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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 7 (1884) · p. Seite 27

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
7 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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— 27 — Ltvortlid) und undankbar, ri galt aber für ei» Unvergleicht«be« Verdienst, ein» von ihnen zu übernehmen. Die Funktionen Wer Verwaltung erstreckten sich außerdem noch auf Beklei- Lng und Ausstattung Unbemittelter, aus Unterricht und Eruchung venoaister Ki»der (allerdings nur auf privatem Wege), W einmalige Unterstützung der Weiterbeförderung durchziehen» »er Armen, Begräbnißkosten für solche, die kem Vermögen hinterlassen hatten. Auslösung jüdischer Gefangenen >c., wie Jir scheu, ein ungeheurer Wirkungskreis! — Redner schließt jnne» Vortrag mit dem Zoll der hohen Verehrung, den er jmen Männern bringt, welche sich ihr lebelang in der öffentlich«, Wohlthätigkeit als Leiter und Berather liewährt hatten, .tzie werden glänzen, wie der Glanz des Himmels und die Wen zur Gerechtigkeit verholfen, wie die Sterne immer und ewig - Dr. J. L. Nebbich. lieber Leser. Du wirft Dich wundern dies Wort in diese», Blatte zu finde», in dem selbst der galizische Chcderrabbi gut deutsch spricht. »veil sonst der gestrenge Herr Retoctair ihn nicht zu Worte komnien ließe; Du wirst Dich «lnder». weil es ein Mauschelwort ist, weil cs zu den Lönern gehört, ans denen Dir der Ghettogeist der Au«- ichließung entgegcnathmrt. Und trotzdem Du e» darum veracht,i'i. will ich Dir nur sagen, daß e» ei» schönes Wort ist. Pom jüdischen Herzen hat nian schon viel geredet, von der Maliamstugknd schon oft gepredigt, — das arme verbannte Acdbich ist so rin Ausfluß des »jüdischen Lew;" sieh's nicht bi! bösen Augen an, Leser! Wir hatten eine alle, chriulichc Aagd im Elternhausr, die erzählte uns. sie habe in ihre» Mge» Jahren bn reichen Juden in der Hauptstadt als Äagb gedient. Die Leute waren kinderlos. Da stirb einst m> polnisches, jüdisches Betteliveib in der Stadt. Sir hinter- Ik& einen Säugling. Da erbot sich die kinderlose, reiche grau, das Knäblrin anzunehmrn. Die Amme mußte das »nb säuge». Cs lvar ein so herziges Kind. Und wenn tt an der Brust lag, und die reiche Frau ins Zimmer trat, rnd das schwarzhaarige Köpfchen sich umwandtr, und die große», schwarzen Augen suchend sich von der Amme Brust abwandte», als ob ihm bei all der Liebe, die ihm geboten, ein« nur fehle, — dann sagte die vornehme Frau nur ein Lörtchen: Nebbich! So erzählte mir die Magd, ihr klang da» Wort so fremd und sonderbar; aber sie hatte gefühlt, mae die reiche Frau damit sagte, und als sie mir die einfache «kfchichtr erzählte, konnte sic der wehmüthigeu Thräne nicht wehren, die in ihren treuen Augen zitterte. Cs ist ein inhaltsschweres Wörtchen, das Nebbich; welche Fülle des Mitgefühls liegt in diesen ztvei Silben ringeschlossen. Hab« mich stets gefreut, wenn ich den Schall vernahm; dann fühlte ich mich heimisch, dann wußte ich, r» schlägt ein milde», mitleidiges, ein Herz der Liebe in Deiner Nähe — an jüdisches Herz. Man l>at sich viele Mühe gegeben, das Wörtchen zu ettlären. Man tvollte so gern die .Wurzel" des Wortes linden. Das Wort hat feine Wurzel im jüdische» Herzen. Und da» Herz ist unergründlich tief wie die Ser. —r. Allerlei für de« Fa«ilie«1ifch. SUrft». Ob eine Aschen-Urne auf einem protestantische» ^rchhofe beigrsetzt werden darf — diese Frage beschäftigte lüngit da» Konsistorium. (Line Wittwe hatte, wenn wir rahl berichtet sind, die Absicht, auf einem hiesigen Kirchhofe nne Grabstätte für sich und daiieben eine andere zu erwerben, >n welcher die Aschenrcsre der in dem Feurrosrn zu Gotha ^rbrannten Leiche ihre» Manne» beigrsetzt werden sollte». «>' beantragte bei der Kirchhofs-Verwaltung die Genehmigung i» der Beisetzung der Aschenreste und der Gemrindekirchen- »ch brachte