Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 14 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 55 — I .Wo» ist geschehen? Wa« ist geschehen?- schrien alle Em«1cure wirr durcheinant 1. die ebenfall« schreckensbleich Et den Betten fuhren. | .Rettet «Luch! Rettet Luch!- kreischte er, indem er scheu Ed ängstlich durch dir geöffnete Thüre. durch ivelche er ge- Edcn. die Land hineinslrrckte und mit dem Finger nach einer Mttllc am Plafond zeigte. | „So redet doch, ivarum retten?" drängten in ihn die Eldiiack« au« dem Zimmer stürzenden Hausleute. E .Dir Ritze . . . Der Plafond . . . Alle« bricht zu« Eimen!- stieg er in sinnloser Verwirrung hervor. I Erst »ach schweier Mühe gelang t* von ihm zu er« Eren, iva« ihn in so wahnsinnige Furcht versetzt hatte. I Aivreinele nämlich, dessen Sinnen und Trachten nur Eauf gnichtrt war. einen Gegenstand zu haben, der ihn zu Mede quäle, entdeckte diesen in der (Gestalt einer kleinen Ritze E Plafond. — „llnb diese Ritze, ldachte er in selbstquälr« Eidxr «Grausamkeit aufgeregter Phantasie) erweitert sich zu« Ende iiiuner mehr »nft die Bretter der Wölbung sangen E morsch zu werde» . . . Es ist ja auch kein Wunder... Bo viele Zähre ... Alle» wird locker. geht au« einander... fc, welch' eine weite, gefährliche Ritze! — Er löschte da» «,bi au», ftamit er sie wenigslen» nicht sehe, diese sich i»»»er En enveilernfte Ritze, die wie ei» Schlund der Hölle ihm Eqegensährt, al>er sie will nicht mehr von srinrn Rüge» Echeu. ja. jetzt inerkl er e« ganz deutlich, daß die Decke sich En gesenkt, sehr tief... Angstschweift bedeckt ihn, er ist Ex dem Ersticken. E» ist Schutt, Schutt, der von Oben Euiiiersällt . . . Stückweise bröckelt e« sich . .. horch! Die male lnakt und wieder knak« e» und wieder... Er schnappt Lust . . . Oben hängt Alle» a» einem Haar... Kaum En Augenblick und hrruntrrkrache» wird sie, die virrzeiilrigr, Eiche Last und ihn in eine blutige, staubige, plattgrdrückte Etze venvandel» . . . Gewalt! Gewalt! Hilfe! Rettung!" | _ _ ,,>0llsktzUNg |0l||l.) (Sin jüdischer (Üedaiikeiileser. (Rlrgrntlich jfter Entlarvung de» Spiritismus in Wien »d de« an seine Stelle tretenden Gedankenlesen« wird die dNinnerung an einen Mann aufgesrisch». der Europa durch« rn'ie und der sich allerdings mit dem Rimbus de« Geheim« «m« umkleidete. Da» war der Rabbi Hirsch lanemark aus Russisch-Polen. Er kam »ach Nürnberg, »an brachte ihm auS der dortigen reiche» städtischen Biblio- (M bebräischr Manuscriptc. die er niemals gesehen haben dnnie. Er ließ durch da« Manuscript eine Radel steche» >»d konnte de» Buchstaben u»d da» Wort angeben, wo die (ladet steckte. Er verlangte, dag. während er aus dem jimmer sich entfernte. Jemand eine Zeile aus einem ihm «bekannten Buche in's Gedächtnis fassen sollte. Er kam « Zimmer zurück und konnte die Zeile angeben, welche bn Andere. ohne e« Jemandem mitzuthrilrn. sich gemerkt (ane Hier wurde also wirklich der Gedanke rinrr imnften Person gelesen. Einer der Anwesenden machte »«spöttisch-ungläubigeBemerkung.Daraus sagte drrRabbi:„Wie Nt« Sir es wagen. über mich zu spotten? Sic tragen sti> einem halben Jahre einen Brief in Ihrer Rocktasche, r* Sic dem Adressaten nicht übergebe» haben. Der Brief « so und so viele Zeilen-. Der Angercdete griff in seine »acktaschr. der Brief fand sich wirklich vor. den er zu be« «Im vrrgeffen halte, und der Brief hatte genau so viele änlen. al» angegeben worden war. Unter dem Auditorium ^ndn, sich viele wiffrnschastlich gebildete Männer': das Wunderkonnten sie jedoch nicht erklären. Der Schreiber Zeilen sah de» Rabbi Dänemark, al« der „Wunder- “Jfo" bereit» in der Decadence war; allein er konnte doch **?