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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 6 (1884) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
6 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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Mjtfschmerzliche«, nnd er wußte sich frei von der Theilnabme U,mn. So wurde er zum Führer de« Volk«, und Freund E|t> Feind, und Genosse und Gegner erkannten, daß er rein, Eiitkr und makellos war. Wa» er selbst den Freunden war. Da« wird ihm über da« Grab hinau« die Freundschaft zu Ecwabren wissen, der Tod wird die Bande nicht lösen, welche Ke Edelsten im Lande mit ihm verknüpfe». | Er hat au»gerungen den nimmer rul»enden Erdenkampf; Eit Geschichte wird ihm eine dankbarere Würdigung zu Tlieil Enten lasse», als der Lebende sie erfahren hat. Bei seinem ^Heiden hinterläßt er un« als die Summe seine« Lebenvas Vermächtniß: Schließt Euch innig zusammen in Freiheit I»nd Edelsinn und wirket für da« Vaterland und die Mensch» »bei! Arbeitet nicht »in de« Lohne« und der Ehre willen, Isondern arbeitet um Wahrlseit, »m Gesittung, um Gotte» IviUen. Und wäre die Zeit noch so trostlo«, lasset de» Mull» I„ch, linke« und verliert nicht den Glauben au die Mensch» Ihn,. denn der Triumpf gehört der Liebe und dem Recht. Ivn wolle» eiutrete» in die« Erbe, aus da« sein Namen sort- Ilkbe ,u»> ruhmreichen Angedenken, ein Vorbild für und für. Ifiu scheiden von ihm mit dem Wunsche: .Möge sein Nach- Iruhm währeir in Etvigkeit, sein Name sprossen Angesicht« der I Lonne". Amen! Maybaum'S Rede am"Grabe Lasters. Hochverehrte Trauerversammlung! Erfüllt von den erhabenen Eindrücken der großartigen Irauerseier, welche unsere Glauben-geineinde im Vereine init jadlreiche» Freunden und Verehrern de« Heimgegangenen ldeure» Genossen demselben in den heiligen Räumen unsere« Volteshause» veranstaltete, haben wir die enh'eelte Hülle! unseres geliebten Tobten geleitet zu dieser Stätte etvigen! Zneden«. In unserem Herzen klingen noch nach die Worte ' I »ei-innerster Ueberzeugung, die un« Eduard La«ker in seinem i Leben und Wirken al« einen Mann der Vorbildlichkeit schil» ' I decken; der gebeugte Muth wurde wieder aufgerichtet durch ' die Wahrnehmung allgemeinster Thcilnahme und unsere sittliche Willenskraft erhielt da den stärksten Antrieb durch die Be» 1 stätigung de« alten Ausspruche«: .Drei Kronen glänzen im Leben, die Krone der Wissenschaft, die Krone de« Prieste» tbums und die Krone de« KönigthnmS, aber die Krone de« guten Namen«, die allerdings er»t von der Nachwelt vergeben »ird, überstrahlt sie allesammt." Wer wie der Beretvigte die döch'ten Ideale de« Menschenthuin» sich zum Lebenziele setzte | »nd mit solcher Treue und Hingebung, mit solcher Selbstlosigkeit und Beharrlichkeit erstrebte; wer im Glauben an; die Gotterebenbildlichkeit der Menschen auf die Empfünglichken derselben für alle« Edle und Gute baute und darin durch keinerlei Enttäuschung beirrt zu werden vermochte: wessen Wort wie da« der israelitischen Propheten, ein Wort der Wahrhaftigkeit war und darum bald wie der Hammer wirkte, der den Felsen zertrümmert, bald wie ein Feuer von dem lftvigen, da» erleuchtet und erwärmt — der hat im besten «>»»e religio« gelebt und gcrvirkt, und für die erklingt im lode der Ruf de« Psalmisten, den« unsere Glaubensgemeinde so bereitwillig Folge leistete: 02 K2K j5UC "HSÜ b innB -TA .Cejfnet mir die Pforte» de« Heil«, ich will durch ße einziehen und de» Ewigen preisen!" Ich hätte nun nicht« hinzuzufügen, wodurch der Charakter de« Verewigten eine neue Beleuchtung erfahre» und größere Klarheit über sein Wirken verbreitet werden könnte. ES war illlo« an ihm so einheitlich gestaltet; alle seine LebenSäuße» wngen strömten so sehr au« einer und derselben Quelle daß ich immer zu demselben Ergebniß gelangte, gleichviel, ob in ihm den Menschen, den Patrioten, oder den Freund, dettachim wollte — zu dem Ergebniß selbsllosesten Streben« »ach dem Heile seiner Mitbürger. Allein wir werden jetzt den Verewigten in der sogenannten schrenreihe bestatten, wo nach alt jüdischer Sitte die Frommen w J»rael