die Angelegenheit bei ihrer principiellen Trag»! weite vor da« Konsistorium. Die Entscheidung desselben > lautete, wie die .Kreuzzeitung" zu melden weiß, ablehnend, da da» Konsistorium der Ansicht ist. die Kirchhöfe seien wohl zur Aufnahme von Leichnamen in die Grabesruhe zur Verwesung. nicht aber von Aschenresten bestimmt. (Und wie. wenn die Wittwe letztwillig angeordnet, daß die Asche ihre» Manne« ihr mit in'« Grab gegeben werde? Red.) A»»g«»»zkan, 30. Januar. (Berichtigung zum Iahre»-! bericht de» jüdisch-theologischen Seminars in Breslau.) Im j vorjährige» sowohl als im diesmaligen Jahresberichte sind i folgende Worte zu lesen: .Das alljährlich bewilligte K o p p e l« man n'sche Stipendium in Prag ist einem Seminaristen aus Oesterreich verliehen worden". Diese kurze Notiz, die sich — wie ich fürchte — mechanisch durch alle folgenden Jahresberichte zu schleppen droht, scheint mir um der edlen Intention de» Stiftet» einer kleinen Berichtigung werth und nüthig zu sein. Da ich da» betreffende Stipendium während meiner ganzen Studienzeit ain Seminar genoß, so finde ich eine Befriedigung darin, durch diese berichtigenden Zeilen dem Andenken eine» edlen McnschenpaarcS, welchem diese.Stiftung gewidmet ist, zu seine,» Rechte zu verhelfen. DaS sogenannte Kopprlmann'sche Stipendium ist kein anderes, als das von unserem Direktor Frankel Sjfl zuin Andenken an seine Eltern begründete .Koppelmann und Esther Frankel'sche Stipendiums für am jüdisch-theologischen Seminar studirende Prager". Früher ist es mir vergönnt gewesen, in oiesen Blättern den autcntische» Geburtstag des seeligen Direktor Frankel zu conslatiren. Ich freue mich, durch diese Notiz dazu beizutragen, daß die Eltern diese» großen Manne» in den Jahresberichten zu ihrem Rechte kommen tverden. Rabbiner Dr A. K i sch. A»ß«r«. Eine Grundbesitzerin mosaischer Consession hatte einst mit einem Katholiken ein intimeres Berhältniß, dem zwei Kinder entsprösse» sind. Bald darauf verehelichte sich diese Grundbrsitzerin mit einem JSraeliteu und die erwähnten beiden Kinder wurden in ihrem Hause als Israeliten erzogen. Diese Kinder sind nun herangewachsen und wollen heirathen, aber kein Rabbiner will die Trauung vollzichen, da sich herauSstellle, daß die Kinder gleich nach der Geburt in einer römisch-katholischen Kirche getauft und matrikuliert worden sind. Die Mutter der Kinder hat demzufolge beim CultuSminister unter Anführung aller Umstände daß sie keine Ahnung von der erfolgten Taufe hatte, daß die Kinder im jüdischen Glauben erzogen wurden und durch die Ausrechterhaltung der Taufe ihr Familienglück zerstört würde, angesucht, daß diese Kinder au» den katholischen Matrikeln gestrichen und in jüdische Matrikeln eingetragen werden sollen. Der CultuSminister hat die Gesuchstellerio abgewiesen, da die Kinder als Katholiken betrachtet werden müsien und der Uebertritt vom Judenthum zum Christcnthum in Ungarn nicht gestaltet ist. Der Frankfurter Maler Her ma n n Iu nker hat, wie man un» schreibt, die Absicht, den EycluS von Bildern aus dem jüdischen Familienunr CultuSleben des Professor» Oppenheim, durch eine ähnliche Bildcrreihe zu ergänzen. DaS auf der Kunstausstellung im hiesigen «unstverein befindlichc Bild desselben: .Da« Mondgebet nach dem AuSgange de» BersöhnungStageS" erfreut sich allgemeiner Anerkennung. Herr Junker hat auch verschiedene Persönlichkeiten, als Mendelssohn, Rothschild, Leopold Kompert und unseren derzeitigen Eantor Herrn Salomo» Popper, nach Photographien auf dem Bilde angebracht. Wie dieses werden auch die 1870 erschienenen zwei Scenen aus deni Lager der Deutschen bei Metz, .die Andacht am Vorabend, Kol Nidre" und „Am Jom Kippur" zu dieser vildersrrie zählen. — Gerade in unsqrrn antisemitischen Zeiten bleibt e« doppelt erfreulich, daß ein christlicher Maler sich solchen Schöpfungen zuwendet; er wird

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