Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 10 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
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— 89 — Urtt Amme mit einem kleinen Pausback auf dem Arm und ihr-ich'wollte kaum meinen Nutze« traue« — wackelte zweite Amme heran ebenfalls mit einem thaufrifchen kgrii an der Brust .... jgulx die Ehre die Mitglieder meines Bereine« vorzu- |rii‘ jagte Meierl der Ehewrrinacher mit heiterem Pathos von elnetn zum andern führend. .Hier mein Aeltster kvd. meine Pepi, mein Joachim, mein Joseph, meine kleine I,i — und diese beiden wackrrn Herrchen" deutete er auf ] loden Säuglinge in den Arinrn der Ammen „gelang e« m riiiem Jahre und zwar gleichzeitig für meinen Verein [miHrlKit — ent Zwillingspaar!" Ltwger konnic ich die Lachlust nicht bezwingen und fast enville» platzte ich i» ein laute» Gelächter lv». ..Lachen Sie nur" sagte er in überguellender Freude. Lti mir lacht da» Herz, wenn ich sie »nr a»sel)e. meine fiun Mitglieder. — Nicht wahr, sic bilden schon eine Gei>!>i>c>saminlung? Aber ich behaupte mich dcnnoch als ^iident. ganz ander», als bei de» anderen von mir gegründete» m><», auch das Verrinscapital nimmt gottlob mit jedem!»^>cpe zu. — Nicht wahr, meine wackeren Mitgründeri»," |nMr er sich an sei» holdselige» Weibche» „nicht wahr, Du mit Deinem Präsidenten zufriedenV" Die wackere Mitgriinderin erröthete in züchtiger Scham, dag ihre volleii, rundlichen Wangen in »och rosigerem tic erschienen und um ihre Verlegenheit zu verbergen, bückte i sich zu den Kindern nieder, kühle ihnen die kleinen frischen und kommandirte sie zugleich zum Rückzüge. die in und Glied, wie sic gekommen waren, in ihr Hauptunicr — in die große Äintxrt'tubf — abmarschirtrn. ..Ist da« nicht der schünsie Verein" fragte er mich ■minintcn, bevor ich mich von diesem glückliche» Paar idschicdetc. „Ist da» nicht der schönste, segeincichsle Verein, ich je im Leben gegründet habe'?" Ich mutzte ihm au» vollcni Herzen bcistimmen. Allerlei für de» Familientisch. Aerki«. Allen Freunden und Verehrern de» Abge» »men Ed. Lasker dürfte die Nachricht van Interesse sein, bi der Bildhauer E. Watrieben die wohlgrlungene fenraiidüslk de« Dahingrschirdcnen. US £ti». hoch, mvdcllirt welche von der Firma Jos. Ecrigioli Wwe. hier, Koch- ^age 3, vervielsaltigt worden ist. R Mie», 22. Februar. Noch sind dir Wuthausbrüchc ludrnsrcssrrischr Ncichsbote» >» den Räumen unsrrr» lartamente» nicht ganz verhallt und schon «nutz ich Ihne» über ein antisemitische» Scaiidälchen berichten, dessen auptatz der Gerichtssaal war. Der Hergang der Sache iolgcnder: Es geschah nämlich am 22. Dezember im Wirt 1H83 de» Heil» in dem AnSbachrr Bicrhause zu Wien. sich unter anderen Gästen auch ei» au» Antiskiniten eichende» Kränzchen einfand, um sich »ach altväterlicher nse a» dem edlen Gebräu gütlich zu thu». Daß bei schönen Gelegenheit auch die Judenfragr aus da» kam. wrr.'kn Ihre geehrten Leser schon im Voraus »ihen haben. Unter der Gesellschaft befand sich auch der «eidliche Advokat vr. 2. ein gar ivackerer Kämpfer im itmle unter den antisemitischen Mhrmidonen, der seine «fische und sonstige Brredtsamkeit dem Fähnlein, ivelche» seiner Führung anvertraut, geweiht hat. Zwischen 'tjem Advokatm und einem zufällig anwesend gewesenen «nnderathe unserer Stadt kam e» zu einem Wortwechsel, welchem Letzterer dem Erster« vorhielt, daß er sich zur '«Mung eine» hier bekannten obskuren Blatte» herbeissien habe, „wa» kein anständiger Advokat thun >«rde". Diese Zurechtweisung empfand der Jünger der «i» al» eine Ehrenkränkung, welch« Gegenstand einer »fgerichtlrchen Verhandlung wurde. Dieselbe endete mit J Arrurtheilung de» Angeklagten und die — antisemitische «ord gerettet. Allein all' die» ist nur