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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 11 (1884) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
11 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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— 48 — Ijit ihr Leben dabei auf» Spiel setzten, wohl die Worte I tzschers zu: .Und bin ich verloren, so sei ich verloren." Die I spätere Zeit legte da» religiöse Moment und die tiefste Jnner- I lichkeit. welche die bloße Thatsache von der Errettung der I Zu den schon in der Darstellung de» Buche» selbst hatte zum I klusdruck gelangen lassen sollen, in den (Gebeten vor und «ich der Verlesung der Mrgillah nieder. Ein ganz andrer, rin echt prophetischer Geist schuf die tzestalt eine» Bileam. — Die Israeliten befinden sich im I Lnjordanlande. Sie haben die Emoriten überwunden und kr moabitischc König Balak. dessen Nachbarn sic nun ge- »orden. fürchtet sie. Er laßt daher seinen Freund Bileam, »clcher bei Edomiteu und Arabern den Nus eines großen Leder» und Zauberer» genießt, dringend bitten, zu ihm zu iommen und ihm als Zaul>errr behilflich zu sein. die Jsraellttm au» ihren eroberten Wohnsitzen zu vertreibe». Bileam fdbit ist ein frommer Anhänger und treuer Diener Gotte» ,ud durchaus unbestechlich, «»und gebe mir Balak sein tau» voll Gold u. s. w.j. folgt jedoch der Einladung Balak» miersen» au» Freundschaft, andrerseits von einem Voruttheil gegen Israel beherrscht, welche« im allgemeinen durchaus berechtig« nwr, iveil zu damaliger Zeit in Unterägbpten, woher die Israeliten doch gekvmmeu waren, viel nomadische» (stennlH'l dauste. Kaum jedoch hat er da» Volk kennen gelernt, so bat er auch schon sein Voruttl>eil abgesttcift und furchtlos ipncht er z» Balak: .Wie soll ich fluck-en, wenn Gott nicht stickst": uud lvcnn er daun auch dasselbe ausspricht, wa» später Haman gesprochen: Sieh, ei» Volk al>gesondcrt lagert er» u. s. w., so verbindet er damit doch einen ganz ander» ein» al» jener. Nur in religiöser Beziehung sieht er iu 3»rad ein Volk, er schaut seine herrliche Zukunft und erkennt Isnne große geschichtliche Aufgabe mit wunderbarem Sehcr- I iiige: ..JA» sehe in Zukunft rin Ster» tritt hervor au» Jakob". Schluß ruft er. durchdrungen von dem Gedanken, daß ff mit diesem Volke geistig eng verwandt sei, die Worte lut»: „Mein Ende sei.dem scinigcn gleich!" Der Fluch de» koruttluil» wird zlim Legen der Erkenntniß. Wie wir also in der Geschichte Haman» und dem Buche lfitder eine» Wandel de» äußeren Geschicke» von Israel erdlicken. so führt un» die Ekrstalt und da» Auftreten Bileam'» tuen Wandel der äußeren Ucberzeugung von dem inneren Berti* de» israelitische» Volke» i» lebliafte». dichterischen Lccncn vor Augen. Redner schließt im Hinblick auf da» Purimfest, mit der Aufforderung. diese» Fest nicht als SiegrSfest zu begcl*». sondern als einen lag, au welchem wir au» der Hand unsrer Fände errettet wurde». E» ist da» Fest der Emanzipailon: Wir tvcrden niemals verkauft werden! J. L. Die Löhne Lems.*) »Herr Inspektor!" — .Na. >va» giebt»?" Sie wollten »m 6'/, Uhr gerveckt sein und c» ist so weit: aber e» ist böse» Wetter, Sturnr, Schnee, Regen und Glatteis. Sic Verde» zu Fuß nicht sottkommen". So. na ich danke, ich komme sogleich hinunter, überlege» Sic inzwischen, wie ich M einem Wagen komme!" Zehn Minuten später war ich »nte» im WirthSzimincr mit der trüben Aussicht aus einen joritiqai Reisetag, den» rin Schneesturm auf den Höhen de» Hundsrück ist just kein Pappenstiel und wer da in einer Dorfichenkr einschncit. muß c» halt verstehe», sich in Geduld zu sossen. — Allgemach belebte sich das Zimmer; die WitthSieule mit Kind uud Gesind samineltc» sich um den Morgcnhsch; eine tvandernde Topfhändlersamilic bereitete sich ihren nugalen Morgcnimbiß. während 2. iSr. Bichändler. ein alter »nd ein junger Mann, in dunkler Ecke stumm austauchtcn. In Erwartung nreine« Kaffer« und eine« Wagen« wandere *h wm hundertsten Male da« Zimmer