> Gedanken lesen, wie wir r« beschrieben haben, und er "Voinrtr auch sonst durch Leistungen, welche sich durch die **»» de« Gedächtnisse« allein nicht erklären lasten. Dennoch •“"d ««, einem seiner Wunder de« Gedankenlesen« auf die Spur zu kommen. Tr besah eben die Gabe. Antworten zu erzwingen, ohne daß da» Publikum e« merkte, und er machte die Sache so rasch und so gut. daß man gar nicht ahnte, wie er da« Geheimnih zu entdecken vermochte. Eine Verbindung mit Geistern wird man aber bei ihm doch sicherlich nicht annehmen. In jüngster Zeit fehlte e« nicht an Versuchen, um da« Dunkel, in welche« derartige Erscheinungen falle», wissenschaftlich aufzuhrllen. Diese, Versuche, zumal ivrnn sie von wissenschaftlichem Ernste getragen sind, sind gewiß danken«, iverth. Es ist nun wissenschaftlich sestgestellr. dag die Muskel« thätigkrit sowobl bei der Anspannung, wir bei der Erschlaffung elektrische Strömungen erzeugt, und indem man von der Analogie der induzirtcn elektrischen Ströme.bei zwei nalieliegendk» Drähte» ausgrht, glaubt inan, dag auch die Muskelthätiqkeit de» Einen ähnliche Vorgänge bei Andere» erzeugt, wir auf diese Art gewisse Erscheinungen zu gewisse» Zeiten einen epideinischen Eharakter angenommen haben. Namentlich epileptische Zustände envcise» sich in dieser Art ülirrtragbar. Der Veitstanz wurde im Mittelalter zu einer Epidemie und auch jetzt kan» i» einer Schule en, mit Veitstanz lvliaftrtc« Kind l»e> Mitschüler» bedenkliche Erscheinungeu Hervorrufen. Beispirlc dieser Art lasse» sich sehr viele aubriiiftrn und c« ist die Frage, in ivelcher Ursaclse der Reiz zur Rachalimung begründet ist. Hält man nun an der Hgpothcse von den induzirtr» elektrische» Strömen fest, so müßte man annehinc», dag mit jedem Gedanken eine elektrische Strömung verbunden ist. dag der Gedanke de« Eine» bei dem Andere», der sich dafür rinpfänglich erweist, eine ähnliche elektrische Strömung erzeugt, dass er somit univill« kürlich in dem Gedanken de« Anderen leben, dag er somit auch, da der Mensch nur in Worten denkt, auch da» richtige Wort für de» Gedanken de« Anderen finden müsse. Auf diese Art liege sich das Gedankenlesrn erklären. Allerlei für de« Familientifch. Dein „((Mufti!»" rutnehineu wir diese ausführlichere Notiz über Prof. Hüll's Expedition »ach Palästina: „Er hat unter andcrin die alte Küste de» Meerbusen von Suez und Akabah in einer Höhe von -'00 Fug über der heutigen nachgewiescn, wonach also da» ganze (Gebiet um so viel sich gehoben yat. Pros. Hüll glaubt ferner, dag zur Zeit br» Auszuges der Juden aus Aeggptcn das Mittelländische »iid da» Rothe Meer zusainmcngrhangcn haben; wen» sich diese Ansicht bestätigen sollte, so würden alle mit jener biblischen Erzählung verknüpften Fragen von ganz anderen Prämissen an« zu behandeln sein! (Unserer Ansicht »ach würde damit der biblische Bericht nur »och klarer und leichter zu dcmonstrircn sein. «Er führte sic nicht den Weg zum Lande der Philisterscheint freilich etivas gegen die neue Ansicht anzukämpfrn. R. d. W.) »Das Tobte Meer stand nach H»ll einst 1400 Fug über seiner heutigen Oberfläche. d. h. 150 Fug über derjenigen de» Mittelländischen Meeres. Auch hat er Spuren einer cheinaligen Secnkctte im sinaitische» Bezirke und einer solchen im Mittelpunkte de» Wadi Arabah, unweit der jetzigen Wasserscheide. gefunden. Nun erst wird ea möglich sei», eine vollständige Theorie über die Entstehung jener merkivürdigcn Depression auszustcllen, und dieseloe wird in vielen Einzelheiten von der Lortct'schen abwcichcu. Ferner wurden die Terassen des Jordan untersucht. deren wichtigste 600 Fuß über dem jetzigen Spiegel de» Tobten Meere» liegt, und fcstgesteUt, daß die angrenzenden Berge und Thäler bereits cxistitten. ehe das Wasser seinen einstigen hohen Stand erreichte. Außer seinein wissenschaftliche» Berichte wird Prof. Hüll eine populäre Rcisrbeschreibung (im (juarterlzr Statement of tke Palestine exploration fund) veröffentlichen, während Hauptnlann Kitchcner» Lartenausnahme». weil er selbst Nil aufwärts beordert wurde. Mr. Armstrong übergeben wurden, welcher Jahre lang bei der Aufnahme von Westpalästina becheiligt war