Nebensache und hätte auch für un« Juden kein Interesse, wen« nicht dieser Proceßfall eben da» Programm der hiesigen Antisemiten an da» Tageslicht Sefürdert hätte! Dassrlbe lautet gan^ lakonisch: „Alle!uden müssen au» Oesterreich hinau«, die nicht gehen, werden erschlagen". Mit diesem Programm trat ein hiesiger Buchhändler. Namen» Auer. aus. Selbstverständlich hat e» ungktheilten Beifall gefunden. Die saubere Sippschaft machte sich daran, dasselbe wenigste»« symbolisch zu verwirklichen. Besagter Advokat präseutirte nämlich aus dem Biertische ei» Paket, au« dem sich nachher zum Gaudium der Zecher ein — auSgeftopfter — „polnischer Jude" entpuppte. Da» Kunstwerk war von Berlin au», al» Ehristgeschenk, hergesendet worden. Dieser au«geslovfte Ahasver wurde Übel zugrrichtet, und somit die österreichische Judenheit in efftgi« juitificirt! Erröllte o glorreicher Stöcker, daß deine Schüler dich so tief in Schatten stellen! tzl«tzk«»d. Der Reisende Joest erzählt, daß in Sibirien viele rusiische und polnische Juden wohnen, die wegen ihrer Betriebsamkeit sehr geachtet sind. Aber auch in der Mandschurei wohnen Biele, welchen nicht, wie den Russen, e» verwehrt wird, da» Land zu durchziehen. Sie sind die Mittler zwischen Ehinesen und Russe» und sollen im Handel und Gewerbe die Ehinesen über treffen. (Hazephira.) Ackgdad. Der ljüd.) Reisende Herr Jacob Obermaier lebt z. Z. in KaSivin al» Lehrer de» Prinzen Najub al Zaltana. de» Bruders de» regierenden Schah. Dieser erzählt, daß vor 30 Jahren etwa 10000 Juden in Moschad (Khorasan) gezwungen worden sind. Mohamedaner zu werden. Das Volk hatte sie beschuldigt, daß sie am Todestage Hussein» einen tobten Hund durch die Straße getragen und damit den heiligen Hussein verhöhnt hätten. Der Mufti hatte deswegen eine Judenschlacht gestattet, in deren Folge Viele zum Schein den Turban nahmen. Im Geheimen waren sie bi» heute Juden geblieben, ohne sich mit den Anderen zu vermische», sic werden vom Volke G°did al Islam genannt. Herr Menoil -te*y, der am 30. Januar i» Paris int Alter von 02 Jahre» verstorbene Begründer der Gesellschaft s»r ewige Ruhestätten, der zugleich Präsident der gegenseitigen Hilfsgcsrllschaft „I« Mont-Sinai“ und Verwaltungs- Mitglied der Tempel gewesen ist, war ein rechter Repräsentant des Geschlechtes der ersten Hälfte unsere» Jahrhunderts und zeigt, wie in Frankreich die Entwickelung der jüd. Verhältnisse genau denselben Gang genommen hat. wie in Deutschland. Ein armer Elsäßer, war er Lehrer, (es wäre interessant, diesen bedeutenden Einfluß der Lehrer oder de» vom Lchramte in'« GeschäftSleben Abgcsprungcncn einmal eingehend geschildert zu erhalten!) konnte als solcher seine Familie nicht ernähre», zog deshalb, kühn wagend, nach Paris, wo er al» Fabrikant von Kinderspiclsachen sich eine behagliche Existenz gründete, seine Sühne sein Geschäft sortführrn und vergrößern sah. bi» aus Einen, der als Adovlat eine geachtete Stellung einnimmt. Rege und warm war er bei Vertretung der jüdischen Interessen, nach innen und außen. «Auf, der sich vor kurzem im Aufträge de» Palästina-Erforschungsverein« »ach Palästina begeben, um Material für eine geologische Karte de» heiligen Landes zu sammeln, ist mit interessante» Ergebnissen seiner Forschungen nach England zurückgekebrt. Er hat ermittelt, daß zur Zeit des Auszuge» der KinderJSrael» au« Aegypten eine Konnexionde» Mittelländischen Meere« mit dem Rothen Meere bestand Ferner hat er entdeckt, daß da» Todlr Meer sich früher ISO Fuß über dem Niveau de» Mittelländischen Meeres befand und daß Spuren von einer Kette von Seen in der Halbinsel Sinai vorhanden sind. Die große Linie der Depression de» Wady-Arabah und des Jordan-Thale» hat Professor Hüll in einer Distanz von über Hunde« Meilen taxir t