaugten. . . „Giebt e« denn wirklich nach dem Tode soviel de- Schrecknisse?" mengte er sich wißbegierig i» ihr Gespräch. .Eine schöne Frage da«!" eiferte sein College Reb Schmerrl Klausner .Pflaume» mit Sauce giebt mau Einem gewiß dort nicht zu kostet!. Wa« fragen Sie da viel V Man hat sein schöne« Auskommen!" Awrrmele'« Aufmerksamkeit wurde angespannter. »Und wenn Einer einen gotteafürchtigen Lebenswandel geführt und Tugend und Frömmigkeit geübt?" forschte er immer wißbegieriger. .Dann hat er allerdings himmlischen Lohn zu erwarten, aber in jedem Falle bleiben ihm die ersten acht Tage nach dem Tode Oie Schrecknisse de» Grabe«. da« heißt da» .Ehibut Hakewrr", nicht erspart." Awrrmele erschauerte in allen Gliedern . . . .In jedem Falle!" entsetzte er sich „Und warum da«?" ,Hm. für die Sünde der ersten Menschen!" . . . „Und worin bestehen jene Schrecknisse?" drängte Awremelr neugierig. „Da hoben wir e« eben in dem heiligen Kabbalabuche gelesen. Vorerst erscheint der Malach Ehabole"), ein tausendäugige« Höllrnscheusal, und sührt mit seiner riesengroßen Feuerruthe einen donnernden Schlag gegen da» Grab, so daß diese» in zwei Theile gespalten wird und der Todte Mo» zu liegen kommt!" „Und dann? Und dann?" drängte Awremale mil selbstquälerischer Wolllust. „Dann fährt e« wie Donner und Blitz au« dem Munde diese» tausendäugigen Höllengespenste«: ..Erdensohn, nenne Deinen Namen!" .Hui!" machte der zähneklappernde Reb Awremele. „da vergkht Einer vor Schreck!" „Ich glaub'«!" stimmte Reb Schmerrl bei. „Aber sagt mir nur." fragte Reb Awremele, ,,wa« antwortete der Armesünder auf diese Frage?" ..Da« versteht sich von selber, daß der Armsünder bei so einem unerwarteten Ueberfall so „vertammelt" wird, daß er die Sprache verliert, aber da fährt ihm schon die riesen» •> «rabesschrecken. —) Der Engel de« Verderben».

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