ruhen, Männer der religiösen Wissenschaft uitb de« religiösen Lehramtes, Männer, die sich in der Verwaltung unserer religiösen und Humanitären Anstalten ausgezeichnet Häven. So sei denn zur Ehre de« Verewigten wie zur Ehre seiner Glauben-gemeinde erörtert die Frage: '21 ,lv ^*5 HO 12p HC fS rojtn '2 HD 1*5 Wie kommt e«, daß eine religj. üse Gemeinschaft einen Volksvertreter, der ihr scheinbar fern stand, unter die Zahl ihrer Frommen aufnimmt'? H. V. Der verewigte Elenosse hat von der Stunde, da er, dem Rufe seiner Mitbürger folgend, da« verantwortungS» schwere Amt eckie« Volksvertreter« übernahm, sein ganze« Lebe» der Benvirklichung de« biblischen Grundsätze« gewidmet: K'H *522 pxpim .De« Vaterlandes Heil liegt ,n der Gesammtheit". Von der Einheit de» deutschen Volke« erwartete er die Erfüllung aller seiner idealen Hoffnungen. denn Große«, so dachte er, könnte mir Großes erzeugen, da« Kleine, da« Niedrige fände in ihm keine dauernde Stätte. Und als daher durch die vereinte Kraft des deutschen Volkes die deutsche Einl>eit erstritten war, da sahen wir ihn al« der Beste» Einen an dem inneren Ausbau der neuen Schöpfung arbeiten und Alle« aus dem Wege räumen, wa« der Fertigung und dauernde» Sicherung des EinheitSstaa» j te» hinderlich sein konnte. Dabei hatte er stet« nur die Gesammtheit iin Auge, von der Erweckung ihre« RechtSgefüb!« und ihrc-S Pflichtbewußffei»« auch für den Einzelnen eine völlige Heilung der Schäden envartend. Darum führte er so selten die Sache seiner Religionsgenossenschaft. Nicht al« ob er. der ihre religiöse und geschichtliche Entwickelung genau kannte, kein Verständlich gehabt hätte für die Billigkeit ihrer Forderungen. Allein er glaubte, die Zeit der Specialgesetzgebung wäre nunmehr vorüber, und er forderte gerade von seinen Religionsgenossen, daß sie Entsagung üben und warten sollten. Wäre erst die Rechtsgleichheit und die freie Enffaltung aller Kräfte für die Gesammtheit gesichert, dann würden auch in de» einzelnen Theilen „Liebe und Wahrheit sich begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen". Und wahrlich nur Eduard Laster, selber ein Held der Entsagung, durfte von Anderen ein solches Heldenthum im Interesse der Gesammtheit fordern. Damit stand aber der Veretvigte bewußt oder unbewußt voll und ganz auf dem Boden des IudenthumS Denn Ziel sowohl wie die Art des Erstreben» erinnern an die israelitischen Propl)eten, die ihren Blick allezeit auf die Gesammtheit der Menschen richteten. die die ergreifende Gestalt jene» GotteSknechte« schufen, der freudig-ergeben alles Leid »nd alle« Mühsal de« Leben« erträgt in Hinblick auf die Zeit, da die Erde voll sein tvird der Erkenntnis; Gottes, und da man die Liebe zu dem gemeinsamen Vater bethätigen wird durch die Liebe zu den Brüdern. Und so gewöhnten wir uns immer mehr die selbstlose Arbeit de« Verewigten im Dienste der Gesamintheit von diesem erhabenen Standpunkte zu betrachten; wir sahen in ihm je länger je mehr einen Träger und Wahrer unserer Ehre gegen jedwede Verkennung; sein öffentliche« Leben galt un« al« eine Heiligung de« göttlichen 'Namen«, der über Israel genannt wurde; und vor allen Anderen, die wir mit gerechtem Stolze zu den Unseren zählen, wandten wir auf den Verewigten an. da« Wort de« Herrn: nfii2*5 0,1*5 ri”H1 7t *3K '2 17T1 .Tu bist ihnen zum Wahrzeichen getvorden, damit sie erkennen, deg ich bin Adonai!" Danim gehört der Verewigte zu unseren Frommen; darum verehren wir in ihm einen Liebling Gotte«; darum ist un« sein Glaube: KM *522 px pini .de« Vaterlandes Heil liegt in der Gesammtheit" ein theure« Vennächtniß; darum leben wir der Zuversicht, daß seiner reinen Seele der Lohn wird tverden, den der Herr aller Weifter aufbewahrt seinen Frommen. Hienieden aber wird an seinem Namen sich beivähren da« Wort, da« er einst selbst gesprochen: .Und wen» der Strom der (Yegenwart gegen un» gehen sollte, die Zukunft wird gerechter sein"; HC? '21*513 DS*5 lnpiX 1T311X12' .siewerden kommen und künden dem kommenden Geschlechte da« Heil, da» er gewirkt hat". Sein Grab aber wird zu einer Stätte

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