aus und ab, erquickt k>om Zuspruch de« alte» Mose«, daß da» Wetter heute tvohl so anhalten würde. E» schlägt 7 Uhr; wa» beginnen da die Söhne Sem»? Bedächtig entblößen sie den linken Unterarm bi« über den Ellenbogen, heben aus der Tasche einen langen, vielgebrauchten GebetSricmen und wickeln ihn kunstgerecht um Hand und Arm und ungestört durch die Hantierung aller übrigen Anwesenden starrt der Alte vor sich hin, leise seine Gebete murmelnd, während der Jüngere gegen da» Fenster gewendet seiner Andacht oblag, die er in 10 Minuten beendet hatte, während der Alte längere Zeit gebrauchte. Endlich wickelte auch er feilten Riemen zusammen uud nun setzten sich beide zum Morgentisch. — Hm, eine jüdische Morgenandacht, der »achzudcnkcn ich vollauf Zeit hatte, denn mein Wagen kam noch lange nicht, da wohl noch die Pferde scharf gemacht werden mußten. — Merkwürdig; — ich sah einmal einen alten türkischen Derwisch seine Andacht in mitten des Lärni» einer größeren Stadt verrichten; ich sehe die Juden andachtsvoll ihren Ritualgcsetzen obliege»; sehe die Katholiken ihre Andacht allerott-m üben und bestände sie in einfachster Weise auch nur im Schlagen de» Kreuze» — nur der evangelische Ehrist scheint e» mit dem Worte: .Löeuu du aber betest, so gehe in deine Kammer und schließe die Thür hinter dir zu" ängstlicher zu nehmen al» nöthig erscheint. Sollte da» recht sein und braucht er sich seine» Glauben» vor Andersgläubigen zu schämen? Ich meine, nein, und wen» schon wir'« nicht mit denen halten, die nach der Pharisäer Weise sich au die Ecken der Gassen stellen, aus daß sie von den Leuten gesehen werden, so erscheint r» doch reckst billig und einem Ehristenmenschcn wohl anständig, daß er Farbe bekennt und sich seine» Gotte» und Glaubens vor der Welt nicht schämt. — WaS ist den Sühnen Sem» in unseren Tage» nicht alles nachgercdet worden und vielfach gewiß mit Recht: die» aber dürfen wir ihncu zum Ruhm nachsageu, daß viele treu anhangcu ihrem Gesetz und Glaulvu uud in gewissenhafter Befolgung ihrer religiösen Satzungen gar manchem Ehristenmcnschcn Muster uud "Vorbild sind. Und wenn man ihre häusliche Kiuderzucht, ihr mäßiges, nüchterne« Leben betrachtet, so darf un» da» mit mancher Schattenseite im Eharakter de» geivöhnlichen Handelsjudeu versöhnen, wie denn dock; auch die Beispiele wahrhaft edel deukeudcr uud bandelnder jüdischer Männer nicht selten sind. Ich denke da in erster Linie an den alten Sir Mose»." Lprechsaal. Die im red. Briefkasteu der .Wochenschrift" so apodiktische Vcrurtbciluug de« Eaviar al» rituell verboten, bedarf doch eiucr Einschränkung. Bei dem im Handel al» sogenannter Elbeaviar vorkommenden ist entschieden der Ausspruch ^2 K2C KSCH P Klfrn am Platze, denn dieser Eaviar besteht au» einer Mischung der verschiedenartigsten Fischrogen, darunter auch von solchen Fischen, die wegen Mangels an Schuppen und Floßfcdcrn rituell verboten sind. Der freilich viel kostbarere Astrachancaviar aber wird nur au» den großen glasigen Rogenkörnern de» Stör, des H an > en uud de» Sterlet bereitet. Alle diese 3 Fischatten entsprechen den rituellen Anforderungen*) und tvcrden auch von den süd- und westrussischen Juden ohne Anstand gegessen. Warum sollte nun bei vorhandener Gervißhcit, daß keine gegen da» Ritual verstoßenden Manipulationen volgekommen sind Astrachaner Eaviar verboten sei»? Der .kleine Meyer" dieses allezeit zu Auskünften bereite Nachschlagebnch envähut übrigen« ausdrücklich .rothc» Eaviar für die Juden au» Hechten, Karpfen, Karauschen, in Italien aus Thunfischen, Brassen, Acschen, in Nonvegc» aus Dorschen, Makrele». Längen." Eaviar au« dem Rogen verbotener Fische ist verboten, all» dem Rogen zum Genuß ettaubter Fische bereiteter Eaviar ist erlaubt, nur im Falle eine» Zweifels würde, da es sich um KN'-IIKA TID'K handelt KlOin*? zu entscheiden sein. *) Da« l(i beim Ttör sehr fraglich. (Red.» Earo-Pilsen. 'i Hut .Schule und Hau»".

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